Die Situation im Boni-Heim in Unna hat sich entspannt. Besuche sind nach negativem Schnelltest jetzt wieder möglich. © Marcel Drawe
Pflegeheim St. Bonifatius

Besucher beklagt: Mangelnde Informationen und zu späte Besucher-Tests im Boniheim

Seit dem 6. Januar sind Bewohner und Mitarbeiter im Pflegeheim St. Bonifatius mit dem Coronavirus infiziert. Dies sei jedoch nicht zufriedenstellend nach außen kommuniziert worden, beklagt ein Besucher.

Bezüglich des Corona-Ausbruchs im Wohn- und Pflegeheim St. Bonifatius in Unna herrsche mangelnder Informationsfluss – das zumindest bemängelt ein Besucher, der in den vergangen Tagen Kontakt zu einem Heimbewohner hatte. Er beklagt fehlende Auskünfte und bedauert, dass die Schnelltests für Besucher erst seit dem 14. Januar angeboten wurden – zu einem Zeitpunkt, als einige Mitarbeiter und Bewohner schon längst mit dem Virus infiziert waren.

„Was ist aus der Test-Strategie geworden, die besagt, dass Pflegeheime und Krankenhäuser Antigen-Schnelltests großzügig nutzen können, um Personal, Besucher und Bewohner regelmäßig auf das Coronavirus zu testen?“

THOMAS PURRMANN, BESUCHER DES BONIHEIMS

In den vergangenen Wochen hat sich die Infektionslage deutschlandweit zugespitzt, auch in Unna erreichten die Neuinfektionen mitunter Höchstwerte. Umso mehr verwundert es Rechtsanwalt und Notar Thomas Purrmann, dass ihm beim Besuch des Pflegeheims St. Bonifatius Anfang Januar keine Durchführung eines Corona-Schnelltests nahegelegt worden ist. Aus beruflichen Gründen habe Purrmann einen der Bewohner im Heim besucht; dabei sei der Zutritt zum Haus recht reibungslos erfolgt, erzählt der Notar: „Ein Mitarbeiter wies mich an, den Bogen mit Personalien und Angaben zur Gesundheit auszufüllen“, sagt er. „Dann betätigte er das Stirnthermometer und bat mich, meine Hände zu desinfizieren. Ein Schnelltest wurde jedoch nicht angeboten.“

Vor dem Hintergrund, dass derzeit gerade Pflege- und Seniorenheime als besonders schützenswert gelten, könne Purrmann dieses Verhalten nicht nachvollziehen: „Was ist aus der Test-Strategie geworden, die besagt, dass Pflegeheime und Krankenhäuser Antigen-Schnelltests großzügig nutzen können, um Personal, Besucher und Bewohner regelmäßig auf das Coronavirus zu testen?“, fragt er.

Besucher erfährt aus der Zeitung über Corona-Ausbruch

Aber nicht nur die fehlende Besucher-Testung beklagt der Unnaer: Von dem Ausbruch des Virus im Boniheim habe er durch die Berichterstattung in der Zeitung erfahren. Für Purrmann ist das ein Unding: „Meine Kontaktdaten sind doch im Heim erfasst worden. Ich bin selbst 68 Jahre alt und habe mir Gedanken gemacht, ob ich eventuell mit dem Virus in Berührung gekommen bin“, sagt er. Statt eine Benachrichtigung vonseiten des Pflegeheims zu erhalten, habe Purrmann dieses eigenständig kontaktieren müssen: „Ich habe dort angerufen und nachgefragt, ob die Station, auf der ich zu Besuch war, vom Virus betroffen ist.“ Erst dann habe man Purmann die Auskunft erteilt, dass es sich bei dem Corona-Ausbruch um andere Stationen handele, er somit keinem direkten Risiko ausgesetzt gewesen sei. Eine Vorgehensweise, die für den Notar nicht transparent genug ist.

Vorwürfe dieser Art weist Karin Riedel – als Pressesprecherin im katholischen Hospitalverbund auch für das Boniheim tätig – jedoch entschieden zurück: „Alle Angehörigen oder Betreuer der Bewohner, die positiv getestet wurden, sind jeweils direkt telefonisch informiert worden“, sagt sie. Für die Benachrichtigung weiterer Besucher sei jedoch das Gesundheitsamt im Zuge der Nachverfolgung zuständig. „Dies ist nicht Aufgabe unserer Einrichtung, sondern wird – soweit bei positiven Befunden notwendig – über den Kreis Unna geregelt.“ Da Purrmann in diesem Fall eben nicht betroffen gewesen sei, habe er auch keinen Anspruch auf die Bestätigung eines „Nicht-Risiko-Kontaktes“.

„Wir haben aktiv und transparent über die Internetseite und die Presse über die Situation in unserem Hause informiert.“

KARIN RIEDEL, PRESSESPRECHERIN IM KATHOLISCHEN HOSPITALVERBUND UNNA

Desweiteren fügt Riedel an, dass alle Hygiene-Regelungen in den vergangenen Monaten und Wochen in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises getroffen worden sind. Dazu gehörte auch die Vereinbarung, die täglichen Testangebote für Besucher am 14. Januar beginnen zu lassen. „Da wir extern von Personal unterstützt werden, sind die Testungen nun möglich“, so Riedel. Das hauseigene Personal hat dies demnach zuvor nicht leisten können: „Unsere Pflegefachkräfte haben wir regelhaft auf den Wohnbereichen für die wichtige Pflege und Versorgung unserer Bewohner eingesetzt“, so Riedel.

Testungen von Bewohnern, Mitarbeitenden und externen Dienstleistern

Nichtsdestotrotz seien Testungen von Bewohnern, Mitarbeitenden und externen Dienstleistern, wie etwa Therapeuten, bereits zuvor im Hause durchgeführt worden. Nur so sei die aktuelle Infektionslage überhaupt aufgefallen und dann weiter nachkontrolliert worden.

Daher weist Riedel auch den Vorwurf der mangelnden Kommunikation zurück: „Wir haben aktiv und transparent über die Internetseite und die Presse über die Situation in unserem Hause informiert.“ Regelmäßig – bei Aktualität sogar täglich – sei auch die Website im Bereich „Covid-19-Info für Angehörige“ aktualisiert worden. Daher finde Riedel es schade, dass der Besucher sich dennoch beklagt und seinen Unmut zunächst öffentlich statt direkt im Heim äußert.

In der Vergangenheit habe nämlich sowohl das Pflegefachpersonal als auch die Leitung ihr Bestes gegeben, sich umfassend um alle Bewohner zu kümmern und auch in dieser Ausnahmesituation einen reibungslosen Alltag im Boniheim zu gewährleisten.

Zahl der Infizierten mit über 30 Betroffenen unverändert

So habe sich etwa auch die Zahl der Corona-Infizierten im Boniheim seit der Bekanntgabe am vergangenem Freitag mit etwas über 30 betroffenen Bewohnern und Mitarbeitenden nicht verändert: „Weiterhin sind alle Betroffenen gesundheitlich stabil. Darüber sind wir sehr froh“, sagt Riedel dazu. Sie richtet den Dank an das Team, die Bewohner und die Angehörigen, die in diesen herausfordernden Zeiten besonders unterstützend agierten.

Über die Autorin
Geboren 1992 mitten im Ruhrgebiet (Bottrop) und aufgewachsen am Rande des Münsterlandes (Dorsten), hat es sie zum Studieren nach Bielefeld verschlagen (die Stadt gibt es wirklich ;-)). Nach beruflichen Zwischenstationen in Braunschweig, Berlin und Aachen ist sie froh, wieder zurück im Pott zu sein und Geschichten für Unna zu schreiben. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, hört sie gerne Musik, wandert im Grünen oder faulenzt mit einem guten Buch im Café.
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