Pflege

Besser gerüstet für Herausforderungen in der Demenz-Pflege

Die Tagespflege ermöglicht es Angehörigen, auch mal selbst durchzuschnaufen. Besondere Herausforderungen bedeutet die Pflege von Menschen, die unter Demenz leiden – auch für die Fachleute.
Alexandra Grund (hinten links) beim Bingo spielen mit Gästen der AWO-Tagespflege an der Vinckestraße in Unna. Die Pflegefachfrau hat sich zur gerontopsychiatrischen Fachkraft weitergebildet. © Gemünd / AWO RLE

„Redet sie mit mir? Oder mit jemand anderem?“ – Damit ein Mensch mit Demenz merkt, dass man mit ihm spricht, braucht es oft mehr als die direkte Ansprache und Augenkontakt. „Viele nehmen es nicht wahr, wenn man sie rein akustisch anspricht, sie beziehen es nicht unbedingt auf sich“, weiß die Pflegefachfrau Alexandra Grund. „Legt man ihnen beim Ansprechen aber beispielsweise eine Hand auf die Schulter, reagieren sie und können das Gesagte auf sich beziehen.“

Es sind vermeintlich einfache Dinge wie dieses Beispiel, die einen entscheidenden Unterschied in der Betreuung von demenziell veränderten Menschen machen. Dinge, auf die Alexandra Grund und ihre Kolleginnen und Kollegen in der AWO-Tagespflege in Unna ganz genau achten – aus gutem Grund: An die 70 Prozent der Tagespflege-Gäste sind an Demenz erkrankt.

Herkömmliche Betreuungsangebote stoßen an Grenzen

Für die Tagespflege Unna bedeutet dies: Bringt ohnehin schon jeder Gast seine individuellen Bedürfnisse mit in die Einrichtung an der Vinckestraße, kommen bei Gästen mit Demenz die unterschiedlichen Eigenarten dieser heimtückischen Krankheit noch hinzu.

„Viele Tagespflegen lehnen Menschen mit Demenz ab, weil sie eine besondere Herausforderung im Alltag der Tagespflege darstellen“, weiß die Leiterin der Tagespflege Unna, Veronika Erichsen. Wenn jemand plötzlich nicht mehr sagen kann, was er gerade möchte oder sich angegriffen fühlt, sobald er angesprochen wird, dann stoßen herkömmliche Betreuungsangebote an ihre Grenzen.

„Gerade diese Menschen lagen mir schon immer am Herzen. Mit dem richtigen Handwerkszeug und viel Beobachten kann man ihnen helfen, davon bin ich überzeugt und das beweist sich auch immer wieder“, sagt Alexandra Grund. Die Pflegefachfrau hat eine Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft im Mai dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen.

„Ich habe vieles vertiefen können, was ich schon kannte und fühle mich jetzt noch besser gerüstet, um unseren dementen Tagesgästen die optimale Betreuung zu bieten“, sagt Alexandra Grund. Die sogenannte basale Stimulation, die demenziell veränderten Menschen helfen kann, am Geschehen um sie herum aktiv teilzunehmen, ist ein Beispiel. Nonverbal werden dabei Anreize oder Impulse geschaffen, die sie dazu bewegen, mit ihrem Gegenüber zu interagieren – wie etwa das Berühren an der Schulter, um zu signalisieren, dass man mit ihnen spricht.

Angehörige werden durch die Arbeit der Tagespflege entlastet

„Die Betreuung von demenziell veränderten Menschen bringt natürlich auch grenzwertige Situationen mit sich“, sagt Veronika Erichsen. Wutanfälle, Weglaufen, kompletter Rückzug: Demenz hat viele Gesichter und keines davon ist berechenbar. Umso wichtiger ist das, was das Tagespflege-Team an der Vinckestraße macht: „Wir beobachten unsere Gäste genau und lernen so viel über sie. Das ist gerade auch im Miteinander wichtig. Wenn wir einen Gast, der seine Nachbarn gerne anspricht, beim Mittagessen neben einen Gast setzen, der bei jeder Ansprache sofort wütend wird, dann funktioniert das nicht und führt schnell zu Spannungen in der gesamten Gruppe. Auf so etwas achten wir“, erklärt Alexandra Grund.

Humor und die Bereitschaft, sich jeden Tag auf etwas Neues einzulassen, helfen bei dieser Aufgabe. Und die Gewissheit, dass ihre Arbeit Menschen etwas Gutes tut – auch denjenigen, die selbst gar nicht Gast in der Tagespflege sind. „Einen demenziell veränderten Menschen rund um die Uhr Zuhause zu betreuen, erfordert unglaublich viel Kraft. Mit unserer Tagespflege entlasten wir die Angehörigen zumindest zeitweise“, sagt Veronika Erichsen.

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