Ende der Debatte: Belastete Straßen in Unna werden nicht mehr umbenannt

dzPolitik

Die Diskussion um belastete Straßennamen in Unna war zäh – und bleibt nun wohl beendet. Große Teile der Unnaer Politik wollen sich nicht mehr damit beschäftigen.

Unna

, 19.06.2020, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Dichter in treuer Gefolgschaft des NS-Regimes und die siegreiche Entscheidungsschlacht bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sind der Stadt Unna die Würdigung mit einem Straßennamen wert. Und sie bleiben es wohl auch: Neue Eingaben aus der Bevölkerung nimmt die Mehrheit der Politik nicht an.

Ein Bürgerantrag zur Umbenennung der Wagenfeldstraße ist nun im Hauptausschuss gescheitert. Die beiden Antragsteller waren bei einem Spaziergang auf das Zusatzschild gestoßen, auf dessen Aufhängung sich die Politik anstelle einer Umbenennung verständigt hatte. Und erst der Text dieses Schildes ließ die Passanten Anstoß nehmen.

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„Dass ein Nazi mit einer völkischen Gesinnung Namensgeber bleibt, finden wir unerträglich“, schreiben die beiden Antragsteller an die Stadt. Der Nachtrag „Zur mahnenden Erinnerung“ in dem Text bringe genau der falschen politischen Richtung Aufmerksamkeit. Stattdessen müsse vielmehr der Opfer des Regimes oder des Widerstandes gedacht werden.

Bürger wollten Diskussion neu anstoßen

Dieser Antrag aus der Bürgerschaft ist nicht der einzige Vorstoß, die Diskussion über Wagenfeld-, Lersch- und Sedanstraße noch einmal neu aufzunehmen. Auch der frühere Geschichtslehrer Hans-Ulrich Knies, der an der Arbeit eines Arbeitskreises zum Thema mitgewirkt hat, forderte zuletzt eine Fortsetzung der Diskussion.

Mehrheit der Politik lehnt das Thema als solches ab

Darauf scheint aber ein großer Teil der Unnaer Politik nicht aus zu sein. Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt sprachen sich nur Grüne, Linke und FDP dafür aus, den vorliegenden Antrag zur Beratung anzunehmen. Doch die Mehrheit der Sozialdemokraten, die CDU und die FLU wiesen den Antrag zurück. „Wir haben einen parteiübergreifenden Kompromiss gefunden, und irgendwann muss doch so eine Diskussion einmal zu Ende sein“, begründete FLU-Fraktionschef Klaus Göldner seine Entscheidung.

Schon die Ursprungsdebatte lief zäh

Die Auseinandersetzung mit den drei Straßennamen lief in Unna über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren, allerdings ausgesprochen zäh. Am Ende stand der Kompromiss, Lersch-, Wagenfeld- und Sedanstraße nicht umzubenennen, sondern mit Zusatzschildern zur historischen Einordnung zu versehen. Diese Schilder, deren Texte in Zusammenarbeit mit Unnaer Schülern entstanden sind, sind inzwischen montiert.

„Wenn die Leute jetzt stärker sensibilisiert sind für das Thema, dann bietet sich doch eine Neuberatung an“, meint der Bündnisgrüne Ratsherr Karl Dittrich. „Man kann ja lernen. Und wenn ich durch das Schild einen neuen Impuls bekommen habe, ist das eine Entwicklung, der man Rechnung tragen kann.“

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