Mit vielen Bildern: Bei Unnas Kneipennacht wird notfalls auch auf dem Bürgersteig gefeiert

dzKneipennacht

18 Locations, 20 Bands, hunderte Besucher: Unnas Kneipennacht macht ihrem Ruf alle Ehre. Überall wird gute Musik gespielt - auch wenn sie manchmal nur durch einen Fensterspalt zu hören ist.

von Dominik Pieper

Unna

, 16.02.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstagabend, gegen 22.30 Uhr vor der Kneipe Oller Kotten. Freundlich und fast schon entschuldigend sagt der Türsteher mit seiner orangefarbenen Weste einer achtköpfigen Gruppe, dass in der Kneipe gerade leider kein Platz mehr ist. Schade, wollte die Männertruppe aus Kamen doch nach einem Besuch in der Stadtkirche jetzt gerne bei Giuseppe Muratore im Kotten weiterfeiern.

Jazz und Blues spielten "Blue Thumb" im Café im ZIB - die Band war die größte Gruppe der Kneipennacht.

Jazz und Blues spielten "Blue Thumb" im Café im ZIB - die Band war die größte Gruppe der Kneipennacht. © Pieper

Rock und Pop aus Italien im Ollen Kotten

So wie den Freunden aus Kamen ging es am Samstagabend vielen größeren Gruppen – nicht nur am Ollen Kotten. Die Kneipen in der Innenstadt waren voll, richtig voll. Während die Kneipennacht eigentlich davon lebt, dass alle Besucher immer mal ein Häuschen weiter ziehen, um möglichst viele Bands zu erleben, waren etliche Besucher am Samstagabend schnell sesshaft geworden und feierten in einer einzigen Kneipe. Wer als größere Gruppe rein wollte, stand oft auf dem Schlauch – oder besser: vor der Gaststätte.

Jetzt lesen

Die Männertruppe aus Kamen behalf sich übrigens schnell. Irgendwo her holte einer der Freunde eine Kiste Bier und die Herren tranken vor dem geöffneten Fenster am Kotten, um wenigstens etwas der Band „Jakkle“ zu lauschen, die im Innern italienische Klassiker spielte. Und als dann noch „Felicita“ von Al Bano und Romina Power aus dem Fensterspalt nach draußen drang, sangen die Jungs einfach mit.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kneipennacht Unna

16 Kneipen, 2 Kirchen, 20 Bands, hunderte Besucher: In Unna wurde am Samstag die 17. Auflage der Kneipennacht gefeiert. In der gesamten Innenstadt machten große und kleine Kneipen mit - die Bands kamen überall richtig gut an.
16.02.2020
/
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper
Unna Kneipennacht 2020© Pieper

Kneipen schon früh bestens besucht

Gegenüber im Tortuga, im Extrablatt am Alten Markt, im Camillo an der Katharinenkirche, im Kochtos am Ring, im Schalander sowieso – schon früh waren viele der Kneipen der 17. Unnaer Kneipennacht bestens besucht. Die Schlangen vor den Tresen waren lang, aber ein passendes Getränk hat jeder Gast irgendwie bekommen.

Nicht minder voll waren die Plätze direkt vor den Bands. Die Musiker genossen die ungezwungene Atmosphäre der Kneipen und zeigten sich spielfreudig, musikalisch hörenswert, absolut vielseitig. Auch wenn jede Band irgendwie einen anderen Stil pflegte, hatten alle doch eines gemeinsam: Die gute Stimmung vor der Bühne schwappte schnell auch auf die Musiker über und stachelte sie an.

Sänger und Bassist Bernie Kolbe von "Wild Years" eröffnete den Bandabend im Schalander mit Rock aus den 60er-Jahren.

Sänger und Bassist Bernie Kolbe von "Wild Years" eröffnete den Bandabend im Schalander mit Rock aus den 60er-Jahren. © Pieper

Wenn Toto läuft, müssen die Hände frei sein

Ein paar Beispiele: „Rockaholix“ im Extrablatt mit Stefan Kässner am Mikrofron spielten Rock aus den 70er-Jahren in klassischer Bandformation. Als die Band noch zu vergleichsweise früher Stunde Toto anstimmte, stellten die Fans vor der Bühne rasch die Biergläser ab, um die Hände fürs Klatschen nutzen zu können.

Sound kommt bei Besuchern gut an

Ähnliches Bild im Camillo. Dort spiele „Super-Queen“ passend zum Bandnamen Hits von Queen und Supertramp. Nur mit Gitarre, Saxofon und Keyboard schoben die drei Musiker einen Sound von der Bühne, der schnell und richtig gut bei den Besuchern ankam.

Gute Stimmung schoben die Jungs von "Super-Queen" von der Bühne des Camillo direkt zu den Gästen in der Kneipe.

Gute Stimmung schoben die Jungs von "Super-Queen" von der Bühne des Camillo direkt zu den Gästen in der Kneipe. © Pieper

Im Schalander eröffneten „Wild Years“ den Abend. Sänger und Bassist Bernie Kolbe, mit seinen langen Haaren dem optischen Klischee altgedienter Rocker alle Ehre machend, und seine beiden Bandkollegen zeigten schon beim ersten Stück des Abends, wo die Reise hingeht: in die Zeit der Rockklassiker aus den 60er-Jahren.

Blues im klassischen Stil

Die vielleicht größte Band des Abends spielte im Café im ZIB. „Blue Thumb“ widmete sich als achtköpfige Formation dem Blues – klassisch dargeboten durch Mundharmonika, Percussion und Begleitung und vor allem gesungen mit einer wirklich ansteckenden Inbrunst.

Jetzt lesen

In vielen anderen Kneipen spielten kleine Besetzungen, teils als Trio, teils als Duo, teils alleine. Auch ihre Musik kam gut an. Im Spatz und Wal an der Hertingerstraße, auch im gerade erst eröffneten „Cafe 3 mal sechs“, dem ehemaligen Piccaso, im Klütings, der Brasserie und vielen anderen: Überall gelang es den Musikern, buchstäblich den richtigen Ton zu treffen. Und wer das Angebot der Kneipennacht richtig nutzte, um nach erstmaligen Tausch der Eintrittskarte gegen ein Einlassbändchen von Kneipe zu Kneipe zu ziehen, der erlebte tolle Musik und erfuhr, was Unnas Kneipenszene so besonders macht.

Lesen Sie jetzt