Das Hofgelände hinter dem Teppichland könnte für 400.000 Euro den Eigentümer wechseln – wenn das Gericht den Widerspruch des Alteigentümers zurückweist. © Udo Hennes
Gericht

Befangenheitsantrag im Verfahren um „B1-Öhrchen“ an der Morgenstraße

Auch für die hintere Hälfte des „B1-Öhrchens“ an der Morgenstraße gibt es einen Kaufinteressenten. Die Insel in der Zufahrtschleife zur Bundesstraße könnte somit zwei neue Eigentümer bekommen.

Nach dem Verkauf der ehemaligen Teppichland-Immobilie an der Morgenstraße scheint es nun auch für das „Hinterland“ eine Entwicklung zugeben. Das Hofgelände dort war in einer Zwangsversteigerung des Amtsgerichtes Unna aufgerufen worden. Und zumindest fand sich dort ein Interessent.

Der Privatmann bot 400.000 Euro und verließ das Gerichtsgebäude am Freitag in dem Wissen, Höchstbietender zu sein. Einen Zuschlag erhielt er aber noch nicht. Vielleicht bekommt er den in einem Verkündungstermin Mitte Dezember. Dies allerdings erfordert noch einige juristische Prüfungen.

Der bisherige Eigentümer hatte bis zum Schluss um seine Immobilie gekämpft und dafür auch gegen das Versteigerungsverfahren: Bereits im Mai war ein Versteigerungstermin ohne Gebot geblieben. Damals wie heute wies der Schuldner potenzielle Erwerber auf die Risiken hin, die mit dem Grundstück verbunden seien: Unreparierte Schäden an den Gebäuden, eine schwach ausgelegte Stromleitung, die schwierige Zufahrt durch eine Wellblechröhre unter dem B1-Zubringer, unzählige rostende Altölkanister unter Brombeersträuchern, umsturzgefährdete Pappeln, die Trasse der alten Reichsstraße 1 als potenzielles Bodendenkmal und ein verarmter Mieter, der praktisch nur gegen tatkräftige Hilfe freie Unterkunft genieße.

Der Noch-Eigentümer und sein Anwalt stellten Antrag auf eine Aussetzung der Vollstreckung, aber auch einen Befangenheitsantrag gegen den Rechtspfleger, der die Versteigerung durchführte. Der Hintergrund war ungewöhnlich: Weil in der öffentlichen Ladung zum Termin noch eine Wegbeschreibung zur Lindenbrauerei anhing, die dem Gericht im Mai als Übergangsquartier gedient hatte, forderte der Anwalt des Schuldners eine Terminabsage. Das Gericht folgte diesen Antrag nicht, da die Ladung selbst korrekt auf das Gerichtsgebäude in Königsborn verwiesen habe und man zudem noch jemanden am Eingang der Lindenbrauerei postiert habe für den Fall, dass sich jemand dorthin verirrt. Diese Zurückweisung wertete die Schuldnerseite als Zeichen der Befangenheit.

Zuschlag wohl frühestens im Dezember

Wie mit den Anträgen umzugehen ist, ließ sich trotz einer 30-minütigen Unterbrechung des Termins nicht ad hoc klären. Das Gericht nimmt diese Prüfung und Klärung nun im Folgenden vor; würde den Zuschlag gegebenenfalls nachträglich erteilen.

Was danach mit dem Grundstück geschieht, ist noch offen und Sache des Erwerbers. Zuvor war bereits ein Nachbargrundstück im freien Verkauf an einen neuen Eigentümer gegangen, der nun in der Halle des ehemaligen Teppichlandes ein Küchenstudio eröffnen will. Die Grundstücke hatten zuvor unterschiedliche Besitzer, die zeitliche Nähe von Verkauf und Zwangsversteigerung gilt als Zufall.

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Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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