Bedauern und Unverständnis über das Ende der Stadtlichter in Unna

dz„Einfach provinziell“

Das Aus für die „Stadtlichter“ löst großes Bedauern aus. Zugleich gibt es Kritik am Umgang mit den Künstlern der Stadt. Sie stützt sich nicht nur auf die Erfahrungen von Wolfgang Flammersfeld.

Unna

, 10.09.2019, 15:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bedauern, Unverständnis und eine gehörige Portion Kritik an den Gepflogenheiten in Unna bestimmen die Reaktionen auf die Nachricht vom Ende der „Stadtlichter“. Ab kommendem Freitag soll der alte Westfriedhof noch einmal als Lichtkunstpark erstrahlen – aber definitiv zum letzten Mal, wie Veranstalter Wolfgang Flammersfeld vorab erklärt.

Flammersfeld erklärt seinen Abschied auch mit einer Reihe von Hürden, auf die er bei seiner Arbeit in Unna gestoßen sei. Unter anderem habe er dafür bezahlen müssen, die Außenwände des Turrell-Bauwerkes auf dem Platz der Kulturen als Projektionsfläche nutzen zu dürfen. Und im ZIB sei es ihm verwehrt worden, Plakate aufzuhängen. In anderen Kommunen falle die Unterstützung größer aus.

„Unna ist einfach provinziell“, kommentierte der Fraktionsvorsitzende der Freien Liste, Klaus Göldner, die Situation. „Wolfgang Flammersfeld ist ein international bekannter Künstler, dem andernorts der rote Teppich ausgerollt wird. Und wir verlieren eine weit über die Grenzen Unnas bekannte Veranstaltung, weil wir ihm Steine in den Weg legen. Leider war das fast schon absehbar.“

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Göldner sieht auch einen Zusammenhang mit der Grundsatzdebatte über die kulturelle Nutzung des Westfriedhofs. Die CDU hatte sie im Betriebsausschuss der Stadtbetriebe angestoßen, die für das Friedhofswesen in Unna zuständig sind. In Folge dieser Diskussion wurden die Bedingungen für die Genehmigung von Veranstaltungen dort strenger.

Betroffen davon waren die Stadtlichter und die Freilichtaufführungen des Theaters Narrenschiff im Sommer. „Ich habe mich damals echt geärgert, als das vorgebracht worden ist“, so Göldner. „Der Friedhof ist so lange nicht mehr in Betrieb. Da gibt es doch wirklich keinen Grund, über Pietät zu diskutieren.“

Bedenken daran, ob Kultur auf dem Westfriedhof richtig verortet sei, kann auch die Kulturausschussvorsitzende Ingrid Kroll (SPD) nicht verstehen. „Die Stadtlichter waren eine wunderschöne Veranstaltung. Auch die älteren Unnaer haben sie akzeptiert“, so Kroll. Über Flammersfelds Entscheidung sei sie traurig. „Wir sollten das noch einmal aufarbeiten und zum Beispiel darüber diskutieren, welche Vermarktungsmöglichkeiten wir den Veranstaltern geben.“

Stadt: Flammersfeld hätte digital werben können

Kroll spielt dabei auf das vermeintliche Plakatierverbot im ZIB an, das gegenüber Flammersfeld mit Verweis auf den kommerziellen Charakter der Veranstaltung ausgesprochen worden sei. Die Stadtverwaltung schilderte die Situation allerdings anders: Was genau Flammersfeld gesagt worden ist, könne zwar zurzeit nicht geprüft werden, weil die zuständige Mitarbeiterin gerade nicht im Haus ist, erklärte Rathaussprecher Christoph Ueberfeld. Grundsätzlich aber sei es so, dass im ZIB nur die Veranstaltungen mit Plakaten beworben würden, deren Karten am i-Punkt im Verkauf sind. Flammersfeld aber verkauft seine Karten an der Abendkasse. „Wir haben ihm zudem das Angebot gemacht, auf dem Monitor im ZIB-Foyer zu werben. Aber er hat uns bislang kein Bild geschickt“, so Ueberfeld.

Der bündnisgrüne Kulturpolitiker Michael Sacher indes erkennt eine mangelhafte Wertschätzung der Künstler in Unna nicht allein am Beispiel von Flammersfeld und den Stadtlichtern. „Es wird teilweise wohl nicht wahrgenommen, welche Pfunde wir hier in der Stadt selbst haben. Das gilt aber auch für das Theater Narrenschiff“, sagt Sacher.

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