Ein Fuß- und Radweg, mindestens ein Tempolimit: Mehr Sicherheit fordert ein Ratsherr für die Lünerner Schulstraße. Saniert wird die Strecke schon jetzt – nur für Autos und Traktoren.

Unna

, 06.08.2019, 10:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Kreis Unna kündigt die Sanierung der Lünerner Schulstraße an. Die Kreisstraße 38 zwischen Lünern und Stockum soll erneuert werden, in einem zweiten Bauabschnitt im Herbst auch die Stockumer Dorfstraße. Für die Schulstraße erreichte unsere Redaktion zeitgleich die Forderung nach mehr Sicherheit. Erst einmal aber wird nun die Straße erneuert. Ob es später auch einmal einen Fuß- und Radweg geben wird, bleibt abzuwarten.

Ratsherr: Straße „sehr gefährlich“

Werner Clodt würde es sich wünschen. Der Ratsvertreter (CDU) bezeichnet die Straße zwischen dem kleinen Eisenbahntunnel südlich von Lünern und dem Nachbardorf Stockum als sehr gefährlich. Die Dörfer Lünern und Stockum seien durch Vereine, Kindergarten und Schule, Schwimmbad und Kirche eng miteinander verbunden. Und die Straße werde nicht nur von Autofahrern, auch von Fußgängern und Radfahrer viel genutzt, so Clodt, „trotz der Gefahren“, wie er in einem Antrag an den Bürgermeister schreibt. Nach seiner Einschätzung würde ein kombinierter Geh- und Radwegstreifen allen Benutzern wesentlich mehr Sicherheit geben.

Kreis: Straße dient dem Verkehr

Technisch unmöglich wäre das nicht, auch wenn die Straße ab der kommenden Woche schon saniert wird, ohne Clodts Forderung schon zu berücksichtigen, sagt Sebastian Schriever vom Straßenbaubereich des Kreises Unna. Nach dem, was der Fachmann an Bedenken nennt, erscheint ein Geh- und Radweg allerdings unwahrscheinlich. Die Kreisstraße sei eher ungeeignet als Wegeverbindung für Fußgänger oder Radfahrer. Diese Funktion habe sie auch nicht, so Schriever. Eine solche Kreisstraße solle vor allem motorisierten Verkehr zügig von A nach B bringen, also von einem Ort zum anderen.

Nötig wären Lückenschluss und Landkauf

Würde ein Radweg angebaut, müsste man auch auf den Lückenschluss achten, damit das Projekt Sinn ergibt. In Lünern und Stockum gebe es aber keine solchen Anschlüsse an bestehende Wege, so Schriever. Da die Straße die Gleise unterquert, müssten im Vorfeld auch Verhandlungen mit der Bahn geführt werden, das gilt als kompliziert. Schriever gibt außerdem zu Bedenken, dass ein Geh- und Radweg Geld kostet. Und der Kreis Unna müsste dafür ausreichend Fläche auf der einen oder der anderen Seite der Straße haben. „Es müsste Grunderwerb getätigt werden, und das ist meistens nicht ganz einfach.“ Landwirte haben wenig Interesse, sich von Teilen ihrer Ackerflächen zu trennen.

Tempolimit nicht ausgeschlossen

Und ein Tempolimit? Ratsherr Clodt hielte aus Sicherheitsgründen eine Höchstgeschwindigkeit von 50 oder sogar 30 für angebracht. Aktuell ist Tempo 100 erlaubt. Schriever äußert Zweifel, ob dieses hohe Tempo auf der kurvigen Strecke überhaupt von vielen Fahrern ausgenutzt wird. Auch hier gelte wieder, dass die Kreisstraße vor allem leistungsfähig sein müsse, also Verkehr zügig transportieren. Ein Tempolimit aber schließt Schriever nicht aus. Tempo 30 ließe sich sicher nicht durchsetzen, 50 möglicherweise schon, 70 sehr wahrscheinlich – wenn alle zu beteiligenden Behörden dem zustimmen.

Sanierung mit Ausweichflächen

Der Plan des Kreises Unna für die K38, der nun erst einmal umgesetzt wird, sieht eine Baumaßnahme in zwei Abschnitten vor, die eine halbe Million Euro kostet. Die Lünerner Schulstraße zwischen dem Lünerner Ortseingang und der Kreuzung in Stockum bekommt eine neue Asphaltdecke. Etwas breiter wird sie auch, aber nur 80 bis 100 Zentimeter. An den Rändern sollen Rasengittersteine eingebaut werden. „Das ist für den Normalverkehr keine Verbreiterung der Fahrbahn“, sagt Schriever. Die Zusatzfläche soll das Ausweichen erleichtern, wenn sich Fahrzeuge begegnen. Hör- und spürbares Rumpeln auf den löchrigen Steinen werde Fahrer veranlassen, dort nur sehr langsam drüber zu fahren.

Straße soll griffiger und stabiler werden

In der Vergangenheit habe man die Straße schon für relativ wenig Geld ausgebessert. Dabei verwendetes Material löse sich inzwischen auf. Gerade bei Nässe sei die Asphaltdecke deswegen rutschig und damit gefährlich. Die Straße habe zwar noch keine tiefen Schlaglöcher, sie müsse aber nun saniert werden, sagt Schriever. Der Asphalt soll etwas dicker werden, um den aktuellen und den erwarteten Verkehrsstärken gerecht zu werden. Man habe dabei insbesondere den landwirtschaftlichen Verkehr mit den inzwischen schweren Fahrzeugen im Blick, so Schriever.

Die Baumaßnahme soll am 12. August beginnen und bis zum 27. August andauern. Die Lünerner Schulstraße muss dafür gesperrt werden. Umgeleitet wird der Verkehr über die Straßen Stockumer Hellweg, Werler Straße, Lünerner Bahnhofstraße und An der Laar. An die Baustelle angrenzende Grundstücke können mit Einschränkungen erreicht werden, verspricht der Kreis.

Der zweite Bauabschnitt ist die Stockumer Dorfstraße von der Kreuzung am Hellweg bis Hausnummer 36 im Dorf. Dort wird vom 7. Oktober bis 4. November gebaut.

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