Entsetzen über Baumfällung in Massen: 100 Jahre alte Esche muss Bauprojekt weichen

dzÄrger in Massen

Anwohner der Mittelstraße in Massen sind schockiert: Ein offensichtlich kerngesunder Baum, der seit Jahrzehnten zum Ortsbild gehörte, ist gefällt worden.

Massen

, 02.04.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Karla Schmelter-Schmidt und Uwe Schmidt sind fassungslos: „Warum wurde dieser Baum gefällt? Er gehörte zu unserem Lebensraum in Massen. Er war schon immer da. Schon lange vor uns. Bis jetzt. Er stand keinem von uns im Wege.“ So wie den beiden Massenern geht es vielen Anwohnern, die dieser Tage am ehemaligen Haus Cromberg vorbeigehen und merken, dass dort etwas fehlt.

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So imposant war die Esche in voller Blüte (links), wie dieses Archivbild zeigt.

So imposant war die Esche in voller Blüte (links), wie dieses Archivbild zeigt. © Hennes

Nur noch ein großer Baumstumpf ist von der fast 100 Jahre alten Esche übrig geblieben. Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Esche gefällt wurde – und Massen sich fragt, wieso. „Baumfrevel“ – stand auf einem Brett, das zwischenzeitlich auf dem Baumstumpf stand.

„Der Baum gehörte zu unserem Lebensraum in Massen. Er war schon immer da. Schon lange vor uns.“
Karla Schmelter-Schmidt und Uwe Schmidt aus Massen

Die Ausmaße des Stumpfes lassen erahnen, wie alt der Baum gewesen sein muss. Ein Baum, den viele Massener seit Kindertagen schätzen: „Er bereitete vielen Freude, spendete Schatten für Kinder und Eltern, die auf dem Schulweg waren“, sagen nicht nur Karla Schmelter-Schmidt und Uwe Schmidt.

Auch Massens Ortsvorsteher Peter Kracht bedauert den Verlust des Baumes: „Der gehörte zu Massen einfach dazu.“ Schon mehrere Bürger hätten ihn darauf angesprochen, warum die Esche gefällt worden sei. Möglicherweise sei dort eine Bebauung geplant, habe er gehört, sagt der Ortsvorsteher. Was Kracht gehört hat, bestätigt unserer Redaktion der Eigentümer von Haus Cromberg. Die ehemalige Gaststätte steht in unmittelbarer Nähe zu dem nun gefällten Baum und wird derzeit zu Wohnungen umgebaut.

Das Grundstück, auf dem sich die Esche befand, habe er an einen Immobilienmakler verkauft, sagt der Eigentümer. Geplant sei dort der Bau eines Mehrfamilienhauses – und die Esche habe diesen Plänen offenbar im Weg gestanden.

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Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion an den Immobilienmakler blieb zunächst unbeantwortet. Fakt ist aber: Da es sich um ein Privatgrundstück handelt und Unna seit 2014 keine Baumschutzsatzung mehr hat, durfte die Esche gefällt werden. Bis dato regelte die Satzung, welche Bäume auf Privatgrund gefällt werden dürfen und welche nicht. Erst im Herbst 2019 hatten die Unnaer Grünen eine Wiedereinführung der Baumschutzsatzung gefordert – vor dem Hintergrund, dass Unna durch die beiden trockenen Sommer 2018 und 2019 viele Bäume verloren hatte.

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Dass oftmals Unklarheit herrscht, welche Bäume unter welche Voraussetzungen gefällt werden dürfen, zeigte sich zuletzt am Kreishauskreisel: Hier wurden durch den Investor des neuen Mühlencenters zwei Kastanien gefällt – wie sich im Nachhinein rausstellte, hätte die Stadtverwaltung dies vorher prüfen müssen. Denn bei den Kastanien handelte es sich um Ersatzpflanzungen für Kastanien, die Mitte der 1990er-Jahre gefällt wurden, um Platz für den Kreisverkehr zu machen.

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