Mit Video: Im täglichen Balkonkonzert sind Unnas Beginen auch mit Abstand vereint

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Wenn die Corona-Krise uns eine Sache aufzeigt, dann ist es die Bedeutung von Gemeinschaft. Im Beginenhof setzen die Bewohnerinnen jeden Abend mit Liedern ein Signal - ohne einander zu nahe zu kommen.

von Sebastian Pähler

Unna

, 29.03.2020, 14:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abstand halten ist das Gebot der Stunde, aber auf Dauer geht die Distanz an die Nerven. Einen Weg, mit dem Kontaktverbot umzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen, haben die Damen des Beginenhofs für sich gefunden. Jeden Abend singen sie gemeinsam - vor ihren Wohnungen auf dem Laubengang, mit gebührendem Abstand zueinander, aber dennoch nicht allein.

Zum Leben erwacht

Wie fast überall dieser Tage fühlt man sich auch an der Märkischen Straße wie in einer Geisterstadt. Kaum ein Auto kommt vorbei, niemand ist draußen und auch das die geschäftigen Geräusche der Stadt sind weitestgehend verstummt. Doch kurz vor 19 Uhr kommt plötzlich Leben auf.

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Am Beginenhof öffnen sich die Türen und die Bewohnerinnen, die in dem Wohnprojekt für Frauen nicht nur Lebensraum, sondern auch eine starke Gemeinschaft gefunden haben, treten nach und nach auf den Laubengang. Auch die Nachbarn kennen das Ritual schon und viele kommen an die geöffneten Fenster, um von der Ferne zu grüßen und bei der Aktion mitzumachen.

Manche Nachbarn haben sich inzwischen auf das Ritual eingestellt und senden einen Gruß herüber zum Wohnprojekt.

Manche Nachbarn haben sich inzwischen auf das Ritual eingestellt und senden einen Gruß herüber zum Wohnprojekt. © Borys Sarad

Im Beginenhof wie in den Nachbarhäusern zünden die Menschen Kerzen an: ein Zeichen der Solidarität in Zeiten von Corona. Dann wird füreinander und für die Menschen, die jetzt mit ihrem Einsatz die Gesellschaft am Laufen halten, applaudiert. Schließlich erheben die Beginen und ihre Nachbarn gemeinsam die Stimmen. Etwa „Der Mond ist aufgegangen“, „Freude schöner Götterfunke“ und das Beginenlied, das die Nachbarn auch schon mitsingen können.

All das dauert nur wenige Minuten, aber im Hof und in der ganzen Straße weiß man nun, dass es allen gut geht und dass man füreinander trotz Abstand einsteht.

Ein Miteinander trotz des Abstandsgebots

„Wir haben uns überlegt: Wie können wir das machen, dass man sich sieht?“, schilderte Bewohnerin Karin Paschedag den Gedanken hinter dem allabendlichen Ritual. Impulse kamen auch aus der Kirchengemeinde, aber da nicht jede Begine ein Gemeindemitglied ist, haben die Damen hier ihren eigenen Weg entwickelt.

Die Unterstützung füreinander und für andere reicht aber auch über die Begegnung hinaus. So kommt es etwa häufiger vor, dass etwa eine Begine für die anderen mitkocht und dann das Essen vor die Wohnungstür stellt.

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Um etwas beizutragen, hat eine Bewohnerin auch angefangen, Mundschutzmasken zu nähen. Fast 70 Stück sind schon entstanden, aus Stoffresten und Hutgummis aus dem Nähzeug der Beginen. Damit wurde unter anderem ein Pflegedienst unterstützt.

Das Miteinander klappt auch auf Distanz. „Ich bin wirklich glücklich, dass ich hier lebe“, so Paschedag.

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