Im Katharinen-Hospital ist der Bär los: Den ganzen Oktober über haben die „Koalas“ auf der Station 3A das Sagen. Mit niedlichen Bären hat das aber nichts zu tun, sondern mir moderner Ausbildung.

Unna

, 20.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alles grün: Auf der Station 3A im Katharinen-Hospital ist Grün in diesen Wochen die tonangebende Farbe. In leuchtend grünen T-Shirts sind 20 angehende Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Station unterwegs. Sie befinden sich eigentlich noch in der Ausbildung – und doch sind sie im Oktober diejenigen, die den Hut auf der Station 3A aufhaben.

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Ein flauschiger Koala-Bär ziert die Rückseite jedes T-Shirts, das die jungen Pflegekräfte tragen. Den „KoAla“ ist die Abkürzung für „Kompetenzorientierte Ausbildung schafft langfristige Zusammenarbeit“. Was sperrig klingt, ist ein Projekt der Pflegedirektion und soll den Auszubildenden die Chance geben, noch während ihrer Ausbildung bereits Verantwortung zu übernehmen.

Azubi-Projekt: Im Katharinen-Hospital übernehmen die „Koalas“ die Station 3A

Die grünen T-Shirts mit den niedlichen Koala-Bären, die die Pflegeschüler tragen, fallen sofort auf. © Anna Gemünd

Und das klappt ziemlich gut, wie sich zwei Wochen nach Projektstart zeigt. „Es ist viel weniger chaotisch, als ich gedacht habe“, sagt Franziska Arndt. Die 22-Jährige ist von ihren Mitschülern zur Stationsleiterin gewählt worden. Dienstpläne erstellen, die Übergabe von Tag- zur Nachtschicht begleiten und die Patientendokumentation: All das sind Aufgaben, die die Gesundheitspflegeschüler während ihrer Ausbildung aus der Zuschauer-Perspektive erleben – doch Franziska Arndt und ihre Mitschüler sind jetzt für genau das verantwortlich.

„Das ist schon etwas ganz anderes. Man lernt sich untereinander auch ganz anders kennen, wenn wir alle plötzlich wirklich in der Verantwortung stehen“, schildert Franziska Arndt ihre Erfahrungen.

Ein halbes Jahr Vorbereitung war nötig, dann stand die „Koala“-Station. „Das war aufwendig, aber es hat sich gelohnt“, sagt Pflegedirektor Ralf Effmert, „unsere Ärzte haben die jungen Kollegen intensiv unterrichtet, mit welchen Krankheitsbildern sie auf dieser Station zu rechnen haben und auch die examinierten Pflegekräfte haben die Auszubildenden auf diese Aufgabe vorbereitet.“

Azubi-Projekt: Im Katharinen-Hospital übernehmen die „Koalas“ die Station 3A

Ganz schön eng wird es zur Zeit im Stationszimmer, wenn sich alle Gesundheits- und Krankenpflegeschüler dort versammeln. © Anna Gemünd

Auch während der vier Wochen andauernden „Koala“-Zeit auf der chirugisch-kardiologischen Station sind „die Examinierten“, also die regulären Krankenpfleger weiterhin im Dienst. Sie bilden aber nur das Sicherheitsnetz, wie Anna Beringhoff erzählt. „Die examinierten Pfleger sind beispielsweise bei den Übergaben dabei, wenn es darum geht, welche Maßnahmen bei einem Patienten während der abgelaufenen Schicht vorgenommen wurden und wie es nun weitergeht.

Wenn ein Auszubildender dort eine wesentliche Sache vergessen würde, denken die examinierten Pflegekräfte daran. Und natürlich sind sie für den Fall der Fälle und eventuelle Unklarheiten ohnehin die ganze Projektphase im Hintergrund.“

„Das ist eine schöne Aufgabe. Man spürt schon jetzt, wie sehr das die Beziehung zu den Patienten verändert.“
Christos Balauras über seine Arbeit als „Case-Manager“

Aber eben nur im Hintergrund und genau das ist der Unterschied zum Ausbildungsalltag: „Die Schüler haben sonst meist fest zugewiesene Aufgaben auf einer Station, die sie während ihrer Ausbildung durchlaufen. Dass sie aber komplett für alles selbst verantwortlich sind, Entscheidungen treffen und Prozesse koordinieren müssen, ist neu“, erklärt Ralf Effmert.

Neu ist auch das, was Christos Balauras macht: Der 33-jährige Krankenpflegeschüler arbeitet während der „Koala“-Phase als „Case-Manager“. Damit ist er so etwas wie der Kümmerer der Station: Er begrüßt die Patienten bei der Aufnahme, zeigt und erklärt ihnen ihr Zimmer, begleitet sie zu Operationen und führt Entlassungsgespräche. „

Das ist eine schöne Aufgabe. Man spürt schon jetzt, wie sehr das die Beziehung zu den Patienten verändert. Eine Dame fragte schon nach wenigen Tagen, ob ich sie denn auch begleite, wenn sie zu ihrer OP muss. Das ist schön, wenn man merkt, dass da eine gewisse Bindung entsteht“, erzählt Balauras.

Möglicherweise erwächst aus den Erfahrungen, die Balauras jetzt als Case-Manager sammelt, eine dauerhafte Installation dieses Aufgabenbereichs am Katharinen-Hospital.

Azubi-Projekt: Im Katharinen-Hospital übernehmen die „Koalas“ die Station 3A

Patientin Marina Wright ist mit der Betreuung durch die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger sehr zufrieden: „Ich habe sie jetzt ja quasi zwei Wochen getestet und finde sie sehr gut.“ © Anna Gemünd

Fest steht schon jetzt: Bei den Patienten kommen die „Koalas“ gut an. „Sie nennen uns schon scherzhaft Tierpfleger“, sagt Franziska Arndt und schmunzelt. Patientin Marina Wright wirkt am Tag der Entlassung fast schon ein wenig wehmütig. „Die jungen Leute haben das richtig gut gemacht. Ich habe mich rundum gut betreut gefühlt“, sagt die Patientin. Sie findet die Idee hinter dem Projekt klasse. „So lernen sie auch mal die Realität kennen und können herausfinden, ob das wirklich ihr Beruf ist.“

Von der Begeisterung der Patienten zeugen auch die Berge an Schokolade, die als Dankeschön bei den jungen Pflegeschülern abgegeben wurden. Mit dabei: Kekse in Koala-Bären-Form. Denn auf der 3A ist ja der Bär los.

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