Autofahrer fährt Seniorin an, trägt aber nur eine geringe Schuld

dzGerichtsprozess

Ein Autofahrer, der im November eine Seniorin anfuhr und sie schwer verletzte, trägt an dem Unfall nur eine geringe Schuld. Das urteilte ein Richter am Amtsgericht Unna.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 21.08.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Werler Straße in Unna übersah ein Autofahrer im Herbst eine Fußgängerin. Bei der Kollision auf der B1 wurde die alte Dame verletzt und mit den Folgen kämpft sie noch heute. Wegen fahrlässiger Körperverletzung stand der Autofahrer nun vor Gericht.

Der Unfall ereignete sich am späten Nachmittag des 4. November 2019. Der 39-Jährige aus Soest bog mit dem Pkw von der K35 auf die Werler Straße ab. Die Seniorin, die vor der Tankstelle die Straße überquerte, registrierte er zu spät. Er versuchte noch, der 82-Jährigen auszuweichen, erwischte sie dennoch mit dem Spiegel. Die Rentnerin stürzte, zog sich dabei Brüche und Prellungen zu.

Die Folgen sind gravierend: Denn die Verletzungen kosteten sie, die nun einen Rollator benutzt, ihre Selbstständigkeit. Sie war gezwungen, von der eigenen Wohnung in eine betreute Einrichtung zu ziehen, weil sie jetzt Pflege benötigt.

Autofahrer übersieht Fußgängerin in der Dunkelheit

„Ich hielt am Stoppschild, guckte nach rechts und links, fuhr los. Plötzlich sah ich die Frau auf der Fahrbahn“, erinnerte sich der angeklagte Autofahrer nun im Prozess vor dem Amtsgericht. Es sei dunkel und regnerisch gewesen. Auch sei die alte Dame dunkel gekleidet gewesen. Erklären, warum er sie nicht gesehen habe, könne er dennoch nicht.

Der Rentnerin, die nach seiner Einlassung befragt wurde, ging es ähnlich. Auch sie sah das Auto zu spät oder vielmehr gar nicht. Sie spürte plötzlich einen Stoß, der sie zu Boden fallen ließ.

Vertreterin der Staatsanwaltschaft zeigt Verständnis

Während ein Zeuge und der Verteidiger die Verantwortung für den Unfall bei der Fußgängerin suchten, zeigte sich der Autofahrer vielmehr bestürzt und entschuldigte sich bei der Seniorin. Die Vertreterin der Anklage brachte es auf den Punkt: „Das kann jedem passieren.“

Der Richter ging davon aus, dass der Fahrer die Sorgfaltspflicht verletzte – jedoch in einem geringen Maß. Er verwarnte ihn, behielt sich die Verurteilung zu 1200 Euro Geldstrafe für die Dauer eines Jahres vor und erlegte ihm auf, 750 Euro Geldbuße zu zahlen.

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