Der Abriss und Neubau der Autobahnbrücke über den Afferder Weg läuft auf Hochtouren. Damit alles zügig vorangeht, wird nach dem neuesten Fertigbauverfahren gearbeitet. Das erfordert gutes Timing.

Unna

, 12.12.2019, 13:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marcus Emde steht auf der linken Spur der A1 in Fahrtrichtung Bremen. Was lebensgefährlich klingt, ist für den Mitarbeiter von Straßen NRW zur Zeit reine Routine. Denn das, was mal die linke Spur der A1 gen Norden war, ist jetzt Baustelle, Lagerplatz und Rettungsweg für die Feuerwehr in einem. Der Abriss und Neubau der Autobahnbrücke über den Afferder Weg macht es möglich.

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Auf sechs Spuren rauschen die Fahrzeuge am Arbeitsplatz der Bauarbeiter vorbei – und das, obwohl bereits die Hälfte der alten Brücke abgerissen ist. „Wir haben ganz bewusst sechs Spuren offengehalten. Sechs schmale Spuren sind besser als die Reduzierung auf nur vier Fahrspuren. Das gäbe riesige Rückstaus und dazu sind wir auch zu nah am Kreuz Dortmund/Unna“, erklärt Marcus Emde.

Pilotprojekt: Neue Autobahnbrücke über den Afferder Weg setzt Maßstäbe

Ganz nah dran: Auch wenn die Lastwagen und Autos hier „nur“ mit 60 Stundenkilometern über die A1 fahren dürfen, ist es doch ganz schön nah am schnellen Autobahnverkehr, wo sich die Bauarbeiter befinden. © Anna Gemünd

Bis auf die schmaleren Fahrspuren und einer Temporeduzierung auf 60 Stundenkilometer dürften die meisten Auto- und Lastwagenfahrer auf der A1 gar nicht merken, dass sie zur Zeit nur eine halbe Brücke passieren. Die erste Hälfte ist schon abgebrochen; das, was mal die Mittelleitplanke war, ist jetzt eine Sichtschutzwand für die Bauarbeiter, dahinter geht es in den Abgrund oder eben auf die Baustelle.

Pilotprojekt: Neue Autobahnbrücke über den Afferder Weg setzt Maßstäbe

Der Bagger steht dort, wo bis Mitte November noch die Fahrspuren der A1 gen Süden führten. Gut rechts im Bild zu erkennen: Der noch stehende, zweite Teil der alten Brücke aus dem Jahr 1934. © Anna Gemünd

Zu beiden Seiten der Brückenpfeiler wird kräftig gearbeitet. Mehrere Bagger heben das Erdreich dort aus, wo bis vor zwei Wochen noch die andere Hälfte der Brücke stand. Auf einer Seite ist das bereits geschehen; hier wird der Boden schon neu verfüllt, damit die neue Brücke dort gebaut werden kann. Dort, wo bis vor kurzem Fahrzeuge gen Süden fuhren, steht jetzt ein riesiger Kran. Er sortiert die Traggerüste, die sozusagen das Fundament der neuen Brücke bilden werden. Viel Platz dafür hat er nicht.

„Wir arbeiten hier auf engstem Raum. Für jede Brückenhälfte brauchen wir zehn dieser Traggerüste, die wir als Fertigteile angeliefert bekommen“, erklärt Marcus Emde. Viel Lagerfläche bietet die ehemalige Fahrbahn dafür nicht; die Bauarbeiter müssen auch den Rettungsweg für die Feuerwehr freihalten, der über die Baustelle auf die Autobahn führt. „Wir haben hier an der Brücke sogar eine eigene Steigleitung für die Feuerwehr gelegt, damit sie im Ernstfall hier schnell an Wasser kommen“, sagt Emde.

Pilotprojekt: Neue Autobahnbrücke über den Afferder Weg setzt Maßstäbe

Wohin mit den Fertigbauteilen? Viel Platz zum Lagern haben die Bauarbeiter auf der engen Baustelle nicht. © Anna Gemünd

Die fertigen Bauteile zu lagern, ohne dass sie die anderen Bauarbeiter in ihren Arbeiten stören, ist eine echte Herausforderung. „Das muss hier sehr gut durchgetaktet sein und funktioniert nur, wenn jeder auf den jeweils anderen Rücksicht nimmt. Das ist im übertragenen Sinne eine Operation am offenen Herzen“, erklärt Marcus Emde.

Zeitplan

So geht es an der Brücke weiter

  • Die Bauarbeiten an der Autobahnbrücke liegen laut Straßen NRW sehr gut im Zeitplan. Ab Januar wird mit dem Bau der neuen Brücke begonnen.
  • Sobald die erste Hälfte der neuen Brücke fertig ist, wird der Verkehr über sie geführt. Das wird absehbar nach Ostern der Fall sein. Dann kann mit dem Abriss des zweiten alten Brückenteils begonnen werden und anschließend auch dort die neue Brücke gebaut werden.
  • Im Idealfall sind beide neuen Brückenteile dann Ende 2020 fertiggestellt. Straßen NRW will die Bauzeit so kurz wie möglich halten – aus gutem Grund: „Wir wollen hiermit fertig sein, bevor der Ausbau des Autobahnkreuzes Dortmund/Unna beginnt“, sagt Marcus Emde. Der Umbau des Autobahnkreuzes soll bis 2024 realisiert sein.

So sehr ihre Lagerung sich als Problem erweist, haben die fertigen Bauteile doch einen riesigen Vorteil: Weil auch die Wände und Flügelteile in einer Firma nahe der niedersächsischen Grenze hergestellt werden, entfällt das klassische Verschalen und Einziehen der Spundwände – es ist ein Pilotverfahren, das erst an ganz wenigen Brücken bundesweit ausprobiert worden ist.

„Das ist das, was am meisten Zeit kostet, wenn man das auf die herkömmliche Art macht“, erklärt Emde, „wir gewinnen durch die Fertigteile enorm viel Zeit und davon profitieren auch die Autofahrer, weil die gesamte Baustelle schneller abgewickelt wird.“

Noch vor Weihnachten sollen die Traggerüste an Ort und Stelle stehen, also parallel zu dem noch alten Brückenteil. Ungefähr ab dem 6. Januar kann dann mit dem eigentlichen Bau der ersten neuen Brückenhälfte begonnen werden. „Im Grunde bauen wir hier zwei halbe Brücken, die nachher eine ganze Brücke bilden“, sagt Emde. Denn der Verkehr wird die ganze Zeit rollen: Zur Zeit auf der alten Brückenhälfte, vermutlich ab Ostern auf der neuen Brückenhälfte.

Davon, dass sie plötzlich auf der neuen und nicht mehr auf der alten Brücke unterwegs sind, werden die meisten Fahrer nichts mitbekommen. Marcus Emde:„Da wird es keine Sperrung geben; da wird einfach, wenn die neue Brücke bereit ist, der Verkehr umgelenkt und das war‘s.“ Auch hier gilt: alles nur eine Frage des richtigen Timings.

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