Aussteiger schildert in Unna seinen Weg von der Wirtschafts-Tretmühle in ein neues Leben

dzBildervortrag

Raus aus dem Job, rein ins Leben: Christof Jauernig schildert am 26. Februar in Unna, wie er seinen Job als Analyst einer Unternehmensberatung hinwarf, losreiste und zum Mutmacher wurde.

Unna

, 18.02.2019, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jauernig ist mit seiner bebilderten Aufbruchsgeschichte „Gedanken verloren - Unthinking“ seit Januar 2019 auf Deutschlandtour. Am Dienstag, 26. Februar, macht er Station in Unna.

Was tun, wenn der Job, mit dem man sein Geld verdient, keinen Sinn mehr ergibt und erst recht keine Freude? Wenn man sich trotzdem täglich weiter hinschleppt, bis das zur Qual wird? Es gibt nicht wenige Menschen, denen es so geht, die am liebsten ausbrechen wollten. Wäre da nicht diese große Unsicherheit, wie es jenseits des gekündigten Arbeitsvertrags weitergeht. Christof Jauernig stand genau an diesem Punkt. Er fasste sich ein Herz, kündigte seine Stelle und reiste, ohne Plan für danach, ein halbes Jahr lang mit dem Rucksack durch Südostasien. Auf einer Deutschlandtour erzählt er jetzt von seinem Ausstieg, seiner Reise, und wie er die Freude am Leben wiederfand. Es ist eine Geschichte, die inspiriert und Mut macht, wie die Resonanz auf seine Veranstaltungen zeigt.

Zunehmendes Unwohlsein im Job

Als Analyst einer Unternehmensberatung hatte Jauernig seit Jahren eine angesehene Arbeitsstelle mit unbefristetem Vertrag und respektablem Gehalt. Zu seinen Haupttätigkeiten gehörte das Erarbeiten von Analysen und Studien zu Themen der Bankenbranche. Zunehmend jedoch fühlte er sich unwohl in der von Umsatzzielen dominierten Arbeitsatmosphäre und entfremdet von der kriselnden Bankenwelt, die er untersuchte. Aber er blieb - wie viele, aufgrund der scheinbar unausweichlichen Notwendigkeit, für Karriere und gutes Einkommen die Zähne zusammenzubeißen. „Ich musste mich jeden Tag zwingen, in ein Büro zu gehen, in dem ich nicht sein wollte, um Dinge zu tun, die ich nicht mehr machen wollte“, sagt Jauernig.

Aussteiger schildert in Unna seinen Weg von der Wirtschafts-Tretmühle in ein neues Leben

Christof Jauernig berichtet, wie er seinen gut bezahlten Job hinwarf und durch eine lange Asienreise ein neuer Mensch wurde. © Christof Jauernig

„Magisches Erlebnis“ in Asien

Erst, als seine inneren Widerstände übergroß geworden waren, fällte er den intuitiven Entschluss, sowohl den Analystenjob als auch die Bankenbranche hinter sich zu lassen – noch ganz ohne „Plan B“. Es war ein Wendepunkt in seinem Leben: „Ich war wie elektrisiert. In meiner Brust breitete sich ein Gefühl von Wärme aus, das tagelang nicht wegging.“

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Termin und Kontakt

Christof Jauernig: „Gedanken verloren - Unthinking“, Dienstag, 26. Februar, in Unna. Sein Vortrag in der Bibliothek im ZIB beginnt um 19.30 Uhr. Eintritt: 8 Euro, Anmeldung via www.vhs-zib.de oder Tel. 02303 103-713 / -714 Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.unthinking.me

Bald nach seinem letzten Arbeitstag brach Jauernig auf eine sechsmonatige Rucksackreise durch acht Länder Südostasiens auf. Über 4.000 Kilometer legte er auf dem Motorroller zurück. Rückblickend beschreibt er diese Zeit als ein magisches Erlebnis, bei dem Entschleunigung und die Wiederentdeckung der Schönheit der Natur um ihn herum eine große Rolle spielten. „Es ging mir darum, mich wirklich im Hier und Jetzt zu verwurzeln und die Fixierung auf die unsichere Zukunft loszulassen.“ Nicht ein einziges Mal habe er seine Kündigung bisher bereut.

Aussteiger schildert in Unna seinen Weg von der Wirtschafts-Tretmühle in ein neues Leben

Ein Fischer im Sonnenuntergang auf dem Fluss Nam Ou, nördliches Laos: Eindrücke wie diese versöhnten den einstigen Wirtschaftsanalysten Jauernig wieder mit seinem Leben. © Christof Jauernig

Fotos auf Facebook geteilt

Die Augenblicke seiner Reise hielt Jauernig fotografisch fest und teilte die Bilder zusammen mit notierten Reiseimpressionen mit seinen Freunden auf Facebook. Weil ihn viel positive Resonanz erreichte, beschloss er, nach seiner Heimkehr daraus eine Ausstellung zu machen. Die Vernissage, mit Fotografien und von eigenen Klavierimprovisationen unterlegten rezitierten Texten, wurde ein voller Erfolg. „Als ich in den Augen mancher Gäste Tränen sah, dämmerte mir, dass ich eine Sehnsucht berührt hatte, die anscheinend nicht wenige Menschen in sich tragen.“ So wurde aus dem Abend der Auftakt einer ungeplanten Lesereise. Mit dem Teilen seiner Geschichte möchte Jauernig Menschen Mut machen, auch solchen, die sich auf ihrem beruflichen oder sonstigen Lebensweg ihrerseits in einer Sackgasse oder Umbruchsituation befinden.

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