Mit Texten und Liedern, die nachdenklich stimmen und aufrütteln, setzte die Unnaer Kulturszene am Sonntag ein Zeichen für Menschlichkeit, gegen rechte Hetze, Hass und Gewalt.

Unna

, 14.10.2018, 19:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es darum geht zu zeigen, dass in der Mitte der Gesellschaft nach wie vor kein Platz sein soll für rechtsextremes Gedankengut, menschenverachtende Sprache und Hetze gegen Zuwanderer und Flüchtlinge, dann lässt sich die Unnaer Kulturszene nicht lange bitten. Das Kulturzentrum Lindenbrauerei stellte am Sonntagnachmittag einmal mehr unter Beweis, dass es seine Aufgabe nicht nur darin sieht, Unterhaltung zu veranstalten.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Aktion "Wir sind mehr" in der Lindenbrauerei

14.10.2018
/
"Wir sind mehr": Unter diesem Motto hatte das Kulturzentrum Lindenbrauerei zahlreiche Kulturschaffende und viele Zuhörer ins Kühlschiff eingeladen.© Marcel Drawe
"Manchmal hat man das Gefühl, die lauten Schreihälse, die diese schrecklichen Parolen brüllen, sind ganz viele", sagte Moderatorin Claudia Keuchel. Unna bewies am Sonntag: "Wir sind mehr!"© Marcel Drawe
Viele Zuhörer in der Lindenbrauerei waren auch dieser Meinung. Sie hörten unter anderem...© Marcel Drawe
... den Gospelchor "Sunlight Voices", ...© Marcel Drawe
...oder den Ex-Abgeordneten Rolf Stöckel als Gitarristen und Sänger sowie viele andere Kulturschaffende. © Marcel Drawe
Wer gerade nicht im Kühlschiff zuhörte, konnte sich im Foyer informieren über Möglichkeiten, sich für die Vielfalt zu engagieren, unter anderem beim Patenschaftskreis Fröndenberg,...© Marcel Drawe
... bei Maria Bastian von der ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleitung (l.) oder Ksenija Sakelsek vom Integrationsrat Unna.© Marcel Drawe
Tragetaschen vom Gospelchor wurden für den guten Zweck verkauft. © Marcel Drawe
Und leckeres Essen kam von dem Fröndenberger Catering-Unternehmen "Mefisa kocht". © Marcel Drawe

Unter dem Motto „Wir sind mehr“ kamen auf Einladung der Lindenbrauerei die unterschiedlichsten Künstler im Kühlschiff zusammen. Ihre Botschaft: „Wir zeigen, wir sind hier und beziehen Position gegen Rechtsextremismus, rechten Populismus und für Menschenfreundlichkeit.“ So fasste es Claudia Keuchel zusammen, die den Spätnachmittag gemeinsam mit Simeon Buß moderierte. Ehe dieser als Poetry Slammer mit einem teils drastischen Text zeigte, was Ausgrenzung bewirken kann, machte der Kessebürener Mediziner und Künstler Gad Osafo die Leute erst einmal munter: mit Trommeln und dem Appell „Unna bleibe wach!“.

Kultur für mehr Menschlichkeit kann auch einfach aus schöner Musik bestehen, das bewiesen unter anderem die gut gelaunten Sängerinnen und Sänger des Gospelchors „Sunlight Voices“. Hier ließ sich das Publikum im vollen Kühlschiff nicht lange bitten, begeistert mitzuklatschen.

Video
Wir sind mehr in der Lindebrauerei

Die Bandbreite der Mitwirkenden reichte am Sonntag vom großen Chor bis zum Solisten. Rolf Stöckel zum Beispiel: Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete spielte Gitarre und sang dazu Lieder, unter anderem das Lied des jüdischen Arbeiterbundes.

Besonders nachdenklich stimmte ein Vortrag von Mohammad Meselmani. Er lebt seit seiner Flucht aus Syrien im Jahr 2015 in Deutschland und ist Mitwirkender bei der Studiobühne der Lindenbrauerei. In einer Passage aus einem Stück des Ensembles beschrieb er eine Alltagssituation, die ihm nicht fremd sei, wie er nachher erklärte. Auf dem Weg zum Bahnhof geht vor ihm eine Frau. Er spürt, dass sie wegen seines Aussehens Angst vor ihm hat, und überlegt, was er tun kann. Kurz entschlossen pfeift er eine bekannte Vivaldi-Melodie. „Wer Vivaldi pfeift, der ist gebildet, vor dem muss man keine Angst haben.“ In dieser Situation funktioniert es. Die Frau geht beruhigt weiter. „Ich kann aber nicht immer pfeifen“, rezitierte Meselmani. „Wenn ich eine Wohnung oder eine Stelle suche, dann funktioniert das nicht mit dem Vivaldi.“

Aus Unna ertönt ein Weckruf für die Menschlichkeit

Wer gerade nicht im Kühlschiff zuhörte, konnte sich im Foyer informieren über Möglichkeiten, sich für die Vielfalt zu engagieren, unter anderem bei Maria Bastian von der ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleitung (l.) oder Ksenija Sakelsek vom Integrationsrat. © Marcel Drawe

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Stadtverwaltung
Die „Bauverhinderungsbehörde“ bringt Bürgermeister Werner Kolter in Rage
Meistgelesen