Aus Protest: Drei HNO-Ärzte aus Unna verweigern Reiserückkehrern den Coronavirus-Test

dzCoronavirus

Die Coronavirus-Testpflicht für Reiserückkehrer ist umstritten. Drei Ärzte aus Unna verweigern Urlaubern diese Untersuchung. Ihre Begründung überrascht, halten sie die Tests selbst durchaus für angebracht.

Unna

, 08.08.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Ausdruck des Protests, wenn die HNO-Praxis Borkowski, Banerjee und Selter nun Reiserückkehrern aus Coronavirus-Risikogebieten die Ausführung eines Tests verweigert. An und für sich halten die drei Mediziner den Umgang Deutschlands mit der Virus-Pandemie für vorbildlich; und auch die Testpflicht nach Reisen in gefährdete Gebiete erscheint Dr. Gerd Borkowski und seinen Kollegen sinnvoll. Aber in der exakten Ausgestaltung gibt es Dinge, die den drei Ärzten der Praxisgemeinschaft aus Unna missfallen. Vor allem geht es dabei um Gerechtigkeit.

„Das Ganze hat inzwischen absurde Ausprägungen angenommen“, sagt Dr. Borkowski. „Was uns dann dazu bewogen hat, zu sagen: Das machen wir nicht.“ Wer sich in der Praxis für einen Coronavirus-Test anmelden will und dies mit seiner Rückkehr aus eine entsprechenden Reisegebiet erklärt, bekommt diesen Termin nicht.

Jetzt lesen

Der wichtigste Grund dafür: Besagte Reiserückkehrer bekommen den Test von ihren Krankenversicherungen bezahlt. Andere Testkandidaten bekommen das nicht – nicht einmal diejenigen, die ihr Ansteckungsrisiko zum Wohle der Allgemeinheit auf sich nehmen.

Wer Geld für Reisen hat, hätte auch Geld für einen Test

„Kita-Personal darf sich alle 14 Tage testen lassen. Pflegepersonal muss den Test selbst bezahlen. Aber Urlaubsrückkehrer dürfen sich auf Kosten der Allgemeinheit testen lassen, nachdem sie sich selbst in ein Risikogebiet begeben haben. Das ist nicht wirklich zu verstehen“, meint Dr. Gerd Borkowski. Und er sagt: „Reisen in solche Gebiete stehen für eine Form der Gleichgültigkeit, für die diese Reisenden aus der eigenen Kasse zahlen sollten. Wer sich einen Urlaub leisten kann, der müsste doch auch dazu in der Lage sein.“

Borkowski und sein Praxispartner Dr. Robin Banerjee beklagen im Gespräch mit unserer Zeitung eine Form der Ungerechtigkeit, die gerade die Menschen trifft, die in der Pandemie in erster Reihe kämpfen. „Außer, dass da mal abends um Acht von den Balkonen applaudiert wurde, haben sie tatsächlich nichts bekommen“, sagt Dr. Borkowski. „Keinen Bonus und eben nicht einmal kostenlose Test. Dabei ist das Risiko dieser Menschen bekannt.“

Jetzt lesen

Welch groteske Züge die Lage annehmen kann, veranschaulichen die Ärzte an einem zunächst fiktiven Beispiel: Ein Reiserückkehrer meldet sich in der Praxis zum Test an. Die Ärzte müssen ihn in der Praxis von anderen Patienten fern halten, dann einen Schutzanzug mit Overall, Handschuhen, Mundschutz, Haarnetz und Gesichtsvisier anlegen, um mit einem Stäbchen einen Abstrich von der Schleimhaut im Mund-und-Rachen-Raum zu nehmen. Diesen Test schicken sie ins Labor, das seinerseits zwischen 150 und 200 Euro in Rechnung stellt. Der Schutzanzug kommt in den Müll und der Arzt schreibt einen Bericht. 15 Euro dürfen die Mediziner für die Entnahme des Testes abrechnen.

Aber: Sollte er am Ende positiv ausfallen, muss die komplette Praxismannschaft getestet werden – auf eigene Kosten.

Dabei sind die HNO-Ärzte aus der Praxis in der Innenstadt keineswegs gegen Teste für Urlaubsrückkehrer, wie Dr. Borkowski betont. „Das Argument des Gesundheitsministers, dass es viel teurer würde, wenn diese Urlauber unerkannt erkrankt zurückkehren und ihre Viren erst einmal verbreiten, trifft zu“, sagt er. „Aber man sollte die Tests von ihnen selbst bezahlen lassen – oder eben kostenlos machen für alle.“

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bürgermeisterwahl
Schuon oder Wigant ins Bürgermeisteramt? Das empfehlen die anderen Parteien
Hellweger Anzeiger Pestalozzi-Gymnasium Unna
Elf Lehrer in Quarantäne nach Corona-Fall: Schüler nun abwechselnd im Distanzunterricht
Hellweger Anzeiger Kampagne zum Weltkindertag
Sexuelle Gewalt beschäftigt den Kinderschutzbund in Unna in vielen Beratungsgesprächen