Keine Attrappen, aber gesichert: Läden schützen Handys - schwere Diebstähle rückläufig

dzHandydiebstahl

Diebe stehlen mitten an einem Markttag Handys aus einem Laden. Sind die denn nicht gesichert? Doch. Und das könnte ein Grund sein, warum Handydiebstahl für Händler kein schwerwiegendes Problem ist.

Unna

, 11.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt wohl kein technisches Gerät, das auf so wenig Raum wo viel Wert enthält: Hohe dreistellige oder sogar vierstellige Beträge sind neue Smartphones wert. Sie zu stehlen, dürfte für manchen Langfinger verlockend erscheinen, wie der Vorfall von Dienstag gezeigt hat, als eine Viererbande aus Jugendlichen und einem jungen Mann Smartphones aus einem Laden in der Fußgängerzone stahl. Doch auf wertlose Attrappen verzichten die Händler. Stattdessen setzen sie auf Sicherung.

Grundsätzlich alarmgesichert

Alle ausgestellten Geräte seien grundsätzlich alarmgesichert, sagt ein Sprecher von Telefonica Germany, zu der auch O2 gehört. Es war ein O2-Geschäft, aus dem die Geräte gestohlen wurden. Der Alarm sei dabei zuverlässig ausgelöst worden, sagt der Firmensprecher. Die Mitarbeiter seien angewiesen, in solchen Fällen umgehend die Polizei zu rufen. Polizisten hatten, vermutlich auch begünstigt durch glückliche Umstände, die Diebe sofort unweit des Ladens stellen können. Auf eine Anfrage unserer Redaktion zum Thema Diebstahl aus Handyläden reagierte auch Vodafone. Auch in diesen Geschäften seien die Geräte „grundsätzlich sehr gut gesichert“. Details zu den Sicherheitsmaßnahmen würden nicht veröffentlicht.

Jetzt lesen

Kriminelle suchen eher andere Wege

Die mutmaßlichen Täter, gegen die die Polizei nun ermittelt, waren überwiegend Jugendliche. Alles deutet darauf hin, dass ihre Tat nicht von einem verbrecherichen Genie geplant worden war, allenfalls vom mutmaßlichen Kopf des Quartetts, einem 20-Jährigen. Tatsächlich versuchten Kriminelle meist eher auf anderen Wegen, sich hochwertige Waren zu beschaffen, als durch Ladendiebstahl, schreibt der Vodafone-Sprecher. „Die Kriminellen sollten eigentlich wissen, dass diese ,Vorgehensweise‘ meistens scheitert.“

Keine Attrappen, aber gesichert: Läden schützen Handys - schwere Diebstähle rückläufig

Händler wollen potenziellen Handykäufern eine „Nutzererfahrung“ bieten. Im Geschäft gibt es daher keine Attrappen. © picture alliance/dpa

Attrappen bieten keine „hervorragende Nutzererfahrung“

Lediglich wertlose Attrappen auszustellen, kommt für den Handel offenbar nicht infrage. Dagegen spricht die Grundidee, dass die Telefone nicht nur gezeigt, sondern auch verkauft werden sollen. „Wir möchten unsere Kunden bei der Kaufentscheidung bestmöglich unterstützen und ihnen eine stets hervorragende Nutzererfahrung bieten. In unseren O2-Shops präsentieren wir daher echte, funktionsfähige Smartphones und keine Attrappen“, heißt es von Telefonica. Hin und wieder ist zu hören, dass in Läden nur Vorjahresmodelle gezeigt werden, die weniger wert sind, damit sie nicht gestohlen werden. Das könne er nicht bestätigen, so der Vodafone-Sprecher. Auch in Unna gebe es eine „breite Palette verschiedener Handy-Modelle in allen Preisklassen“.

Statistik: weniger schwere Diebstähle

Insgesamt scheint der Diebstahl aus dem Geschäft für Smartphone-Händler eine untergeordnete Rolle zu spielen. Darauf deuten die Äußerungen von Vodafone hin. Und auch der Telefonica-Sprecher erklärt: „Diebstähle sind für uns kein nenneswertes Problem.“ Angaben zur Häufigkeit von solchen Delikten machen Vodafone und Telefonica nicht. Die Statistik der Polizei für Unna legt den Schluss nahe, dass solche Diebstähle insgesamt ein wenig an Bedeutung verlieren. Als schweren Diebstahl hatte die Polizei den Vorfall mit den Jugendlichen eingestuft. Als besonders schwer gilt ein Diebstahl unter anderem laut Gesetz, wenn der Täter „eine Sache stiehlt, die durch ein verschlossenes Behältnis oder eine andere Schutzvorrichtung gegen Wegnahme besonders gesichert ist“. 981 Mal ist das im Jahr 2014 in Unna passiert. Die Zahl stieg dann an, auf 1035 (2015) und 1132 (2016), um dann wieder zu sinken. 1031 schwere Diebstähle gab es 2017, im Jahr 2018 noch 813.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Lichtkunst

Ausstellung der Besten im Unnaer Lichtkunstzentrum ist vorbei: So stimmte das Publikum ab

Meistgelesen