Seit einer Woche sind Teile des Kurparks abgesperrt: Dort könnten Reste des asbesthaltigen Dachs der abgebrannten Tennishalle liegen. Der für Mittwoch angekündigte Sturm verschärft die Lage.

Königsborn

, 25.08.2020, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sturmböen bis zu 83 Stundenkilometer könnten Unna am Mittwoch nach den aktuellen Wettervorhersagen treffen. Für den Kurpark bedeutet dies: Reste der Asbestfasern, die beim Brand der Tennishalle Anfang August in die Umwelt gelangten, könnten wieder aufgewirbelt und verteilt werden. Die Stadtverwaltung appelliert an alle Bürger, sich an die Absperrungen zu halten.

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Massive Stahlmattenzäune versperren seit gut einer Woche den Zugang zum nordwestlichen Bereich des Kurparks rund um die Luisenstraße. Hier hatte die von der Stadt beauftragte Reinigungsfirma Bruchstücke des Tennishallendachs gefunden, die Asbest enthalten. Jetzt hat die Stadtverwaltung den Sperrbereich erweitert und gleichzeitig die bestehenden Absperrungen verstärkt.

Wo sich sonst viele Wege durch den Kurpark treffen, ist nur noch der Gang nach links Richtung Kastanienallee möglich. Der Bereich rund um das Zirkusgelände und die große Wiese samt Spielplatz an der Friedrich-Ebert-Straße sind gesperrt.

Wo sich sonst viele Wege durch den Kurpark treffen, ist nur noch der Gang nach links Richtung Kastanienallee möglich. Der Bereich rund um das Zirkusgelände und die große Wiese samt Spielplatz an der Friedrich-Ebert-Straße sind gesperrt. © Anna Gemünd

„Wir haben die Zäune verstärkt, weil leider viele Menschen sich nicht an die Absperrungen gehalten und sie beiseite geschoben haben“, sagt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld im Gespräch mit unserer Redaktion, „wir appellieren dringend an alle Bürger, sich nicht hinter die Absperrungen zu begeben. Asbest ist ein Schadstoff.“

Auch der Bereich der Jugendkunstschule und das Gelände des Circus Travados sind jetzt gesperrt. Hier werden nun auch Proben genommen, mit deren Ergebnis die Stadt Ende der Woche rechnet.

Die ursprünglichen Absperrungen hat die Stadtverwaltung Unna nun noch einmal verstärken lassen: Sie reichen jetzt bis in die Büsche hinein, damit niemand darn vorbeiklettern kann.

Die ursprünglichen Absperrungen hat die Stadtverwaltung Unna nun noch einmal verstärken lassen: Sie reichen jetzt bis in die Büsche hinein, damit niemand daran vorbeiklettern kann. © Anna Gemünd

Die Zäune dürften noch eine ganze Weile im Kurpark stehen bleiben: Alle sieben Tage, so die neue Empfehlung des Gutachters, lässt die Stadt nun eine Sichtkontrolle machen, bei der nach weiteren Reststücken des Hallendachs in dem abgesperrten Bereich gesucht wird. „Erst wenn bei zwei solcher Begehungen hintereinander nichts gefunden wurde, können wir über eine Aufhebung der Sperrung nachdenken“, erklärt Ueberfeld.

Nach dem Brand am 6. August ist das Dach der Tennishalle nur noch ein Gerippe. In der Dachkonstruktion war Asbest verbaut. Fasern dieses krebserregenden Stoffes könnten sich noch immer im Umfeld der Brandruine befinden und durch Wind oder Regen verteilt werden.

Nach dem Brand am 6. August ist das Dach der Tennishalle nur noch ein Gerippe. In der Dachkonstruktion war Asbest verbaut. Fasern dieses krebserregenden Stoffes könnten sich noch immer im Umfeld der Brandruine befinden und durch Wind oder Regen verteilt werden. © Anna Gemünd

Stadtverwaltung steht in Kontakt mit betroffenen Anwohnern

Unabhängig davon wartet die Stadtverwaltung noch auf die Ergebnisse der Bodenproben, die der Gutachter in den betroffenen Bereichen genommen hat. „Danach richten sich alle weiteren Maßnahmen“, so Ueberfeld. Mit den Anwohnern, die innerhalb der abgesperrten Bereiche an der Luisenstraße wohnen, stehe man im ständigen Austausch. Sie seien explizit noch einmal darauf hingewiesen worden, dass sie Bruchstücke, die sie in ihrem Garten finden, auf keinen Fall einfach so anfassen sollten.

Die Luisenstraße darf nur noch von den dort wohnenden Menschen betreten werden. Sie führt direkt zur abgebrannten Tennishalle.

Die Luisenstraße darf nur noch von den dort wohnenden Menschen betreten werden. Sie führt direkt zur abgebrannten Tennishalle. © Anna Gemünd

Auch wenn die Partikel des asbesthaltigen Dachs in der Brandnacht selbst in einer geraden Rauchsäule nach oben stiegen, können durch Windböen immer noch restliche Partikel in der Umgebung verteilt werden. Das für Mittwoch angekündigte Sturmtief „Kirsten“ könnte Bruchstücke aus Bäumen auf den Boden wehen - Böen über 80 Stundenkilometern sind ab Mittwochmittag für Unna angekündigt. Am Donnerstag werden die abgesperrten Bereiche daher erneut gereinigt.

Der gesamte Bereich vor der Tennishalle und dem Café Bistro ist mit Stahlmattenzäunen abgesperrt.

Der gesamte Bereich vor der Tennishalle und dem Café Bistro ist mit Stahlmattenzäunen abgesperrt. © Anna Gemünd

„Die meisten Eltern haben eigenständig eine Betreuung organisiert. Wir stoßen da auf viel Verständnis.“
Dietrich Schneider, Pressesprecher Evangelischer Kirchenkreis Unna

„Kurparkwichtel“ werden in Kita in der Gartenvorstadt betreut

Die Kita „Kurparkwichtel“ des Evangelischen Kirchenkreises Unna hat unterdessen die Betreuung der 65 Kinder neu regeln müssen, nachdem die Einrichtung am Dienstag vorsorglich wegen Asbestverdachts geschlossen wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kurparkwichtel vorübergehend woanders betreut werden: Nach dem Sturm „Friederike“, der im Januar 2018 über Unna hinwegzog, war der Kurpark wegen der akuten Gefahr durch herabstürzende Äste oder Bäume gesperrt worden. „Damals konnten wir die Kinder relativ unkompliziert auf andere Kindertagesstätten verteilen. Das ist jetzt zu Corona-Zeiten natürlich deutlich schwieriger“, sagt Dietrich Schneider, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises.

Die evangelische Kita „Kurparkwichtel“ ist seit Dienstag vorsorglich geschlossen. Die 65 Kinder werden entweder privat betreut oder in der Kita „Zwergengarten“ in der Gartenvorstadt versorgt. Dorthin sind auch ihre bekannten Erzieherinnen mitgekommen - bis auf weiteres.

Die evangelische Kita „Kurparkwichtel“ ist seit Dienstag vorsorglich geschlossen. Die 65 Kinder werden entweder privat betreut oder in der Kita „Zwergengarten“ in der Gartenvorstadt versorgt. Dorthin sind auch ihre bekannten Erzieherinnen mitgekommen - bis auf weiteres. © Anna Gemünd

Trotzdem ist es gelungen, die Betreuung umzuorganisieren: Die Kinder, deren Eltern keine private Betreuung organisieren können, werden nun zunächst in der Evangelischen Kita „Zwergengarten“ am Jona-Haus in der Gartenvorstadt betreut - und zwar von ihren bekannten Erzieherinnen. „Die meisten Eltern haben jedoch eigenständig eine Betreuung organisiert. Wir stoßen da auf viel Verständnis. Trotzdem hoffen wir natürlich, dass das Ganze sich schnell klärt und wir Entwarnung geben können“, so Schneider.

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