Schadstoffe im Kurpark: Anwohner sind verunsichert

dzAsbest nach Großbrand

Wie gefährlich ist die Umgebung der abgebrannten Tennishalle im Kurpark zwei Wochen nach dem Brand? Anwohner der Luisenstraße sind in Sorge; immerhin wohnen sie derzeit in einem Sperrgebiet.

Königsborn

, 20.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gisela Niermanns Hühner picken im Gras, Sommerblumen blühen, die Obstbäume tragen Früchte – idyllisch wirkt es in dem Garten an der Luisenstraße. Doch Gisela Niermann ist verunsichert, ob alles wirklich so idyllisch ist. Der Grund steht keine 50 Meter entfernt von ihrem Grundstück: Die Brandruine der Tennishalle mitsamt ihrem asbesthaltigen Dach. „Wie sicher sind wir denn hier eigentlich? Man erfährt nichts, dabei leben wir in einem Bereich, der abgesperrt ist – und das doch nicht ohne Grund.“

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„Wir leben zur Zeit hinter eine Absperrung. Da fragt man sich doch schon, was jetzt eigentlich die aktuelle Situation ist: Besteht noch eine Gefahr durch die Schadstoffe oder nicht?“
Gisela Niermann, Anwohnerin der Luisenstraße

Seit dem 5. August ist die Luisenstraße ein Sperrgebiet: Der Brand der Tennishalle im Kurpark, zu der die Luisenstraße führt, ist mit Zäunen abgesperrt. Schilder weisen daraufhin, dass nur Anlieger hier durchdürfen. Von ihrem Fenster aus sieht Gisela Niermann diese Zäune; am Mittwoch kam ein Absperrband über den Gehweg dazu. „Da fragt man sich doch schon, was jetzt eigentlich die aktuelle Situation ist: Besteht noch eine Gefahr durch die Schadstoffe oder nicht?“

Anders als die sehr reale Gefahr in der Brandnacht, als Gisela Niermann wie alle ihre Nachbarn mit bangen Augen den Feuerwehreinsatz an der Tennishalle in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Häuser verfolgte, sind die Folgen des Brandes weniger eindeutig.

Sorge vor Abbrucharbeiten am Hallendach

„Man hat uns direkt nach dem Brand gesagt, dass wir Bruchstücke, die wir vielleicht im Garten finden, nur entsorgen dürfen, wenn wir dabei eine FFP2-Maske tragen. Auch, dass wir Schäden, die durch den Brand entstanden sein könnten, unserer eigenen Versicherung melden müssten. Aber was nützt mir das? Viel wichtiger ist doch die Frage, ob jetzt noch immer eine Gefahr besteht“, sagt Gisela Niermann.

Die Absperrung an der Luisenstraße sieht Gisela Niermann von ihrem Haus - und auch, dass die meisten Menschen sie einfach ignorieren.

Die Absperrung an der Luisenstraße sieht Gisela Niermann von ihrem Haus – und auch, dass die meisten Menschen sie einfach ignorieren. © Anna Gemünd

Von ihrem Garten aus kann sie die Reste der Tennishalle sehen – und ist beunruhigt, wenn sie dort Menschen arbeiten sieht: „Wenn die jetzt die Halle abreißen, was ist dann mit dem Asbest? Fliegt das dann wieder durch die Luft?“ Dass am Mittwoch weite Teile des Kurparks unter Verweis auf die Gefahr von Asbestfasern gesperrt wurden, trägt nicht dazu bei, dass Gisela Niermanns Sorgen kleiner werden.

Der Fußweg an der Tennishalle entlang ist mittlerweile auch mit Stahlmattenzäunen abgesperrt, nachdem Passanten die Plastikzäune immer wieder beiseite geräumt hatten.

Der Fußweg an der Tennishalle entlang ist mittlerweile auch mit Stahlmattenzäunen abgesperrt, nachdem Passanten die Plastikzäune immer wieder beiseite geräumt hatten. © Anna Gemünd

„Ich sehe ja auch täglich, wie hier die Menschen an den bisherigen Absperrungen vorbeigehen. Das sind Schulklassen, Mütter mit Kinderwagen, alte Leute. Die müssen doch auch erfahren, wie groß die Gefahr tatsächlich ist.“

Ihren weitläufigen Garten hat Niermann direkt nach dem Brand nach Bruchstücken abgesucht und ihre Hühner zunächst vorsorglich im Stall gelassen. „Aber jetzt sind sie natürlich wieder draußen, das geht ja gar nicht anders. Allein deswegen will man doch einfach mal wissen, wie groß die Gefahr hier wirklich ist.“

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