Archäologen stoßen auf Eisenzeit-Siedlungsreste in Massen – und lassen sie im Boden

dzBaugebiet

Die Familien, die sich bald an der Kletterstraße in Massen ansiedeln, werden nicht die ersten sein. Unter dem Baugebiet liegen Überreste einer Siedlung von vor Jesu Geburt. Und dort werden sie bleiben.

Massen

, 28.10.2019, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Archäologen haben Reste einer eisenzeitlichen Siedlung in Massen entdeckt. Sie haben im Vorfeld der Neubauarbeiten an der Kletterstraße gegraben. Wie immer vor der Ausweisung von Naubaugebieten wurden die Geschichtsfachleute des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) zurate gezogen. Es gibt Stellen in Unna, an denen mit hoher Wahrscheinlichkeit Überreste menschlicher Siedlungstätigkeit aus vergangenen Jahrtausenden im Boden schlummern. Und das ist auch hier der Fall.

Gruben mit über 2000 Jahre altem Abfall

Nach ersten Sondierungen hatten Archäologen in den vergangenen Wochen im Auftrag des LWL Bodenschichten unterhalb der Grasnarbe näher untersucht. „Es wurden Gruben aus der Eisenzeit entdeckt“, sagt Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der LWL-Archäologie-Außenstelle in Olpe. Bei den Gruben handelt es sich um Stellen, aus denen Menschen damals Material herausgenommen haben, um es für den Bau ihrer Häuser zu verwenden, vor allem Lehm. Aufgefüllt wurden sie dann mit Siedlungsabfällen. Baales berichtet von Keramikscherben in der Erde, die in solchen Fällen nicht ungewöhnlich sind.

Siedlungsreste bleiben unter neuen Häusern gesichert

Die Überreste früherer Siedlungen stammen aus der Eisenzeit, laut Baales ungefähr aus dem Jahr 200 vor Christi Geburt. Die Archäologen hätten durch die aktuellen Kanal- und Straßenbauarbeiten nur Zugang zu einem recht kleinen Ausschnitt der einstigen Siedlung bekommen. Weitere Grabungen sollen nicht veranlasst werden, sind aus Sicht der Archäologen aber auch nicht notwendig.

Bei den anstehenden Bauarbeiten soll die Baggerschaufel nicht besonders tief in den Boden vordringen. Die geplanten Häuser würden nicht unterkellert, die Befunde aus der Siedlungsgeschichte werden unterhalb der modernen Bebauung liegen. „Sie bleiben also im Boden gesichert“, sagt Baales. „Und das ist das, was wir wollen.“ Diese Fundstelle wird also für die Akten des LWL dokumentiert.

Sollte irgendwann einmal im Zuge einer neuen Bebauung noch tiefer und umfangreicher gegraben werden, dann müsste wieder die Archäologie hinzugezogen werden. Das Ziel besteht darin, dass die stummen Zeugen der Vergangenheit nicht verloren gehen. Ob sie in einem Museum liegen, in einem Archiv oder metertief im Boden, ist zweitrangig.

Bebauungsplan in der Politik

Es deutet alles darauf hin, als könne nach diesen Vorarbeiten das eigentliche Bauen an der Kletterstraße beginnen. Ein entsprechender Bebauungsplan hat die Fachausschüsse ohne Widerspruch durchlaufen. Nun wird der Stadtrat voraussichtlich noch grünes Licht geben.

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