Apotheker Coen lehnt ab: Impfungen sollen Sache der Ärzte bleiben - mit Video

dzDiskussion über Grippeschutz

In die Diskussion über Grippeschutzimpfungen in der Apotheke schaltet sich ein Unnaer Apotheker ein: Bei Dr. Matthias Coen wird es keine Impfung geben. Die Verantwortung will er nicht übernehmen.

Unna

, 26.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Statt nur in Arztpraxen soll es künftig auch in Apotheken die Grippeschutzimpfung geben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erhofft sich von einer entsprechenden Initiative eine höhere Impfquote. Im Herbst soll es erste Modellprojekte geben. Aber sie sind umstritten, wie eine Wortmeldung aus Unna zeigt.

Aufgabengebiete traditionell getrennt

„Ich bin absolut gegen Impfungen in Apotheken“, sagt Dr. Matthias Coen, Apotheker an der Bahnhofstraße. In seiner Apotheke werde es keine Impfung geben, stellt der Pharmazeut klar. Er sieht darin nicht seine Aufgabe und ein zu hohes Risiko.

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Apotheker lehnt Impfen in Apotheken ab

„Impfen ist eindeutig eine ärztliche Tätigkeit“, sagt Coen. Traditionell seien die Aufgaben von Ärzten und Apotheken strikt getrennt. „Selbst wenn wir Blutdruck messen, schicken wir den Patienten zum Arzt, sollte der Wert auffällig sein.“ Es liege dann in der Verantwortung des Mediziners, eine Diagnose zu stellen. Ein Medikament gegen Bluthochdruck bekommt der Patient dann wieder in seiner Apotheke - aber nur auf Rezept vom Arzt.

Arzt kann auf Nebenwirkungen reagieren

Bloß ein Piks? Apotheker Coen warnt davor, eine Impfung zu unterschätzen. „Es kann Nebenwirkungen geben.“ Ein Bluterguss, Fieber oder sogar in seltenen Fällen ein anaphylaktischer Schock: Sollten solche Folgen einer Impfung einmal auftreten, dann sei in einer medizinischen Praxis immer ein Arzt in der Nähe, um zu helfen. Ein Apotheker hingegen sei für solche Fälle nicht ausgebildet, so Coen. Haftungs- und Versicherungsfragen seien nach seiner Einschätzung nicht geklärt.

„Wir kennen auch die Vorerkrankungen des Patienten nicht“, sagt Coen. Zwar sei vorgesehen, dass Impfwillige in Apotheken vorab einen Fragebogen ausfüllen. „Aber dabei können sie wichtige Dinge auch mal vergessen.“

Apothekerkammer für Impfung

Nachdem eine Gesetzesänderung im März es ermöglicht, soll das Impfen in Apotheken im Herbst im Bezirk Nordrhein der Apothekerkammer beginnen. Für Westfalen-Lippe, wozu Unna gehört, erscheint das aber inzwischen auch sehr wahrscheinlich. Wie in der Deutschen Apotheker-Zeitung nachzulesen ist, hat es im Juni eine Kammerversammlung gegeben, bei der sich eine große Mehrheit der delegierten Apotheker für das Impfen in Apotheken ausgesprochen hat. Der Tenor: Apotheken sollten die Chance nutzen, sich als Gesundheitsdienstleister zu profilieren. Über dieses Abstimmungsergebnis wundere er sich, sagt Coen. „Ich sehe den Sinn nicht.“ Die Impfkapazitäten der Ärzte seien ausreichend.

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