Anwohner fordern Grundsatzdiskussion über den neuen Schulstandort Hertinger Tor

dzSchulplanung

Die Diskussion um den neuen Schulstandort Hertinger Tor ist sicher noch nicht vorbei. Anwohner nehmen die Debatte um den Verkehr auch zum Anlass, den Standort Brockhausstraße generell infrage zu stellen.

Unna

, 18.03.2020, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Je nach Perspektive sind die Einschätzungen zum neuen Grundschulstandort Hertinger Tor sehr unterschiedlich. Kritische Anwohner fordern, dass sich die Stadt noch nicht mit Details beschäftigt, sondern noch einmal mit Grundsatzfragen.

Politik soll Standort hinterfragen

„Die Politik müsste ihren Beschluss zum Standort noch einmal hinterfragen“, sagt Wilfried Averhage. Er gehört zu den Bewohnern des Quartiers zwischen Hertingerstraße, Verkehrsring und B1, in dessen Süden die Fläche des aufgegebenen Sportplatzes überplant werden soll. Wohnbebauung, eine Kita und eine neue Schule sind dort geplant.

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Averhage rechnet wie andere Anwohner mit einer erheblichen zusätzlichen Verkehrsbelastung und hält den Standort deswegen auch nicht für sicher. Die Verkehrsgutachter der Stadt hingegen kommen zu dem Schluss, dass die Verkehrsprobleme lösbar sind, wenn an bestimmten Stellen umgebaut wird.

Verkehrskonzept vor Festlegung auf Standort

„Das Pferd wird von hinten aufgezäumt“, sagt Averhage. Er ist nicht der erste Kritiker, der die Meinung vertritt, ein Verkehrskonzept für den Standort hätte aufgestellt werden müssen, bevor beschlossen wird, die Schule an diesem Ort zu bauen. Dieses Verkehrskonzept sei ein standortbezogenes, hatte ein weiterer Besucher der jüngsten Bürgerversammlung kritisiert. Im Grunde müsste zunächst ein Verkehrskonzept für die ganze Stadt erarbeitet werden, in das dieser Teil dann eingeplant würde, anstatt jetzt am Hertinger Tor „Tatsachen zu schaffen“, so der Tenor.

„Bildungsstandort“ braucht viel Platz

Er sei nicht gegen die Schule an sich, so Averhage, er hielte es aber für falsch, sie ohne weitere Diskussion an diesem Standort zu bauen. Ist er alternativlos? Die Schule soll zusammen mit dem Kindergarten geplant werden, um Synergieeffekte nutzen zu können, hatte der Technische Beigeordnete Jens Toschläger zuletzt noch einmal erklärt. So will die Stadt unter anderem Verwaltungskosten sparen. Sie plant einen „Bildungsstandort“, den Kinder vom frühen Vorschulalter an bis zum Ende der Grundschulzeit besuchen. Und für ein Projekt dieser Dimensionen seien ausreichend große Grundstücke in Unna „rar gesät“, so Toschläger.

Schule könnte nicht erweitert werden

Allerdings hatte Toschläger auch schon eingestanden, dass es an der Brockhausstraße technisch keine Möglichkeit gäbe, die Schule später einmal zu erweitern. Sie wird jetzt dreizügig geplant, und das wird sie auch bleiben, selbst wenn sich Schülerzahlen in einigen Jahren nach oben entwickeln sollten. An dieser Stelle hinterfragt Averhage, ob der Standort wirklich zukunftsträchtig ist.

Die neue Schule nicht größer zu planen, hat allerdings auch einen Hintergrund: Die Planer gehen davon aus, dass eine moderne Grundschule für viele Eltern attraktiver erscheint als ältere Schulen. Viele also würden demnächst Kinder am Hertinger Tor anmelden, selbst wenn sie eine andere Grundschule in ihrer Nähe hätten. Und so soll der Bildungsstandort Hertinger Tor nicht zu groß sein und nicht dazu beitragen, dass Schulen wie etwa die Liedbachschule sozusagen „ausbluten“.

Für maximal 325 Kinder ist demnächst Platz in der neuen Grundschule, das sind rund 81 pro Jahrgang. Aus diesem Grund hatte die Stadt die beiden Bestandsgrundschulen im Vorfeld quasi kleiner gerechnet. Maximal drei Eingangsklassen insgesamt dürfen seit diesem Jahr an Falk- und Nicolaischule gebildet werden.

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