Angeklagter gesteht Missbrauch: „Das waren widerliche, fürchterliche Taten“

dzLandgericht Dortmund

Ein Mann aus Unna hat seine Nichte und mehrere andere Mädchen sexuell missbraucht. Zu Prozessbeginn in Dortmund gibt er alles zu - und schildert Szenen einer schrecklichen Sucht.

Unna

, 03.03.2020, 16:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zu seiner Festnahme im September 2019 galt ein 46-jähriger Mann aus Unna als freundlicher und unbescholtener Mensch. Vor allem mit Kindern soll er immer bestens zurechtgekommen sein. Doch dann stürzte die vermeintlich heile Welt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Vor dem Dortmunder Landgericht gestand der Angeklagte am Dienstag den sexuellen Missbrauch von mindestens drei Mädchen.

Vor allem seine Nichte soll gleich mehrmals von dem Unnaer missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Auf den Aufnahmen ist laut Anklage zu sehen, wie der Onkel das Mädchen im Schlaf streichelte und dabei auch entkleidete. „Das waren widerliche, fürchterliche Taten“, gab der 46-Jährige zu. Mit seinem Geständnis wolle er dem Kind eine Aussage vor Gericht ersparen, hieß es.

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Schon als Jugendlicher Pornos gesammelt

Wie es zu den sexuellen Übergriffen kam, erzählte der Mann den Richtern auch. Schon als Jugendlicher habe er Pornohefte gesammelt, sagte er. Im Laufe der Zeit seien die von ihm favorisierten Darstellerinnen dann immer jünger geworden. Mit Mitte 20 habe er dann erstmals ein Kinderporno-Video zugespielt bekommen.

Von da an habe es kein Halten mehr gegeben. „Es war eine Sucht“, sagte der Angeklagte. Seine Sammlung sei immer größer geworden. Und um alles zu vertuschen und mit der Angst vor Entdeckung fertig zu werden, habe er schließlich angefangen, Alkohol zu trinken. „Ich habe gesoffen wie ein Loch“, so der Unnaer.

Gegen die Angst half Alkohol

Irgendwann sei er dann dazu übergegangen, seine eigenen Filme zu produzieren. Seine Nichte habe von den Übergriffen im Schlaf nie etwas mitbekommen. „Wäre sie aufgewacht, hätte ich sofort aufgehört“, sagte der 46-Jährige. Das Video von etwa 25 Minuten Länge tauschte er schließlich mit anderen Pädophilen im Internet. Ein anonymer Hinweis brachte die Polizei dadurch auf seine Spur.

Heute ist der Angeklagte angeblich froh, dass er geschnappt worden ist. „So doof, wie das klingt, aber das Gefängnis bedeutet Befreiung für mich“, sagte er am Dienstag. „Ich trinke nicht mehr und ich kann auch keine Filme mehr gucken.“ Dass er bestraft und eingesperrt gehört, steht für den 46-Jährigen absolut fest. Dass er professionelle Hilfe benötigt, auch.

Schon einmal hätte er vor Jahren die Chance gehabt, sich in die Hände eines Experten zu begeben. „Ich hatte die Nummer schon in der Hand, aber letztendlich nicht angerufen. Darüber bin ich wütend auf mich selbst.“

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