Thomas Wiese hat auch mit dem Gericht noch eine Rechnung offen

dzAluwerk

Thomas Wiese und kein Ende: Bei der Hauptversammlung des Aluwerks Unna war der ehemalige Mehrheitsaktionär und Vorstand immer noch ein Thema. Der Rechtsstreit gewinnt inzwischen groteske Züge.

Unna

, 18.07.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Verfahren gegen sein früheres Unternehmen hat Thomas Wiese beim Landgericht Dortmund angestrebt, berichtet wurde vom Vorstand aber nur von einem. Ein aufmerksamer Kleinaktionär, dem dies auffiel, brachte mit seiner Nachfrage Erstaunliches hervor: „Von einer zweiten Klage haben wir auch gehört“, sagte der neue Vorstand Volker Findeisen. „Aber mehr kann uns das Gericht nicht sagen, weil es erst tätig wird, wenn Thomas Wiese die Gerichtsgebühren entrichtet hat.“ Das scheint bislang noch nicht geschehen zu sein.

Aktionäre verweigern Thomas Wiese die Entlastung

Thomas Wiese und die Aufarbeitung seiner letzten Monate im Amt als Vorstand waren ein Thema, dass sich bei der außerordentlichen Hauptversammlung wie ein roter Faden durch die Sitzung zog. Formal entschieden haben die Aktionäre, Wiese für das Geschäftsjahr 2018 die Entlastung zu verweigern. Dies gilt als Grundlage für etwaige Ansprüche auf Schadenersatz.

Das Aluwerk selbst geht ebenfalls gerichtlich vor, um Vorauszahlungen an Wieses Leiharbeitsfirma W.B. und die auf Werkskosten geleasten Supersportwagen zurückzufordern. Insgesamt geht es dabei um 3,5 Millionen Euro.

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Wirtschaftlich geht es im Werk wieder voran

Der Blick auf die Monate nach Wieses Abberufung im November 2018 verspricht für das Werk eine Wende zum Guten. 2018 hatte das Aluminiumwerk Unna erstmals seit der Jahrtausendwende einen Verlust erwirtschaftet. 1,15 Millionen Euro Defizit standen zum Schluss zu Buche.

Im aktuellen Wirtschaftsjahr hingegen liege das Werk nicht nur auf Gewinnkurs, sondern dabei auch oberhalb der gesetzten Planzahlen. Produktivität und Wertschöpfung lagen im ersten Halbjahr 2019 deutlich über dem Vorjahreszeitraum: der Materialdurchsatz etwa um 7 Prozent, der Geldumsatz um 19 Prozent. Vorstand Volker Findeisen erwartet aber auch über 2019 hinausreichend eine weitere Stabilisierung. Ihm haben die Aktionäre einstimmig die Entlastung erteilt.

Im Wesentlichen ist das ein Zeichen für den Rückhalt der chinesischen Mehrheitsaktionäre, die die Aktienpakete von Thomas Wiese, dem Belegschaftsverein und auch einigen anderen Aktionären aufgekauft haben. Der Streubesitz der Aktien macht gerade einmal 0,27 Prozent der Unternehmensanteile aus. Bei der Hauptversammlung bedeutete dies immerhin die Anwesenheit von 27 Gästen mit Stimmrechtskarte(n). Sie alle schienen die jüngsten Veränderungen im Werk mitzutragen.

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