Im Aluminiumwerk Unna gibt es derzeit verhältnismäßig wenig zu tun. Die Coronavirus-Pandemie hat auch die Nachfrage nach Produkten aus Unna einbrechen lassen, zum Beispiel nach Aluminiumrohren für die Luftfahrtindustrie. © Marcel Drawe
Corona-Krise

Aluwerk Unna kämpft gegen den Abbau von Arbeitsplätzen

Die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft führen das Aluwerk Unna in eine anhaltende Krise: 2020 hat das Unternehmen Verluste gemacht. Der Vorstand spricht nun vom Kampf um Arbeitsplätze.

Dass das Aluwerk am Uelzener Weg von der Corona-Pandemie hart getroffen würde, war schon im Laufe des Jahres absehbar. Kurzarbeit und sogar eine mehrwöchige Betriebspause waren Reaktionen auf einen Einbruch der Nachfrage. Für das Gesamtjahr geht Vorstand Volker Findeisen jetzt von einem „deutlichen Verlust“ aus, und die Aussichten für 2021 bleiben schwierig.

Genaue Zahlen sind so kurz nach Jahreswechsel noch nicht verlässlich zu nennen. Von der Größenordnung her hofft Findeisen zumindest, dass das Minus etwas geringer wiegt als das im Jahr 2018. In jenem Jahr musste der vorherige Vorstandsvorsitzende Thomas Wiese seinen Hut nehmen; der offizielle Jahresabschluss wies später einen Verlust von rund 1,15 Millionen Euro aus.

Die aktuelle Lage mag kritischer sein, als es die reinen Zahlen erwarten lassen. Denn: Die ersten fünf Monate seien sogar noch gut gelaufen im Werk, blickt Findeisen zurück. In dieser Zeit hatten die Beschäftigten des Aluminiumwerkes noch reichlich Aufträge abzuarbeiten. Ein Problem ist, dass durch die Pandemie zu wenig neue hereingekommen sind. Und an dieser Lage habe sich bis jetzt nicht viel geändert, so der Aluwerkchef.

Umsatzeinbruch vor allem bei Premiumprodukten

„Uns fehlen 25 Prozent an Umsatz“, so Findeisen. „Vor allem der hochpreisige Umsatz.“ Im margenträchtigen Geschäft mit der Luftfahrtindustrie, für die das Aluwerk ein wichtiger Zulieferer von Rohren in höchster Materialgüte ist, seien die Bestellungen weggebrochen. Das Aluwerk leidet an einer wirtschaftlichen Kettenreaktion: Weil es so gut wie keine Reisen gibt, gibt es weniger Flüge. Weil weniger geflogen wird und die Fluggesellschaften leiden, werden keine neuen Flugzeuge bestellt. Und wenn Kunden wie Boeing selbst nichts zu tun haben, bestellen sie auch kein Material in Unna.

Bei ansonsten durchaus Hoffnung stiftenden Signalen in einigen Zweigen der Wirtschaft geht Volker Findeisen für die Luftfahrt von keiner baldigen Erholung aus. „Für uns im Aluwerk wird es auch 2021 eine Herausforderung, das Jahr ausgeglichen abzuschließen. Und damit geht es auch um Arbeitsplätze.“

Findeisen beteuert, die Arbeitsplätze im Werk halten zu wollen. Dabei gebe es durchaus Gegenwind von Aktionären und Banken, die eine Kostenreduzierung vorschlagen.

Kurzarbeit und Abstriche der Belegschaft

Was Findeisen derzeit hilft, sich gegen diesen Wind zu stellen, sind Deutschlands Sozialgesetzgebung und die Bereitschaft der Beschäftigten, Abstriche zu machen. Hinter der Betriebspause im Sommer stand ein Modell, in dem die Aluwerker eine sonst übliche Zusatzzahlung in Urlaubstage umgewandelt haben, die sie dann abgefeiert haben.

Und das Aluwerk nutzt das Instrument der Kurzarbeit. Im September und Oktober seien jeweils rund 20.000 Stunden Kurzarbeit angemeldet worden, im November 17.000. Das entspricht schon fast der Hälfte der Belegschaft“, so Findeisen. „Aber wir können damit sehr flexibel umgehen. Manchmal rufen wir die Leute am Nachmittag an, dass sie morgen wieder kommen sollen, weil es was zu tun gibt. Und sie kommen.“

370 Beschäftigte hat das Aluwerk. Erst Anfang 2019 gab es eine Einstellungswelle, in der das Unternehmen die Leiharbeiter aus Thomas Wieses Firma W.B. in die Stammbelegschaft übernommen hat. Qualifizierte Kräfte zu halten, um sie auch für die Zeit des Aufschwungs sichern zu können, hat für Volker Findeisen auch eine strategische Bedeutung. Dennoch geht auch er davon aus, dass die Mitarbeiterzahl in den nächsten Monaten sinken kann, wenn Mitarbeiter in Ruhestand gehen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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