Thomas Wiese hat in seinem letzten Jahr nicht alles falsch gemacht

dzAluwerk

Thomas Wieses Rauswurf im Aluwerk kam überraschend und entschieden. Der Rückblick auf sein letztes Jahr als Vorstand erlaubt nun ein differenzierteres Bild als das vom ökonomischen Scheitern.

Unna

, 26.09.2019, 13:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Wieses eigener Darstellung musste er sich sogar vom Krankenbett erheben, als ihn die Chinesen von Zhongwang urplötzlich zur Kündigung ins Aluwerk beorderten. Von einem Moment auf den anderen waren Thomas Wiese und das Aluwerk keine Einheit mehr. Und der langjährige Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsaktionär, der einmal als Retter des Unternehmens galt, stand plötzlich als Versager mit unlauteren Methoden da. Das geschah am 19. November 2018.

Sachlicher Blick auf Thomas Wieses letztes Geschäftsjahr mit dem Aluwerk

Nun legt die Aktiengesellschaft ihren geprüften und bestätigten Jahresabschluss für das Jahr 2018 vor, das maßgeblich noch von Wiese verantwortet war. Trotz aller Vorwürfe, die der Aufsichtsrat gegen den ehemaligen Spitzenmanager erhebt, ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Tatsächlich hat das Werk zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende einen Verlust ausgewiesen. Aber Wiese hat längst nicht alles falsch gemacht.

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Den Jahresverlust von 1,15 Millionen Euro im Jahr 2018 erklärt das Unternehmen mit „verschiedenen Kostensteigerungen im Bereich der Rohstoffe sowie schlechterer als geplanter Produktivität“. Auf der außerordentlichen Aktionärsversammlung nach Wieses Rauswurf war der Aufsichtsrat konkreter und ausführlicher: Wiese hatte ohne Freigabe der Chinesen ein teures Investitionsprogramm angeschoben, dabei unter anderem eine Halle abgerissen und eine Gas-Pipeline verlegt.

Wiese hatte im Aluwerk investiert, aber nicht unmittelbar in die Produktivität

Das waren Ausgaben, die vielleicht langfristig zu rechtfertigen gewesen wären, aber keine unmittelbaren Vorteile für die Produktivität gebracht haben. Im Gegenteil: Das Werk musste eine Lagerhalle nahe des Dortmunder Flughafens anmieten, die zusätzliche Gebäude- und Transportkosten verursacht.

Forderungen des Aluwerks gegen Wiese stehen in der Bilanz

Auch der Streit um ungewöhnlich hohe Vorauszahlungen des Aluwerks an Wieses eigene Leiharbeitsfirma und um die ungewöhnliche Sportwagenfinanzierung des bisherigen Vorstands finden sich im Jahresabschluss wieder – nämlich als „Forderungen gegen ein ehemaliges verbundenes Unternehmen“ in Höhe von knapp drei Millionen Euro und als „Forderungen gegenüber einem ehemaligen Vorstandsmitglied“ in Höhe von 848.000 Euro.

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Allen Unkenrufen zum Trotz: Mehr Umsatz und Absatz

Doch unter Wieses Führung hat die Aktiengesellschaft auch positive Kennzahlen geliefert. Der Umsatz des Geschäftsjahres 2018 betrug 73,5 Millionen Euro und lag damit um 6,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

Während das Marktsegment des Aluwerkes insgesamt ein schwieriges Jahr erlebt hat, haben die Unnaer mehr Rohre verkauft als im Vorjahr. Der Ausstoß an Waren stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent. 10.271 Tonnen Aluminium waren 2018 am Uelzener Weg zu Strängen gepresst oder gezogen worden.

Auftragsbücher waren übervoll

Zudem waren die Auftragsbücher des anerkannten Qualitätsproduzenten zum Jahresende gut gefüllt. Mit größerer Fertigungskapazität hätte das Aluwerk sogar fast 14.500 Tonnen Aluminium-Halbzeug an den Abnehmer bringen können.

Die Differenz zwischen Auftragseingang und -erledigung hat Kunden viel Geduld abverlangt. Das war Wiese ebenfalls vorgeworfen worden. Dennoch stellt der Jahresabschluss des Unternehmens klar, dass die Produktionsleistung des Werkes 2018 durchaus leicht über der des Vorjahres gelegen habe.

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