Aluwerk: Das sind Wieses Rennwagen

dzLuxus-Sportwagen

Es gibt wohl nicht viele Unternehmen, die über so rasante „Dienstwagen“ verfügen wie das Aluwerk. Die Fahrzeuge, die Thomas Wiese auf Kosten des Aluwerks Unna, geleast haben soll, sind Rennwagen mit Straßenzulassung.

Unna

, 11.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Fahrzeuge, die der ehemalige geschäftsführende Aluwerk-Vorstand Thomas Wiese für das Unternehmen geleast haben soll, sind automobile Kraftprotze. Dass ihre Leistung auf deutschen Straßen wohl nie ausgeschöpft werden kann, ist dabei nebensächlich. Der graue Mercedes SL 63 AMG Black Series, der orangefarbene Gumpert Apollo und der schwarze Mosler waren vermutlich allesamt auch schon im Rahmen von Veranstaltungen am Reitsportzentrum Massener Heide zu sehen. Und damit dürften sie auch schon von vielen Unnaern bewundert worden sein.

Die reinen Namen dürften vielen Menschen dagegen nichts sagen – schließlich sind die Rennwagen mit Straßenzulassung nur selten zu sehen.

Bis zu 300 Stundenkilometer schnell

Die Bewegung der Tachonadel des Mercedes SL 63 AMG Black Series scheint kein Ende zu kennen. Erst bei 300 Stundenkilometern kommt sie zur Ruhe, wenn das Fahrzeug ausgefahren werden kann und über das von Mercedes angebotene „Drivers Package“ verfügt. Auf 670 PS bringt es das Auto, das Wiese für das Aluwerk geleast haben soll. Die Erstzulassung erfolgte im Februar 2012, seitdem wurden mit dem Sportwagen aber nur 4465 Kilometer zurückgelegt.

Sportliche Autofahrer dürften das bedauern, denn der Zwölf-Zylinder-Motor mit einem Hubraum von 5980 Kubikzentimetern sorgt sicher für jede Menge Fahrspaß. Neben sieben Gängen verfügt der SL 63 AMG auch über eine „Race Start“- und eine Zwischengasfunktion. Thomas Wiese bietet mit seiner Firma W.B. Metallverarbeitung Service GmbH ein solches Auto im Internet an. Dort werden 400.000 Euro als Kaufpreis aufgerufen.

Aluwerk: Das sind Wieses Rennwagen

Der erste Prototyp des Gumpert Apollo wurde 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Projekt geht auf den ehemaligen Audi-Motorsportchef Roland Gumpert zurück. © Gumpert/dpa/gms

Nur 60.000 Euro weniger werden für den ebenfalls dort angebotenen orangefarbenen Gumpert Apollo aufgerufen. Die Gumpert Sportwagenmanufaktur hat ihren Sitz im ostthüringischen Altenburg. Das Projekt geht zurück auf den ehemaligen Audi-Motorsportchef Roland Gumpert. Im Jahr 2004 wurde ein erster Prototyp vorgestellt. Mit einem zweiten Auto fuhr der belgische Pilot Ruben Maes 2005 beim Divinol-Cup auf dem Hockenheimring auf das Podium.

Aluwerk: Das sind Wieses Rennwagen

Ein Blick ins Innere: Die Gumpert-Sportwagenmanufaktur produziert ihre Fahrzeuge im thüringischen Altenburg in Handarbeit. © Jan-Peter Kasper/picture-alliance/dpa

Die Erstzulassung des von Wiese angebotenen Fahrzeugs datiert auf den Dezember 2006. Damit ist das Auto, mit dem nur 1597 Kilometer zurückgelegt wurden, eines der ersten aus der Serienproduktion, die am 21. Dezember 2005 startete. Mit 650 PS (478 kW) ist der Motor inzwischen der kleinste in der Apollo-Reihe. Der Apollo S verfügt über 750 PS, der Apollo Enraged über 780 PS und der Apollo R sogar über 860 PS.

Aluwerk: Das sind Wieses Rennwagen

Der ehemalige Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen (l.), hier mit dem ehemaligen Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich, war schon im Rennmodus in einem Gumpert Apollo unterwegs. 2008 startete er beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring gemeinsam mit Dirk Müller, Marcel Engels und Dominik Schwager. © Jürgen Trapp/picture-alliance/dpa

Der Gumpert-Apollo ist ein Rennwagen mit Straßenzulassung. Und tatsächlich hat auch schon ein prominenter Rennfahrer das Auto gesteuert. Der ehemalige Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen startete beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Jahr 2008 in einem Gumpert Apollo. In seinem Team waren damals auch Dirk Müller, 2007 Meister der FIA-GT-Meisterschaft (GT2), Marcel Engels und Dominik Schwager. Frentzen und Co. saßen damals allerdings in einem Rennwagen mit Hybridtechnik, der von Wiese angebotene Wagen verfügt über einen Benzin-Motor mit 4163 Kubikzentimetern Hubraum.

Aluwerk: Das sind Wieses Rennwagen

Sportwagen der Firma Mosler sind eine echte Rarität. Der 1988 in Florida gegründete Automobilhersteller wurde 2013 durch das US-Unternehmen Rossion übernommen. Diese Übernahme bedeutete zugleich das As für die Luxusmarke. © Mosler/dpa/gms

Eine echte Rarität ist der Mosler. Die Mosler Automotive Inc. wurden 1985 in Florida von Warren Mosler gegründet. 1988 begann die Produktion von Sportwagen - allerdings stets in kleinen Stückzahlen und zunächst unter dem Markennamen Consulier. 1993 wurde der Markenname verändert. 2013 endete die Unternehmensgeschichte mit der Übernahme durch die Us-amerikanische Rossion Automotive Group. In den Jahren 2000 und 2001 wurden jeweils nur zwei Fahrzeuge produziert, in den beiden Jahren darauf jeweils fünf. Diese Zahlen lassen erahnen, dass der „Aluwerk-Mosler“ eine Seltenheit ist. Er wurde im September 2006 erstmals in Deutschland zugelassen, mit 10.524 Kilometern hat auch er nur eine äußerst geringe Laufleistung.

Mit 658 PS wartet der Acht-Zylinder-Motor auf, der Hubraum misst wie der Motor des Gumpert Apollo 4163 Kubikzentimeter. Wiese nennt als Kaufpreis für dieses Fahrzeug 300.000 Euro.

Schwere Vorwürfe gegen Wiese

Der Verkauf der Fahrzeuge dürfte allerdings nicht sein drängendstes Problem sein. Schließlich wurden bei der außerordentlichen Aktionärsversammlung des Aluwerkes am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen Wiese erhoben. Er soll nicht nur die Luxuswagen auf Kosten des Unternehmens geleast haben, sondern auch millionenschwere Vorleistungen einbehalten und einen Alleingang bei der Umsetzung eines Investitionsprogramms am Aufsichtsrat vorbei gemacht haben.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen