Vergiftete Erde unter einem weiteren Feld in Unnas Norden

dzAlte Deponie Massen

Die „Entsorgungspraxis“ früherer Zeiten belastet bis heute die Umwelt. Im Norden Unnas gerät eine weitere Altlastenfläche in den Fokus: Unter einem Acker schlummert eine explosive Mischung.

Unna

, 28.08.2019, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 18.000 Kubikmeter einer hochproblematischen Müllmischung vermutet der Kreis Unna unter einem Acker im Winkel von Dortmunder und Bismarckstraße. Das entspricht der Füllmenge von sieben olympischen Schwimmbecken. Hausmüll, Bauschutt, Tierkadaver, Teer und Mineralöl sollen dort deponiert worden sein, abgedeckt mit einer einfachen und vielleicht zu dünn gewählten Erdschicht.

Alarmierender Gasgeruch bei Probebohrung

Was heute als Umweltsünde einen Skandal auslösen würde, geschah damals durch die öffentliche Hand: Die ehemalige Gemeinde Massen betrieb die Deponie, deren Fläche heute zur Gemarkung Afferde gehört. Als Verdachtsfläche ist das Feld seit über 30 Jahren gelistet. Eine aktuelle Bodenuntersuchung jedoch deutet akuten Handlungsbedarf an.

Als ein Geologe Bohrkerne als Proben für seine Untersuchungen zog, vernahm er an zwei Stellen schon mit der Nase den Geruch von Motorenöl und Fäulnis. Eine Anreicherung explosiver Gase könne nicht ausgeschlossen werden – ebenso wenig wie ein Übergang von Schadstoffen ins Grundwasser. Im Altlastenverzeichnis des Kreises finden sich überdies Beschreibungen von alten Massenern, die auch Munition und Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg befürchten lassen. Angeblich seien unter dem Druck des alliierten Vormarsches sogar Panzer in dem See versenkt worden, der zeitweilig in Massens Norden lag.

Jetzt lesen

Äußerlich sieht man der Fläche nicht an, welche Probleme dort im Erdreich schlummern mögen. Genutzt wird sie als Acker. Die Felder am nördlichen Ende der Bismarckstraße stehen für die ländlichen Teile Massens. Dass das Grundstück nun zum aktuellen Thema wird, ist dem Zufall geschuldet.

Die Fläche ist Gegenstand einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht Unna. Wie bei allen Versteigerungen von Liegenschaften hat das Gericht einen Sachverständigen damit beauftragt, das Objekt unter die Lupe zu nehmen. Sein Befund lässt nicht nur die Erfolgsaussichten der Versteigerung als überschaubar erscheinen. Er zeigt auch Probleme an, um die sich ohne Veräußerungen jemand kümmern sollte.

Gutachter sieht Handlungsbedarf auch bei Ackernutzung

Einer weiteren Nutzung als Acker etwa steht nach Einschätzung der beteiligten Gutachter grundsätzlich nichts im Wege. Aber: Sie empfehlen, eine weitere Erdschicht aufzutragen und 50 Zentimeter mehr sauberen Boden aufzulegen. Außerdem sollte eine Bodenentlüftung eingebaut werden, damit etwaig explosive Gase fortlaufend entweichen können.

Gesamtaufwand für das Herrichten des Ackers: gut 400.000 Euro. Eine grundlegende Sanierung dürfte hingegen über zehn Millionen Euro kosten. Den Verkehrswert, der bei Zwangsversteigerung als Orientierungsgröße dient, setzt der Gutachter des Gerichtes daher mit einem Symbolpreis fest: Ein Euro.

Vergiftete Erde unter einem weiteren Feld in Unnas Norden

Noch zu Beginn der 1950er-Jahre gab es im Winkel von Dortmunder Straße und Bismarckstraße einen See. Danach begann die Gemeinde Massen damit, die Bergsenke mit allerlei Abfällen zu verfüllen. © Stadt Unna

Die insgesamt sechs zur Versteigerung vorgesehenen Grundstücke liegen in einem Gebiet, das von Bergsenkungen betroffen war. Unter der fast 22.000 Quadratmeter großen Ackerfläche liegt das Abbaufeld „Massener Tiefbau I“.

Bis zu Beginn der 1950er-Jahre gab es in dem Bereich einen See, der dadurch entstanden war, dass in der Senke Grundwasser zu Tage trat. Danach begann die Gemeinde Massen damit, die Senke zu verfüllen. Anschließend zog man eine Schicht Erde darüber, um das Problem unsichtbar zu machen.

Die Deponiefläche ist nicht das einzige Problemfeld in Massen: Nur etwas weiter im Westen hatte die damalige Kokerei in einem Klärteich Teeröl „entsorgt“, das noch 90 Jahre danach in Körne und Seseke nachzuweisen war.

Termin

Zwangsversteigerung im Amtsgericht Unna

  • Die Zwangsversteigerung der Flächen soll am Freitag, 22. November, im Amtsgericht Unna erfolgen. Der Termin beginnt um 11 Uhr im Saal 115 mit der Erläuterung der besonderen Regeln, bevor danach die Bieterstunde eröffnet wird.
  • Der Verkehrswert ist angesichts der Altlasten auf einen Euro angesetzt. Wertgrenzen spielen damit praktisch keine Rolle.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Typisierung
Ganz Lünern hilft bei der Suche nach dem genetischen Zwilling von Annette Mattick
Hellweger Anzeiger Radverkehr
Mit neuen Radstellflächen wollen Unnas Grüne auch den Autoverkehr am Lindenplatz beruhigen