Mit vielen Bildern: Altes Handwerk erlebt auch in Hemmerde eine Renaissance

dzMittelaltermarkt

Das Mittelalter fesselt Menschen noch heute. Das harte, urige Leben und vor allem die alte Handwerkskunst begeistern Menschen aller Generationen. Das war am Samstag in Hemmerde nicht anders.

von Sebastian Pähler

Hemmerde

, 03.11.2019, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob es an dem Umweltgewissen in einer Welt mit Meeren voller Mikroplastik liegt, an der Sehnsucht nach wertigen Produkten, die lange halten und nicht unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wurden, oder einfach an der Freude am Kreativen schaffen: Altes Handwerk feiert gerade ein Revival.

Deutlich wurde das auch beim „Markttreiben zu Hemmerde“, das am Samstag viele Menschen auf den Platz rund um die Evangelische Kirche in dem Ostdorf lockte. Bereits zum vierten Mal hatte der CVJM das Miniaturspektakel mit Kostümen, deftiger Verpflegung und einem Abstecher in die Historie veranstaltet – und die Resonanz war abermals groß.

Mit vielen Bildern: Altes Handwerk erlebt auch in Hemmerde eine Renaissance

Lina und Jonas versuchten sich beim Seilziehen, beobachtet von einem Schiedsrichter in historischem Gewand. © Udo Hennes

Kleine Zeitreise schon beim Gottesdienst

Wer am Samstag die Evangelische Kirche in Hemmerde besuchte, erlebte eine kleine Zeitreise. Schon beim Gottesdienst begleiteten authentische Ritter die Szene, in der Martin Luther feststellte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“!

Und das Spektakel zog sich über den gesamten Kirchplatz. Deftiges Essen wie Braten mit Kraut oder verschiedene Eintöpfe, alles natürlich über dem offenen Feuer gegart, konnten da probiert werden. Es gab Spiele wie Lanzenstechen oder Bogenschießen und sogar Pfarrer Volker Jeck wurde zum Gaukler und jonglierte mit Bällen und Keulen.

Mit vielen Bildern: Altes Handwerk erlebt auch in Hemmerde eine Renaissance

Die Ritterschaft der Wolfskuhle machte das Leben im Mittelalter greifbar. © Udo Hennes

Ritterschaft zum zweiten Mal dabei

Zum zweiten Mal dabei und sehr hilfreich bei der historischen Darstellung war diesmal auch wieder die Ritterschaft der Wolfskuhle, die das Leben im Mittelalter darstellte. „Eigentlich sind wir ein bisschen spät, in der Zeit waren wir alle schon lange tot“, stellte Kerstin Schaefer von der Ritterschaft fest. Denn eigentlich ist die Darstellergruppe auf das Jahr 1288 spezialisiert. Sich aber auf die Reformationszeit einzustellen, war kein größeres Problem, denn alle Kostüme sind ohnehin handgemacht und so haben die Rittersleute eben auch einige Stücke passend zur Lutherzeit angefertigt.

Überhaupt beobachtet Schaefer schon seit längerem einen Wandel in dem, was die Besucher an der Ritterzeit interessiert. „Früher war es so, dass die meisten kamen, um die Ritter kämpfen zu sehen, aber mittlerweile ist das Interesse am alten Handwerk immer größer“.

Mit vielen Bildern: Altes Handwerk erlebt auch in Hemmerde eine Renaissance

Die Hemmerder Landfrauen boten Rosmarinkartoffeln mit vielen Dips und Schmalzbrote an. © Udo Hennes

Spinnen statt zuschauen

Auch Ulrike Fink-Dörmann hat diese Beobachtung gemacht. Sie selbst ist seit vielen Jahren auf Mittelaltermärkten unterwegs: „Immer nur im Lager sitzen und zuschauen wurde irgendwann langweilig, also habe ich etwas gesucht, das ich machen kann.“ So landete sie bei alten Handwerkstechniken wie dem Spinnen oder dem Nadelbinden. Letzteres ist eine Technik, ähnlich dem Stricken, aber mit nur einer Nadel, die erstaunlich haltbare Kleider und Alltagsgegenstände hervorbringt.

Gerade das Spinnen hat in Hemmerde aber mittlerweile eine Tradition, berichtete Angelika Baringhorst, die nebenan das Spinnrad bediente. Sie hat in dem Dorf eine Spinngruppe begründet und stellte bei dem Markttreiben das alte Handwerk vor.

Aber auch geklöppelt und kalligraphiert wurde. Es wurden Seile hergestellt und Messer geschliffen, Holz bearbeitet und über den Einsatz von Kräutern erzählt.

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Markttreiben zu Hemmerde

Das "Markttreiben zu Hemmerde" begeisterte am 2. November 2019 schon zum vierten Mal die Mittelalterfans.
03.11.2019
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Die Ritterschaft der Wolfskuhle präsentierte sich in Hemmerde.© Udo Hennes
Nach Einbruch der Dunkelheit wirkte der Kirchplatz mit den ganzen Kerzen und Feuern besonders gemütlich.© Sebastian Pähler
Nach Einbruch der Dunkelheit wirkte der Kirchplatz mit den ganzen Kerzen und Feuern besonders gemütlich.© Sebastian Pähler
Die spinnen, die Handwerker auf dem Markttreiben – aber auf eine gute Art. Angelika Baringhorst zeigt, wie ein Spinnrad funktioniert.© Sebastian Pähler
Nach Einbruch der Dunkelheit wirkte der Kirchplatz mit den ganzen Kerzen und Feuern besonders gemütlich.© Sebastian Pähler
Nach Einbruch der Dunkelheit wirkte der Kirchplatz mit den ganzen Kerzen und Feuern besonders gemütlich.© Sebastian Pähler
Ulrike Fink-Dörmann zeigte, wie man ganz früher gesponnen hat.© Sebastian Pähler
Handwerk spielte in diesem Jahr eine große Rolle. Die Klöppel-Schwestern Marion Steinbeck (links) und Nana Kotnik (rechts) geben Antje Möller (Mitte) Tipps fürs Klöppeln.© Sebastian Pähler
Auch in der Dämmerung wirkten die Kostüme der Ritterschaft der Wolfskuhle beeindruckend.© Sebastian Pähler
In einer Führung stellte Martina Illian den Teilnehmern die Schätze der Hemmerder Kirche vor, wie die Kanzel von 1677.© Sebastian Pähler
Lisa und Emily versuchten sich in der Holzwerkstatt.© Udo Hennes
Lucy gestaltete ein Wachstropfbild, das sie an den Mittelaltermarkt erinnern wird.© Udo Hennes
Auch die Erwachsenen hatten ihren Spaß bei den Marktspielen.© Udo Hennes
Nela durfte beim Ritterspiel nicht fehlen.© Udo Hennes
Milan schälte Äpfel an der Apfelpresse. Das gelang, weil Uli Schmidt ihm zeigte, wie das geht.© Udo Hennes
Leni hatte viel Spaß beim Seilmacher Edwin Illian.© Udo Hennes
Der Gratwandler Stephan Blank schärfte die Messer der Besucher.© Udo Hennes
Jonas und seine Mama suchten den spielerischen Wettstreit.© Udo Hennes
Lina und Jonas versuchten, sich beim Seilziehen von Holzscheiben zu befördern.© Udo Hennes
Loren half Erik beim Bogenschießen. Das ist gar nicht so einfach.© Udo Hennes
Pastor Volker Jeck wurde beim Mittelalterfest zum Gaukler.© Udo Hennes
Die Hemmerder Landfrauen boten Rosmarinkartoffeln mit vielen Dips und Schmalzbrote an.© Udo Hennes

Tolle Resonanz trotz Kirmes

2019 erwies sich das „Markttreiben zu Hemmerde“ als schöne und erfolgreiche Veranstaltung. „Wir sind froh, dass trotz der Kirmes in Unna so viele gekommen sind“, stellte Peter Milbradt-Faß fest. Der Vorsitzende des CVJM in Hemmerde freute sich über das gelungene Fest und auch darüber, wie sehr es in seiner vierten Auflage gewachsen ist.

So waren mit rund 20 Ehrenamtlichen mehr diesmal rund 100 Helfer im Einsatz, die sich an den Verkaufsständen beteiligten, Geschirr hin und her trugen und sich in Kostümen um die Unterhaltung der Gäste kümmerten. Die Einnahmen aus dem Markttreiben sind auch diesmal für die Jugendarbeit in Hemmerde gedacht.

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