Alt-Ortsvorsteher Tewes: „In diesem Loch liegen Motoren und Menschen“

dzAlte Deponie Massen

Über die „Gemeinde Massen“ spricht Helmut Tewes meist Gutes. Die alte Deponie an der Bismarckstraße hält er aber für einen Skandal, den die Stadt heute beheben sollte.

Unna

, 29.08.2019, 13:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Helmut Tewes ist Massener durch und durch: 30 Jahre lang war er Ortsvorsteher für den westlichen Stadtteil. Noch heute ist er Vorsitzender des Bürgerhauses und eines historischen Arbeitskreises. Zwischen Massen und Unna macht der 76-Jährige für gewöhnlich eine klare Unterscheidung: Massen, das ist eine ehemals selbstständige Gemeinde, in der vieles besser war. Und Unna ist eben das, was die Dinge zum Schlechten gewendet hat. Nun allerdings kehren sich die Verhältnisse um.

Alt-Ortsvorsteher Tewes: „In diesem Loch liegen Motoren und Menschen“

Helmut Tewes © SPD Unna

Auch Tewes hat noch lebhafte Erinnerungen an die „Massener Senke“, die einmal ein See war, dann aber als Müllkippe missbraucht wurde. Und anders als sonst geht er in diesem Fall äußerst kritisch mit der früheren Gemeinde Massen um, die das heute wieder aktuell werdende Müllproblem geschaffen hat.

„Als Kinder konnten wir paddeln und Fische fangen“

„Früher waren da einmal zwei Seen. Als Kinder konnten wir da paddeln und Fische fangen. Im Winter schlugen die Bauern dort Eis, das auf Pferdekarren zur Brauerei nach Unna gebracht wurde“, erinnert sich Tewes an Zeiten, in denen die Massener Senke noch offen war.

Irgendwann war den Kindern dann aber ein merkwürdiger Belag auf einem der Seen aufgefallen. Fortan mieden sie ihn – man wusste, dass das nichts Gutes bedeuten könne. „Die Senke ist mit so ziemlich allem aufgefüllt worden, was in der Gegend anfiel. Das ist alles drin. Motoren und auch Menschen“, erinnert Tewes an Suzidfälle in dem abgelegenen Gebiet.

„Die Gemeinde Massen war da sehr großzügig“

Jenseits der offiziellen Entsorgung von Abfällen soll die Senke aber auch ein Anziehungspunkt für Privatleute gewesen sein, sie heute Müllsünder oder Nacht-und-Nebel-Kipper genannt würden: Wer seinen Unrat loswerden wollte, fuhr ihn zur Massener Senke. „Die Gemeinde Massen ist da sehr großzügig gewesen. Es wurde gar nicht kontrolliert.“

Diesen Bräuchen Einhalt zu gebieten, muss auch der Stadt Unna nach der kommunalen Neuordnung schwer gefallen sein. Bis in die 1970er-Jahre, als die Kippe längst mit Ackerboden bedeckt war, fuhren manche Müllsünder noch aus alter Gewohnheit dorthin. Irgendwann geriet sie aber doch in Vergessenheit – bis nun ein Gutachten für das Amtsgericht Unna den Fall wieder aktuell gemacht hat.

„Ich weiß, dass sich an eine Sanierung niemand ranwagen will, weil sie Millionen verschlingen würde“, so Helmut Tewes. „Aber richtig wäre es.“

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