Als Straßentheater und Nackte in der Hamletmaschine in Unna für Furore sorgten

dz25 Jahre Theatrale

Ungewöhnliche Theateraufführungen sorgten im Sommer 1994 in Unna für Aufsehen. Drei Monate lang verwandelte die „Theatrale“ die Stadt in eine Bühne. Teilnehmende aus 16 Ländern kommen jetzt zurück an ihre Spielorte.

Unna

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

45 Nachwuchsschauspieler aus 16 verschiedenen Nationen feiern am Samstag, 22. Juni, ein Wiedersehensfest in Unna. Sie erinnern sich an die Theatrale von 1994. Das war ein einzigartiges Theaterprojekt, mit dem Kulturschaffende in Unna seinerzeit für Aufsehen sorgten. Umstritten war die Angelegenheit auch, weil Zuschüsse für Kultur schon damals umkämpft waren in Unna. Ein sechsstelliger Betrag floss in das Projekt - und fehlte für anderes, wie Kritiker damals anmerkten. „Das war damals hochbrisant“, erinnert sich Regina Ranft, heute Geschäftsführerin des Kulturzentrums Lindenbrauerei, die die „Theatrale“ 1994 begleitete.

Die Stadt als Freilichtbühne

Das Ergebnis des „Forums für Junges Europäisches Theater“ war die Verwandlung der Stadt in eine große Freilichtbühne. Auf dem Alten Markt wurde eine tägliche „Soap Opera“ aufgeführt: Eine Sängerin saß in der Badewanne. Im Circus Travados spielten die Teilnehmer „Die letzten Tage der Menschheit“, an der Stadtkirche führten sie „Der Traum der Vernunft“ auf. Und in den Gewölben der Lindenbrauerei wurde Heiner Müllers „Hamletmaschine“ inszeniert. Das Publikum sah viel nackte Haut. Eine Darstellerin, die ihren Papier-Rock anzündete, sei manchen noch ebenso im Gedächtnis wie eine Szene, in der in rohes Fleisch gebissen wurde, so Ranft. Und das Publikum musste notgedrungen in Kleingruppen von Raum zu Raum geführt werden, weil die Stadtverwaltung in den Brauereikellern etwas anderes nicht genehmigte.

Als Straßentheater und Nackte in der Hamletmaschine in Unna für Furore sorgten

Einige Darsteller zeigten viel Haut bei der „Hamletmaschine“. © Archiv

Nachwuchstalente sind heute namhafte Künstler

Aus vielen der Nachwuchskünstler von damals seien im Lauf der Jahre namhafte Bühnenkünstler in ihren Heimatländern geworden, berichtet Ranft. Immerhin 22 der ursprünglich 45 Mitwirkenden planen nun ihr Wiedersehen für Samstag, 22. Juni. Sie wollen auch die Spielorte der „Theatrale“ noch einmal gemeinsam besuchen. Island, Spanien, Finnland und Portugal sind nur einige der Länder, aus denen die Kreativen für das Wiedersehenstreffen anreisen werden.

Als Straßentheater und Nackte in der Hamletmaschine in Unna für Furore sorgten

Die Stadtkirche wurde zur Kulisse für ein „Theatrales Spektakel“: Der Brüsseler Theatermacher Eddy Vereycken inszenierte „Der Traum der Vernunft“. © Archiv

Statisten zur Feier willkommen

Die Theatermacher von 1994 konnten auch viele Unnaer Bürger begeistern, die in den drei großen Theaterprojekten mitwirkten. Und auch diese Statisten sind nun eingeladen. Wer mitgemacht hat bei der Theatrale 1994 und gerne gemeinsam mit anderen am Samstag, 22. Juni, in Erinnerungen schwelgen möchte, ist willkommen. Interessenten melden sich bitte bei Regina Ranft per E-Mail: rr@lindenbrauerei.de

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