Als Christ im Iran verfolgt: Flüchtling beginnt Ausbildung beim Evangelischen Kirchenkreis

dzAsyl

Weil er seinen Glauben im Iran nicht ausleben darf, flüchtet Mohammadreza Servatjoo nach Deutschland. Nun ist er der erste Flüchtling, der beim Evangelischen Kirchenkreis Unna eine Ausbildung ausübt.

Unna

, 13.08.2020, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mohammadreza Servatjoo will in Deutschland lieber Momo genannt werden. „Das ist einfacher“, sagt der 27-Jährige, der vor rund drei Jahren aus dem Iran geflohen ist, weil ihm in seinem Heimatland die Todesstrafe drohte. Nun baut der Perser sich in Deutschland ein neues Leben auf. Der erste Schritt dahin ist bereits getan: Zu Anfang August hat Momo seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Evangelischen Kirchenkreis Unna begonnen.

Bis dahin war es aber ein langer Weg – vieles hat Momo hinter sich lassen müssen. In seinem Heimatland war der 27-jährige als Mitglied eines internationalen Schwimmteams aktiv, hatte sogar sein eigenes Schwimmbad, berichtet er. Aber die Bekanntheit bringt ihm nicht nur Vorteile – im Gegenteil: „Je mehr du in der Öffentlichkeit stehst, desto mehr wirst du beobachtet“, sagt er. Besonders seitens der islamischen Regierung: Diese erlaubt es nicht, dass gebürtige Perser zum Christentum konvertieren.

Momo lebt Glauben im Iran heimlich aus

Seinen Glauben lebt Momo deshalb heimlich aus, trifft sich nach Betriebsschluss mit anderen Christen in seiner Schwimmhalle, um zu beten oder Filme über Jesus zu schauen. Kirchen darf er nicht besuchen: Aus Sicht des Staates sind gebürtige Perser, die den christlichen Glauben ausleben, als Abtrünnige vom Islam zu betrachten. Dafür droht ihnen die Hinrichtung.

Die Kathedrale der Armenischen Kirche in Teheran ist immer im Visier des Regimes. Perser dürfen den Gottesdienst nicht besuchen, die Regierung erlaubt es nicht, dass gebürtige Muslime zum Christentum konvertieren.

Die Kathedrale der Armenischen Kirche in Teheran ist immer im Visier des Regimes. Perser dürfen den Gottesdienst nicht besuchen, die Regierung erlaubt es nicht, dass gebürtige Muslime zum Christentum konvertieren. © Open Doors Deutschland e.V.

Als Momo deshalb zum Studieren nach Nord-Zypern geht, bekommt er nach zwei Jahren Probleme: Sein Visum läuft aus, aber an die iranische Botschaft kann er sich nicht wenden. Also versucht er es bei der deutschen Botschaft. Diese schickt ihn als Flüchtling nach Bonn. „Das war meine einzige Wahl“, sagt er.

Von dort aus wird Momo später nach Lünen versetzt, wo er beginnt, sich in der hiesigen evangelischen Gemeinde und als Schwimmtrainer bei der SG Lünen zu engagieren. Das hilft ihm auch beim Deutsch lernen, wie er sagt: „Ohne das Engagement so vieler hilfsbereiter Menschen hätte ich das niemals so schnell geschafft.“ Momo weiß, dass gute Sprachkenntnisse für einen Ausbildungsplatz verpflichtend sind. „Und Pflicht funktioniert immer“, sagt er.

Aktiv in der Evangelischen Gemeinde und bei der SG Lünern

Von 30 versendeten Bewerbungen bekommt Momo jedoch 29 Absagen. Nur eine Zusage erhält er – vom Evangelischen Kirchenkreis Unna: „Und das war sogar die beste Stelle“, freut er sich. Inmitten von Christen fühlt sich Momo jetzt gut aufgehoben; weiß, dass er seinen Glauben sicher ausleben darf. „Das ist etwas absolut Besonderes für mich“, sagt er.

Während der dreijährigen Ausbildung durchläuft er nun alle Abteilungen in der Verwaltung des Kreiskirchenamtes, beginnt zunächst im Sekretariat der Verwaltungsleitung sowie im Gemeindebüro. Und auch seine Leidenschaft, das Schwimmen, behält er sich bei: Bei der SG Lünen ist Momo weiterhin als Schwimm- und Personaltrainer aktiv. Deutschland sei jetzt seine zweite Heimat geworden. „Hier habe ich mein neues Leben erhalten: Ich darf sein, wie ich bin, und tun, was mir wichtig ist.“ Dazu gehört vor allem, den Gottesdienst in einer Kirche zu besuchen - ohne Angst haben zu müssen.

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