Als Chance begreifen

dzKommentar zum Platzmangel an Unnas Grundschulen

Der Vorstoß von Matthias Landsberg, über die Raum- und Personalsituation an Unnas Grundschulen in formloser Runde zu sprechen, stellt eine Chance für Unnas Schulentwicklung dar.

Unna

, 17.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Lesen lernen gehört zu den weitreichendsten Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben machen kann. Um lesen zu lernen, braucht es Konzentration. Wie es um die bestellt ist, wenn 29 sechsjährige Kinder gleichzeitig versuchen, Buchstaben zu entziffern und Wortmuster zu erkennen, das erleben Grundschullehrer täglich. Wenn sich nun einer von ihnen zu Wort meldet und sagt: „Es geht nicht mehr“, dann sollten Politiker und Verwaltungsbeamte dies als Alarmsignal sehen.

„Jeder Bürgermeister freut sich, wenn seine Stadt beschließt, Kindergärten zu bauen“, sagte Bürgermeister Werner Kolter neulich im Jugendhilfeausschuss, als es um die Einrichtung einer weiteren Kindertagesgruppe in Hemmerde ging. Steigende Geburtenzahlen und wachsende Neubaugebiete stehen einer Stadt gut zu Gesicht; zeigen sie doch, dass es sich gut leben lässt in Unna, dass junge Familien gerne hier Wurzeln schlagen und eine Zukunft für sich sehen. Doch diese Zukunft endet nicht mit dem Bau von neuen Kindergärten, im Gegenteil: Sie fängt damit gerade erst an. Aus Kindergartenkindern werden Grundschulkinder, aus Grundschulkindern werden Gymnasiasten, Real- oder Gesamtschüler. Sie alle brauchen Raum zum Lernen – im mehrfachen Sinne.

Raum zum Lernen hat, wer von motivierten Lehrern angeleitet wird. Raum zum Lernen hat, wer in großzügigen, sinnvoll aufgeteilten Klassenräumen unterrichtet wird. Raum zum Lernen bedeutet die Zeit, das Umfeld und die Menschen zu haben, die eine bestmögliche Pädagogik ermöglichen. Schülerzahlen von bis zu 30 Kindern in einer Klasse sind das Gegenteil dieses Raumes. Der Lehrer mit den besten Intentionen und den modernsten pädagogischen Absichten wird irgendwann frustriert resignieren, wenn er Tag für Tag versucht, jedem Schüler in einer übervollen Klasse gerecht zu werden.

Umso wichtiger wäre es jetzt, das Gespräch miteinander zu suchen. Ohne Forderungen und ohne Schuldzuweisungen offen und ehrlich die Frage zu diskutieren, wo die Schulstadt Unna in fünf, in zehn Jahren stehen will – das ist eine Chance, dies es zu nutzen gilt.

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