Rund 30 Prozent der Obdachlosen sind Frauen. Weil sie nur selten an Szeneplätzen anzutreffen sind, nimmt die Gesellschaft sie kaum wahr. © picture-alliance/ dpa
Frauenforum Kreis Unna

Alleine und ohne Zuhause: Was Wohnungslosigkeit für Frauen bedeutet

Von der Gesellschaft werden sie meist gar nicht bemerkt: Wenn allein lebende und allein erziehende Frauen ihre Wohnung verlieren, oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind, hilft das Frauenforum im Kreis Unna.

Eine Zweckbeziehung, in der Frauen nur mit einem Mann zusammenleben, um ein Dach über dem Kopf zu haben, nennen Anja Wolsza und ihre Kolleginnen vom Frauenforum Wohnprostitution. Ob sich eine Frau aus einer solchen Situation befreien möchte oder ihre Wohnung verliert, weil sie etwa wegen psychischer Krankheiten überfordert ist: Die mobilen Wohnhilfen für Frauen bieten Unterstützung, die Frauenübernachtungsstelle des Frauenforums ein Dach über dem Kopf.

„Rund 30 Prozent der Wohnungslosen sind Frauen“, sagt die Diplom-Sozialarbeiterin Wolsza, die Übernachtungsstelle und Wohnhilfen leitet. Schlafend auf Parkbänken oder in Hauseingängen sieht man trotzdem fast ausschließlich Männer. Die Obdachlosigkeit von Frauen spielt sich im Verborgenen ab, auch Kinder sind mit betroffen.

Wohnungslose Frauen würden sich in den meisten Fällen nicht mit der Obdachlosen-Szene identifizieren, auch nicht in Obdachlosenunterkünften übernachten. Doch das bedeute eben nicht, dass es sie nicht gibt: „Wohnungslosigkeit hat Konjunktur“, sagt Anja Wolsza.

Wohnungslose Frauen leben seltener auf der Straße

Frauen, die wohnungslos werden, leben in vielen Fällen nicht direkt auf der Straße. Sie kommen mal hier, mal dort unter. Wenn es Freunde oder Verwandte sind, haben sie Glück. Nicht selten geraten Betroffene an Männer, die die Situation der Frauen ausnutzen. „Dafür, dass sie die Frauen bei sich wohnen lassen, erwarten sie eine Gegenleistung.“

Die Diplom-Sozialarbeiterin Anja Wolsza vom Frauenforum leitet Frauenräume und mobile Wohnhilfen. © Kohues © Kohues

Weil wohnungslose Frauen seltener im Stadtbild zu sehen sind, fällt der Zugang für das Team der mobilen Wohnhilfen umso schwerer. Trotzdem setzt das Frauenforum auf Streetwork. Auch die Weitervermittlung etwa über die Wohnungslosenberatungsstelle, oder aufmerksame Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer sozialer Träger und des Jobcenters, bringen die mobilen Wohnhilfen und ihre Klientinnen zusammen.

Der Idealfall wäre, präventiv arbeiten und das Schlimmste noch verhindern zu können. In den meisten Fällen haben die Frauen ihre Wohnungen allerdings schon verloren. Häufig brauchen Frauen Hilfe, deren Beziehungen abrupt enden und die keine guten Chancen auf dem Wohnungsmarkt haben.

„Wenn wir uns trennen, haben wir es nicht so schwer, eine neue Wohnung zu finden“, sagt Anja Wolsza wohlwissend, dass Geringverdienende und Frauen ohne Einkünfte auf dem Wohnungsmarkt ganz schlechte Karten haben. Noch schwerer wird es, wenn sie auch ihre Kinder mit unterbringen müssen.

Sucht und psychische Erkrankungen

Viele Klientinnen sind auch psychisch krank oder suchtmittelabhängig. „Ihnen entgleitet das Leben.“ Wenn die Frauen alleine, oder nur mit ihren Kindern zusammen sind, geht es längere Zeit unbemerkt bergab.

Dann zahlen Betroffene ihre Miete nicht mehr, oder schaffen es nicht mehr aus eigener Kraft, Geld zu beantragen. In einigen Fällen sind die Probleme so groß und dauern schon so lange an, dass die Frauen schon nicht mehr mit ihren Kindern zusammenleben.

Was auch immer die Gründe für ihre Wohnungslosigkeit sind: Mit der einzigen Frauenübernachtungsstelle im Kreis Unna bietet das Frauenforum Frauen ab 18 Jahren ein Dach über dem Kopf. Zudem gibt es ein teilstationäres Wohnprojekt.

Nicht nur Schutz, sondern auch Beratung

Die Frauen erhalten in der Übernachtungsstelle nicht nur Schutz, sondern auch Hilfe für den Weg zurück in eine eigene Wohnung und ein selbstständiges Leben. Wenn möglich werden Klientinnen an weiterführende Hilfsangebote vermittelt. Die Frauen erhalten Informationen zur Wohnungssuche und werden an Fachdienste der Wohnungslosenhilfe angebunden. Außerdem beraten die Sozialarbeiterinnen zur Lebenssituation und helfen bei Anträgen auf Geld und weitere Hilfen.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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