Bei der Vergabe der Impftermine geht es jetzt zügig voran: Bereits am Mittwoch werden die nächsten Jahrgänge freigeschaltet. © picture alliance/dpa
Pandemie

Ärztliches Attest ist im Impfzentrum praktisch wirkungslos

Dass nun auch Hausärzte gegen Corona impfen, soll die Kampagne vereinfachen und beschleunigen. In einigen Fällen tritt das Gegenteil ein - nämlich dann, wenn der eigene Arzt gar nicht impft.

Das Attest, das eine Dame aus Unna bei ihrem Hausarzt erhalten hat, verhieß eine große Erleichterung: Mit der Bescheinigung, dass es gute Gründe gebe, sie in der Impfreihenfolge vorzuziehen, machte sie sich auf den Weg. Dann kehrte Ernüchterung ein. Es geht nicht wirklich schneller für sie.

Das hat etwas mit den Details der rechtlichen Regelung zu tun und damit, dass ausgerechnet ihr Hausarzt selbst keine Impfungen verabreicht. Im Impfzentrum in Unna erfuhr die Dame, dass man ihr nun keinen Termin mehr anbieten könne. Denn mit dem Impfstart in den Arztpraxen sei festgelegt worden, dass Patienten mit Bescheinigung des Arztes auch und nur noch dort den Impfstoff erhalten sollten. Wo der eigene Hausarzt kein entsprechendes Angebot schafft, müsse man sich an andere Praxen wenden.

Die Odyssee der Impfwilligen war damit noch lange nicht zu Ende. Welche Ärzte denn nun impfen und welche nicht, ist nirgendwo verzeichnet. Die Patientin hätte sich ans Telefon hängen müssen, gab sich dabei aber nicht sehr zuversichtlich. „Die anderen Ärzte haben ja ihre eigenen Patienten. So lange der Impfstoff knapp ist, werden sie diese wohl auch bevorzugen“, mutmaßt die Unnaerin.

Tatsächlich ist diese Konstellation schwierig. Eine Sprecherin des Landesgesundheitsministeriums bestätigt, dass das Impfzentrum in Unna richtig gehandelt habe, indem es die Dame zu den niedergelassenen Ärzten verwiesen habe. „Die Impfstrategie des Landes NRW ist so angelegt, dass die Impfzentren die Aufgabe haben, sich im Rahmen des Impfprozesses verstärkt auf Ältere und Berufsgruppen zu fokussieren“, heißt es in einer Stellungnahme. Und: „Mit der Einbindung der Hausarztpraxen in den Impfprozess seit Anfang April – mit zunächst begrenztem Impfstoff – sollen diese verstärkt chronisch Kranke im Rahmen der Impfpriorisierung beim Verimpfen in den Blick nehmen.“ Eine Empfehlung für den Fall, dass der eigene Hausarzt gar nicht impft, spricht das Ministerium nicht aus. Man gehe aber davon aus, dass den Arztpraxen in den kommenden Wochen mehr Impfstoff zur Verfügung gestellt würde.

Impfstoffmenge vervierfacht sich

Darauf setzt auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund. Die KVWL hat zwar keine Auflistung impfender Hausärzte, doch ihr Sprecher Andreas Daniel kann zumindest indirekt umreißen, wie groß der Anteil der Praxen mit entsprechendem Angebot ist: Drei Viertel der Praxen im Zuständigkeitsbereich der KVWL hätten Impfstoffe bestellt – was zugleich bedeutet, dass jeder vierte Hausarzt es noch nicht getan hat.

Andreas Daniel hofft, dass sich daran noch etwas ändert. Vielleicht habe die Impfstoffknappheit und die unsichere Lieferlage etwas mit dem Zögern der Mediziner zu tun. Dass die Impfstoffmenge in den kommenden Wochen zunehme, deckt sich auch mit den Informationen, die bei der KVWL vorliegen: In der vergangenen Woche seien bundesweit etwa eine Million Dosen ausgeliefert worden. Für diese Woche würden zwei Millionen erwartet und ab Mai drei bis vier Millionen Dosen pro Woche. Patienten rät er, ihren Arzt zu fragen, ob er vielleicht künftig doch noch in die Impfkampagne mit einsteigt, oder ob er sie zu einem Kollegen vermitteln kann. Die Aussichten, dort auch als Gastpatient behandelt zu werden, dürften mit besserer Impfstoffversorgung steigen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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