Ärztemangel für Suchtpatienten: Ärztevereinigung um Lösung für Unna bemüht

dzDrogenabhängige

Für Drogenabhängige gibt es Hoffnung, was die medizinische Versorgung angeht. Die zuständige Ärztevereinigung verspricht, gegen den Arztmangel vorzugehen. Ihr bleibt gar nichts anderes übrig.

Unna

, 15.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem ist durch eine Initiative des Süchtigen-Hilfsprojekts Lüsa in Unna an die Öffentlichkeit gelangt: Die wenigen Ärzte, die in nennenswertem Umfang Junkies betreuen, sind bald im Rentenalter. Bräche ein weiterer Mediziner weg, käme es zu einem akuten Versorgungsproblem, wie die Lüsa-Geschäftsführerin Anabela Dias de Oliveira besorgt erklärte.

Kassenärztliche Vereinigung muss Versorgung sicherstellen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat den gesetzlichen Auftrag, die medizinische Versorgung gesetzlich Versicherter sicherzustellen – damit auch die Betreuung Drogenabhängiger.

Regelmäßige Besuche beim Arzt sind zwingend notwendig für die so genannte Substitution: Die Klienten, die Lüsa betreut, aber auch andere müssen täglich Ersatzmittel bekommen, um trotz Abhängigkeit in relativ geregelten und legalen Verhältnissen leben zu können.

Der KV Westfalen-Lippe ist das Überalterungsproblem bekannt. Insbesondere unter den Hausärzten in Westfalen-Lippe seien viele über 60, sagt Ansgar von der Osten, bei der KV in Dortmund Geschäftsbereichsleiter Sicherstellungspolitik und Beratung. In der Gruppe der Mediziner, die sich auch um Substitution kümmern, sei das Problem noch stärker ausgeprägt. „Das ist nicht nur bei uns so. Das ist ein bundesweites Problem“, sagt von der Osten.

Schwierige Patienten

Er bestätigt eine Einschätzung von Lüsa-Chefin Dias, dass es für viele Ärzte nicht attraktiv erscheine, Drogenabhängige als Patienten aufzunehmen. Manche seien von anderen Patienten nicht zu unterscheiden, andere wiederum im Umgang schwierig.

Von der Osten erinnert daran, dass ein Arzt regelmäßig für diese Patientengruppe da sein muss. Ist die Vergabe der Substitionsmittel nicht anderweitig geregelt, müssen die Betroffenen sie täglich verabreicht bekommen, auch an Wochenenden.

Aufklärung soll Arztnachwuchs die Scheu nehmen

Es werde deswegen daran gearbeitet, den Ruf dieser Arbeit zu verbessern. „Da muss man aufklären“, so von der Osten. Es gehe unter anderem darum, deutlich zu machen, dass die Subtstitution nichts halb Legales sei und dass die Versorgung dieser Patienten auch nicht schlecht vergütet werde.

Er berichtet von einer Broschüre für potenziellen Medizinernachwuchs. Eine Arbeitsgruppe unter anderem mit Amtsapothekern sowie Vertretern der KV und des Gesundheitsministeriums arbeite an dieser Kampagne.

Vereinfachte Fortbildung

Außerdem soll es Ärzten erleichtert werden, drogenabhängige Patienten zu versorgen. Bisher müssen sie eine 50-stündige Weiterbildung absolvieren, um dann bis zu 50 Suchtpatienten versorgen zu dürfen. Ohne diese Zusatzqualifikation lag das Maximum früher bei drei Patienten. Inzwischen dürften es bis zu zehn sein. Zusätzlich gebe es neuerdings eine vereinfachte und verkürzte Fortbildung. Die Bewerbungsphase dafür laufe gerade, so von der Osten.

Lösung für ein Grundproblem gesucht: Freiwilligkeit

Der Weg zur Versorgung von Suchtpatienten wird also etwas weniger aufwendig. Es bleibt aber ein freiwilliger Weg. „Ja, Sie können niemanden dazu verdonnern“, bestätigt von der Osten. Auch die Verantwortlichen bei der Kassenärztlichen Vereinigung denken deswegen in eine ähnliche Richtung wie die Lüsa-Leiterin Dias. Sie hatte eine Ambulanz vorgeschlagen.

Es gebe für Unna zwei bis drei Optionen, die derzeit besprochen würden, verriet von der Osten. Weitere Details möchte er noch nicht öffentlich machen. Die Lösungen erforderten einen Prüfprozess, so von der Osten. „Aber die Chancen stehen gut.“

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