Ärger über Müll an vielen Stellen in Unna: Ein Corona-Phänomen?

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In den verschiedenen Lebenslagen hinterlassen Menschen Müll, wo er nicht hingehört. Dass hier und da auch Corona dahinter steckt, ist möglich. Vielleicht aber auch nicht.

Unna

, 25.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eines ist definitiv neu: Atemschutzmasken, die am Wegesrand verwittern. Diese Müllsorte war äußerst selten, als es die Maskenpflicht noch nicht gab, als es das Virus noch nicht gab und seine allgegenwärtigen Folgeerscheinungen. Der Eindruck, dass wegen Corona mehr Müll herumliegt als sonst, ist aber subjektiv. Abfall im Stadtbild ist ohnehin eine Momentaufnahme. Aber manchen fällt eben gerade wieder mehr auf.

Das ist vermutlich eine gezielte Provokation oder Ausdruck von Ignoranz oder Rebellion? Müll liegt direkt neben einem Mülleimer, aufgenommen am Ölckenthurm.

Das ist vermutlich eine gezielte Provokation oder Ausdruck von Ignoranz oder Rebellion? Müll liegt direkt neben einem Mülleimer, aufgenommen am Ölckenthurm. © Raulf

Pizzakartons und Becher direkt neben Mülltonne

Ein Paar, das unser Reporter kürzlich am Ölckenthurm traf, zeigte sich überzeugt, dass auch Corona dahinter steckt. Die Frau und der Mann wollten ihre Namen nicht öffentlich machen, wohl aber ihre Verärgerung. Regelmäßig nutzten sie die Bänke unterhalb der Eselsbrücke für eine Pause, ohne Alkohol, wie sie betonten. „Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Da ist doch ein Mülleimer“, sagte die Frau mit Blick auf Pizzakartons und Getränkebecher, die andere offenbar gezielt neben den Abfalleimer geworfen hatten. Langeweile, gepaart mit Frust wegen der Kontaktbeschränkungen und Feierverbote? Vermutlich seien es solche Auswirkungen der Corona-Pandemie, die die Leute zu diesem respektlosen Wegwerfen animierten, vermuten die beiden Zeugen.

Die kleinen öffentlichen Mülltonnen fassen keine größeren Abfallgebinde. So bleiben Tüten voller Unrat mitunter einfach daneben stehen, wie hier zwischen Burg-Spielplatz und Stadtgarten.

Die kleinen öffentlichen Mülltonnen fassen keine größeren Abfallgebinde. So bleiben Tüten voller Unrat mitunter einfach daneben stehen, wie hier zwischen Burg-Spielplatz und Stadtgarten.

Müll ein saisonales Problem

Es ist auch Sommer, und es sind Ferien. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass jetzt mehr junge Menschen mehr Freizeit zu verbringen haben als während regulärer Schulzeiten. Und so gab es auch in der Zeit vor Corona immer wieder Hinweise und Beschwerden wegen herumliegenden Mülls. „Wir bekommen in diesem Sommer bisher nicht mehr Beschwerden als sonst“, sagte Stadtsprecher Christoph Ueberfeld nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt. Wird Müll gemeldet, würden stets die Stadtbetriebe informiert mit der Bitte, ihn zu entsorgen. Mehr Sperrmüll am Servicehof hatten die Betriebe schon im Mai bestätigt, vermutlich als Folge von Corona-Zwangspausen, die die Menschen zum Renovieren und Entrümpeln veranlassten.

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Punktuell häufen sich die Hinweise Verärgerter, denn der Müll tut es auch. So sind gewisse Stellen im Stadtgebiet geradezu berüchtigt. An der Provinzialstraße, einem Abzweig von der B1 nach Massen, wurde schon öfter Müll illegal abgekippt. Auch eine Stelle in Mühlhausen am Sportplatz drohe zu einem Stammplatz für Nacht- und Nebelkipper zu werden, wie Ratsfrau Bärbel Risadelli mehrmals mit Bildern belegte. Inzwischen täglich schreibt Volker Viebahn aus dem Bornekamp die Stadt an. Immer wieder Pizzakartons und Flaschen, manchmal ordentlich aufgereiht für Leergutsammler, dokumentiert der Anwohner in seinen Lageberichten. Kartonberge an der Viktoriastraße sind auch hinlänglich als Problem bekannt.

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