Ärger über Fahrradkontrolle am Unnaer Ostring

dzVerboten, aber alternativlos

Fahrradfahren auf dem Gehweg ist bis zum achten Lebensjahr Pflicht, bis zum zehnten Lebensjahr erlaubt und danach verboten. Dass am Ostring generationsübergreifend gegen Verkehrsregeln verstoßen wird, ist allerdings gängige Praxis. Eine Kontrolle der Polizei dagegen sorgte nun für Diskussionen.

Unna

, 07.09.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sich der Bezirksbeamte der Polizei an der Kreuzung Wasserstraße/Ostring in Position begab, musste er auf die ersten Falschfahrer nicht lange warten. Eine Frau kämpfte sich die Steigung hoch – erstens auf dem Gehweg, zweitens gegen die Fahrtrichtung, wenn es denn eine geben würde. Dies war dem Beamten eine Ansprache wert und dürfte der Radlerin noch eine Geldstrafe einbringen. Die Aufnahme der Personalien war indes noch nicht abgeschlossen, als die nächste Radfahrerin in die Falle ging. Falschradeln auf dem Gehweg am Ostring ist kein Verstoß mit Seltenheitswert.

Die Rechtslage dazu ist eindeutig: Was die Frauen getan haben, ist verboten. Und was verboten ist, darf auch mal bestraft werden, erklärt Polizeisprecher Thomas Röwekamp. „Wir haben es uns auch auf die Fahnen geschrieben, die Sicherheit für Radfahrer zu stärken. Das geht natürlich auch mit Kontrollen einher.“ Doch die Kontrolle am Ostring bot auch Anlass zur Diskussion darüber. Es geht um die Frage, ob alles, was rechtens ist, auch richtig ist. Und es geht um die Mängel im Radwegeangebot der Stadt, die das Falschradeln nahezu alternativlos machen. „Klar darf die Polizei da kontrollieren“, erklärte ein nachdenklicher Angehöriger einer der beiden Frauen später bei einem Anruf in unserer Redaktion. „Aber man darf auch fragen, ob sie es muss.“

Tatsächlich ist die Radverkehrssituation am Stadtring überarbeitungswürdig, erklärt Rathaussprecher Oliver Böer. Und gerade die Situation am Ostring „dürfte dabei eine der herausforderndsten überhaupt“ sein. Die Bürgersteige links und rechts der Autofahrbahn sind tatsächlich den Fußgängern vorbehalten. Ein roter Fahrradstreifen von Iserlohner und Wasserstraße führt Radfahrer kurz hinter dem Aspersweg in den dreispurigen Autoverkehr. Wer auf diesem Wege in die Innenstadt oder zum Bahnhof will, muss von ganz rechts nach ganz links wechseln, um an der nächsten Ampel ins Burgviertel oder in den Stadtgarten zu gelangen. Dazwischen liegen 200 Meter Weg, auf dem dem Radler links und rechts die Autos um die Ohren zischen.

Der Optimierungsbedarf ist seit Langem bekannt. Auch das 2015 verabschiedete „Zielnetz 2025“ für den Radverkehr in Unna trassiert einen Radweg rund um die Innenstadt, der zwischen Aldi und dem Morgentor dem Stadtring folgen soll. Wie er ausgebaut wird, wann dies geschieht – das ist jedoch noch offen. Eine erste Evaluierung der Umsetzung sieht das Zielnetzkonzept erst 2020 vor.

Verwaltungsintern laufe gerade die Endabstimmung eines eigenen Radverkehrskonzeptes für die Innenstadt, lässt Verwaltungssprecher Böer einblicken. Darin soll auch die Frage behandelt werden, wie der Radfahrer am besten um die Fußgängerzone herumkommt. Was dies für den Ostring bedeutet, verrät das Rathaus noch nicht: Im Herbst soll das Konzept in die politische Beratung gegeben werden.

Derzeit führt die offizielle Wegeempfehlung hinter der Stadtmauer her. So müsste etwa ein Gymnasiast, der nach seinem Schultag am PGU zum Training ins Fitnesscenter an der Hertingerstraße radeln will, über die Kreuzung Morgenstraße/Ostring hinaus fahren, dann zur Voßkuhle hoch, an der Stadtkirche vorbei, den Ulrichswall hinab und schließlich wieder bergauf über die Josef-Ströthoff-Straße. Die Route ist tatsächlich ausgeschildert, wird sowohl vom digitalen Radroutenplaner NRW als auch im Fahrradmodus von Google-Maps angezeigt. Dennoch wirkt sie vor Ort eher versteckt, und der zusätzliche Anstieg zur Stadtkirche verringert den Fahrkomfort. Das Hellweg-Center als stark frequentiertes Ziel ist auf diesem Wege auch nicht zu erreichen.

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