Achtklässler lernen respektvollen Umgang im Netz

dzPeter-Weiss-Gesamtschule

Drei Tage lang beschäftigten sich 120 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 8 der Werner-von-Siemens-Gesamtschule mit Youtube, Instagram und Co. Sie lernten auch mit den Schattenseiten umzugehen.

Unna

, 19.12.2018, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Jetpack J“ ist für die Internetgemeinde eine Berühmtheit. Beim Smart Camp an der Peter-Weiss-Gesamtschule war Janina Gillmann, wie der Youtube-Star mit bürgerlichem Namen heißt, eine der Anleiterinnen, der die Jugendlichen fit fürs Internet machte. Dass sie dazu Kreide für die klassische Tafel brauchte und das Smartboard als Multifunktionswand verschmähte, hinderte die Achtklässler nicht daran, an ihren Lippen zu hängen.

Workshop über drei Tage

Drei Tage lang waren die Referenten an der Schule zu Gast, und nach einer allgemeinen Einführung für Eltern, Lehrer und Schüler konnten die Schülerinnen und Schüler zwei ganztätige Workshops ihres Interesses besuchen. Ob Youtube, Instagram, Smart Photography, Musikerzeugung mit digitalen Geräten oder Bloggen: „Fast jeder Schüler konnte an den Kursen teilnehmen, die seine erste Wahl gewesen waren“, freute sich Veronika Stumpf vom Start Camp, jeweils auf echtes Interesse zu stoßen.

Smart Camp ist ein Start-up-Unternehmen mit digitalem Bildungsprogramm, das deutschlandweit in Schulen geht und den Schwerpunkt auf respektvollen Umgang im Netz lege, erklärt Stumpf. „Wir machen das aber nicht mit dem erhobenen Zeigenfinger, sondern zeigen die einzelnen Gefahren auf“, erklärte sie.

Webcam besser zukleben

Eindrucksvoll deutlich wurde das bei Youtuberin „Jetpack J“. Begriffe pro und contra Social Media sollten die Achtklässler nennen - und die machten mit. Informationen, berufliche Nutzung, das Kennenlernen neuer Leute, Kontaktpflege und Unterhaltung waren die positiven Eigenschaften, die ihnen einfielen. Die Liste der negativen war deutlich länger: Hasskommentare, Cybermobbing, Datenleaks, Stalking, Datenmissbrauch, Urheberrechtsverstöße, Hacking, Pädophilie und die Catfishing genannte Vorspiegelung falscher Identitäten im Netz landeten an der Tafel.

Achtklässler lernen respektvollen Umgang im Netz

Janina Gillmann alias „Jetpack J“ erklärte den Jugendlichen nicht nur den praktischen Teil ihrer Arbeit und wie man Videos für Youtube erstellt, sie wies auch auf Vorsichtsmaßnahmen hin, die man beherzigen sollte. © UDO HENNES

Trotzdem gab die gesamte Klasse an, sich Profile in sozialen Netzwerken anlegen zu wollen. „Die Pros haben einfach mehr Gewicht“, erklärte ein Schüler. „Das sind Dinge, die passieren können, aber nicht passieren müssen“, sagte ein anderer. „Gegen die Contras kann man sich ja auch schützen“, argumentierte ein Mädchen.

Doch gerade das ginge nur mit erheblichem Misstrauen gegenüber allen und jedem im Netz, schärfte die Referentin ihren Schützlingen nachdrücklich mit Geschichten ein, die sie selbst erlebt oder zur Aufklärung durchgeführt hatte. „Ich selbst habe die Webcam am Rechner zugeklebt und nutze eine externe mit Kabel“, erklärte sie, wie man sich vor ungewollten Aufnahmen durch Hacker schützen könne.

Von Fotografie bis Urheberrecht

Um rechtliche Anforderungen wie Urheberrecht, das Verwenden von Texten und Bildern sowie Quellenangaben beim Bloggen ging es einen Raum weiter. Bei Irina Engelke ging es um Gefahren bei Instagram. „Oft zeigt man ungewollt und unbewusst viel zu viel von der eigenen Wohnung oder andere Leute im Hintergrund“, erklärte sie. Doch auch die praktischen Möglichkeiten der digitalen Welt fanden Raum: Das Erlernen musikalischer Grundkenntnisse ist auch elektronisch möglich. Und wie mit dem Handy gute Fotos gemacht werden können, zeigte Profi-Fotograf Stefan Klübert.

„Wir sind gespannt, welche Wirkung das auf die Schüler haben wird“, sagte Lehrerin Jennifer Lach. Im Rahmen des Projektes hatte es auch ein Eltern-Lehrer-Gespräch mit den Fachleuten gegeben, denn vor allem die Zeit, die die Jugendlichen am Smartphone verbringen, müsse reduziert werden. „Wenn es gut ankommt, wollen wir das Projekt dauerhaft an der Schule etablieren. Das könnte nämlich eine tolle Ergänzung zum bestehenden Angebot sein.“

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