Viele Bilder und Video: Abschluss der Giftsanierung in Massen-Nord - Straße bald frei

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Unnas größtes Altlastensanierungsprojekt nähert sich dem Abschluss. Bald blockiert es auch nicht mehr den Verkehr in Massen-Nord. Das Grundwasser muss aber weiterhin untersucht werden.

Unna

, 26.08.2020, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für einen Millionenbetrag wurde in den vergangenen zwei Jahren giftbelasteter Boden vom früheren Zechengelände in Massen-Nord entfernt. Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss.

„Die Quelle für eine erhebliche Belastung des Grundwassers ist jetzt beseitigt“, erklärte Kreis-Umweltdezernent Ludwig Holzbeck am Mittwoch in Massen. Die Ursprünge der Belastung liegen fast 100 Jahre zurück: Rückstände aus der Kokerei der Zeche Massen III/IV wurden bis 1925 auf der Fläche verklappt. Heute weiß man, dass diese Altlasten hoch problematisch sind. Einige der Giftstoffe gelten als krebserregend.

Video
Abschluss der Altlastensanierung in Massen

Kreis: Keine Gefahr für Menschen

Problematisch seien diese für Menschen im Umfeld aber nie gewesen, sagte Holzbeck. Die belasteten Erdschichten sind die Überreste eines zugeschütteten Klärteichs gewesen - in mehreren Metern Tiefe. Gutachter hätten bestätigt, dass es weder Ausgasungen noch Verwehungen gegeben habe.

Ablauf und Kennzahlen

Die Altlastensanierung „Massen III/IV“

  • Nach mehreren Jahren Vorplanung begann Phase 1 der Sanierung im Mai 2018. In der Fläche vor der Betriebshalle wurde mit mehreren 100 Bohrungen belasteter Boden ausgehoben.
  • Belastet war der Untergrund vor allem mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Landläufig Teeröl genannt, sind diese Stoffe ein typisches Abfallprodukt von Kokereien.
  • Phase 2 begann im Februar 2020 mit dem Abriss der Betriebshalle. In einer drei Meter tiefen Baugrube, die die Hälfte der Dortmunder Straße einschloss, wurden rund 500 Bohrungen mit zwei Metern Durchmesser gesetzt.
  • Aus einer Tiefe von bis zu sechs Metern wurden fast 23.000 Tonnen Erde entnommen. 2700 Tonnen waren stark PAK-belastet, der Rest geringer.
  • Die Baumaßnahme hat 6,5 Millionen Euro gekostet, wovon der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung den Löwenanteil übernimmt. Der Kreis Unna zahlt 760.000 Euro.

Der Auslöser für die Sanierung war vielmehr die Erkenntnis gewesen, dass durch den Klärteich das Grundwasser belastet wurde. Schadstoffhaltiges Wasser strömte nach Norden in Richtung eines Pumpwerks, wo es mit dem restlichen Grundwasser gehoben und letztlich zur Kläranlage geleitet wurde. Die Schadstoffe würden beim Klärvorgang unschädlich gemacht, so Holzbeck. Trotzdem sollte die Quelle des Übels nun endlich ausgemerzt werden.

Grundwasser wird weiter überwacht

Der giftbelastete Boden wurde nicht ausgebaggert, sondern mit einem Großbohrgerät quasi ausgestanzt. Das ausgebohrte Material wurde je nach Grad der Belastung zu Deponien gebracht. Analysen während der Bauphase hätten die Prognosen bestätigt, dass die Belastungen teils massiv waren.

Der Bodenaustausch ist nun erledigt, man vermutet aber noch immer belastetes Wasser in der Tiefe zwischen der Sanierungsfläche und dem Pumpwerk. Das Grundwasser soll nun weiter analysiert werden, vermutlich noch für einige Jahre, da es sehr langsam fließt. Die Untersuchungen sollen ergeben, ob eventuell weitere Sanierungsmaßnahmen zwischen Schrottplatzfläche und Pumpwerk nötig werden.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Abschluss der Sanierung von Massen III/IV

Ein Jahrhundertprojekt geht zu Ende: An der Dortmunder Straße wurden in den vergangenen zwei Jahren Tausende Tonnen belasteter Boden entfernt.
26.08.2020
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Um diese Fläche geht es: Unter dem Schrottbetrieb an der Dortmunder Straße und unter der Straße selbst lagen giftige Rückstände aus längst vergangenen Bergbauzeiten in der Tiefe. © www.blossey.eu
Die Vorplanungen dauerten mehrere Jahre. © Marcel Drawe
Ab Mai 2018 wurde zunächst neben der Betriebshalle der Autoverwertungsfirma gearbeitet. © Marcel Drawe
Die wichtigste Maschine war dieser über 100 Tonnen schwere Bohrer. Damit wurde Loch für Loch der belastete Untergrund ausgebohrt.© Marcel Drawe
Zwischendurch wurde immer wieder gemessen, ob Schadstoffe in die Umwelt entwichen. Das gilt aber als ausgeschlossen.© Marcel Drawe
Dennoch trugen die Arbeiter zur Sicherheit Schutzanzüge, wenn sie direkt an den Bohrlöchern tätig waren.© Marcel Drawe
Der Bohrer hatte einen Durchmesser von zwei Metern. Er förderte mehrere Tausend Tonnen Erde zutage.© Marcel Drawe
Die Baustelle nahm zunächst nur einen Teil des Betriebsgeländes in Anspruch. In Phase 2 wurden dann die lange Halle und die Straße abgetragen.© Roman Grzelak
Federführend waren der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung AAV und der Kreis Unna. Das Bild zeigt Projektleiter Dr. Michael Gass (AAV) und Ludwig Holzbeck, Umweltdezernent beim Kreis Unna.© Udo Hennes
Aktuell wird die Fläche wiederhergestellt. Bald kann der Schrottbetrieb sich dort wieder ausdehnen.© Udo Hennes
Die Firma wurde durch das Sanierungsprojekt erheblich eingeschränkt.© Udo Hennes
Die Abschlussarbeiten sollen bis Ende September erledigt sein.© Udo Hennes
Die jetzt giftfreie Fläche ist bereits komplett neu verfüllt. © Udo Hennes
Sie wird nun geschottert und letztlich asphaltiert.© Udo Hennes
Die Arbeiten haben dann insgesamt etwas mehr als zwei Jahre gedauert.© Udo Hennes
Die Dortmunder Straße war im Frühjahr 2020 gesperrt worden. © Marcel Drawe
Die unterirdische Giftbelastung erstrecke sich bis zur Hälfte der Straße, aber laut Gutachten nicht darüber hinaus.© Udo Hennes
Die Straße soll ab Ende September wieder normal befahrbar sein.© Udo Hennes

Gewerbefläche und Straße bald wiederhergestellt

Die Baufirma, die das Projekt planmäßig und ohne Komplikationen über die Bühne gebracht hat, hinterlässt nun eine giftfreie Fläche, die geschottert und asphaltiert wird. Die Autoverwertungsfirma, die ihren Betrieb erheblich einschränken musste und eine 100 Meter lange Firmenhalle verlor, kann sich in Kürze wieder ausbreiten.

Die seit Ostern dieses Jahres gesperrte Dortmunder Straße soll ab Ende September wieder befahrbar sein.

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