Abschiednehmen in Zeiten von Corona: Hospiz in Unna bietet individuelle Erinnerungsfeiern

dzHeilig-Geist-Hospiz

Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen, ist immer schwer. Die Beschränkungen durch Corona machen es nicht leichter. Im Heilig-Geist-Hospiz hat man einen besonderen Weg gefunden.

Unna

, 30.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kleine Holzscheiben, auf denen ein Name und ein Datum steht: Mit ihnen erinnert das Heilig-Geist-Hospiz an jeden Gast, der dort verstorben ist. Zusammen bilden die Holzscheiben die Erinnerungswand im Eingangsbereich des Hospizes. Jeder, der das Hospiz betritt, sieht die Holzscheiben und die Namen der Menschen, die hier an der Klosterstraße ihre letzten Wochen oder Monate verbrachten. Sie bleiben in Erinnerung - und genau das soll auch trotz Corona so bleiben. Dafür hat sich das Hospiz-Team eine schöne Aktion ausgedacht.

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Die Heilig-Geist-Hospiz-Stiftung

  • Seit dem Jahr 2017 hat Unna ein Hospiz. Die Heilig-Geist-Hospizstiftung Unna hat dafür die Grundlagen geschaffen. Viele Menschen spendeten der Stiftung Geld und ermöglichten so den Bau des Hospizes. Doch auch weiterhin ist das Hospiz auf Spenden für den laufenden Betrieb angewiesen.
  • Wer die Arbeit des Hospizes unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende tun: Sparkasse UnnaKamen, IBAN: DE85443500600000133991, BIC: WELADED1UNN

„Normalerweise machen wir alle drei Monate eine Erinnerungsfeier, zu der wir die Angehörigen der in diesem Zeitraum verstorbenen Gäste einladen“, sagt Sozialarbeiterin Mareike Sorgatz. Die Seelsorger gestalten die Feier, ein Chor singt, es wird Musik gespielt und die Angehörigen und Hospiz-Mitarbeiter gedenken gemeinsam derer, die im Hospiz in den vergangenen Monaten gestorben sind. „Durch Corona geht das zur Zeit jedoch nicht, wir können nicht viele Besucher hereinlassen“, sagt Hospizleiterin Marion Eichhorn.

Also überlegten die Mitarbeiter zusammen mit den Seelsorgern, wie sie die Erinnerung an die Hospiz-Gäste trotzdem aufrecht erhalten und den Angehörigen eine würdevolle Möglichkeit zum Abschiednehmen geben können. Herausgekommen sind ganz individuelle Karten, die die Angehörigen der Verstorbenen dazu einlädt, ihre ganz persönliche Gedenkfeier im Hospiz mitzugestalten.

Karten wie diese hat das Hospiz-Team an die Angehörigen der Gäste geschickt, die während des Frühjahrs und damit zur Hochphase der Corona-Pandemie im Hospiz verstarben. Gestaltet waren die Karten ganz individuell: Als Motiv diente ein Fotos der Holzscheibe, mit der an der Erinnerungswand im Hospiz an den jeweiligen Gast erinnert wird. Die Fotos machte ein ehrenamtlicher Fotograf.

Karten wie diese hat das Hospiz-Team an die Angehörigen der Gäste geschickt, die während des Frühjahrs und damit zur Hochphase der Corona-Pandemie im Hospiz verstarben. Gestaltet waren die Karten ganz individuell: Als Motiv diente ein Fotos der Holzscheibe, mit der an der Erinnerungswand im Hospiz an den jeweiligen Gast erinnert wird. Die Fotos machte ein ehrenamtlicher Fotograf. © Anna Gemünd

„Das wird sehr gut angenommen; vielen Menschen ist es ein Bedürfnis, in diesem kleinen Rahmen Abschied zu nehmen. Es ist nochmal etwas anderes als die Beerdigung. Hier reden wir ganz intensiv miteinander - wenn die Menschen das möchten“, sagt Marion Eichhorn.

Im „Raum der Stille“ finden die persönlichen Erinnerungsfeiern statt, zu der das Hospiz die Angehörigen individuell einlädt. Das Angebot wird von vielen Angehörigen wahrgenommen.

Im „Raum der Stille“ finden die persönlichen Erinnerungsfeiern statt, zu der das Hospiz die Angehörigen individuell einlädt. Das Angebot wird von vielen Angehörigen wahrgenommen. © Marcel Drawe

Die persönlichen Erinnerungsfeiern werden jeweils nur für einen verstorbenen Gast organisiert - das ist den geltenden Abstandsregeln geschuldet, verändert aber auch den Charakter der Erinnerungsfeiern. „Man weiß vorher nicht, was einen erwartet, weil es keinen festen Ablauf gibt wie bei den Feiern vor Corona. Es ist definitiv viel intensiver, weil sich sehr oft noch lange Gespräche mit den Angehörigen ergeben: Über die Zeit des Gastes bei uns, die Zeit davor oder auch danach“, schildert Mareike Sorgatz ihre Erfahrungen.

Die „Erinnerungswand“ im Eingangsbereich des Hospizes zierte die Karten an die Angehörigen. Die Wand besteht aus Holzscheiben, auf denen die Namen und der Todestag der verstorbenen Hospizgäste geschrieben sind.

Die „Erinnerungswand“ im Eingangsbereich des Hospizes zierte die Karten an die Angehörigen. Die Wand besteht aus Holzscheiben, auf denen die Namen und der Todestag der verstorbenen Hospizgäste geschrieben sind. © Anna Gemünd

Für die nächste Zeit wird das Hospiz diese Art der Erinnerungsfeiern weiter anbieten. „Keiner weiß ja, wie lange uns Corona noch auf diese Weise begleitet und wir wieder normale Veranstaltungen bei uns machen können.“ Die Erinnerung an die Hospiz-Gäste wird trotzdem bleiben.

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