Abriss: Kessebüren droht eine weitere Brücke über die Bahn zu verlieren

dzVerkehr

Die Brücke über die Bahngleise an der Kessebürener Landwehr kommt ein Jahr später als gedacht – und jetzt steht auch noch eine weitere Brücke in Kessebüren zur Diskussion.

Kessebüren

, 07.07.2020, 12:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kessebüren und die Brücken über die Bahn: Irgendwie scheint das eine unendliche Geschichte zu sein. Noch bevor mit dem Bau einer neuen Brücke an der Kessebürener Landwehr überhaupt begonnen wurde, steht nun eine weitere Brücke über die Gleise in der Diskussion, die abgerissen werden könnte.

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Eigentlich sollte es am Montagabend in einer Infoveranstaltung nur darum gehen, dass die Anwohner der Kessebürener Landwehr erfahren, warum „ihre“ Brücke nun doch nicht in diesem Jahr mehr gebaut wird. Doch das war schnell erklärt: Weil sich das entsprechende Bundesgesetz geändert hat, müssen die Pläne zum Bau der Brücke noch einmal das bürokratische Verfahren durchlaufen, das eigentlich im Mai hätte abgeschlossen sein können.

Die Kessebürener Landwehr ist seit neun Jahren eine Sackgasse. Die Bürger Kessebürens, die hier wohnen, kommen nur über Frömern oder die Hubert-Biernat-Straße zu ihren Häusern.

Die Kessebürener Landwehr ist seit neun Jahren eine Sackgasse. Die Bürger Kessebürens, die hier wohnen, kommen nur über Frömern zu ihren Häusern. © Anna Gemünd

Brücke kommt ein Jahr später als gedacht

„Das ist ärgerlich, dass wir nun dadurch eine Verzögerung reinbekommen, aber wir haben alles vorbereitet und können, sobald die Bahn grünes Licht gibt, loslegen“, machte der Technische Beigeordnete Jens Toschläger den Anwohnern der Kessebürener Landwehr Hoffnung, dass die Brücke damit nicht vom Tisch sei. „Im Gegenteil, die Brücke wird definitiv kommen und sie wird die Stadt durch die Gesetzesänderung nichts kosten“, betonte Toschläger. Eine zeitliche Verzögerung von gut einem Jahr, so schätzt der Technische Beigeordnete, bedeutet die Gesetzesänderung für den Bau der Brücke. Im Frühjahr 2021 könnte mit dem Bau begonnen werden.

Toschläger betonte, dass es sich bei der Brücke nicht um einen Ersatz für die 2011 abgerissene Brücke handele, sondern um Ersatz für zwei seitdem geschlossene Bahnübergänge im Bereich Kessebüren und Frömern.

Der Bahnübergang südlich der ehemaligen Brücke über die Kessebürener Landwehr ist seit einem tödlichen Unfall 2012 gesperrt.

Der Bahnübergang südlich der ehemaligen Brücke über die Kessebürener Landwehr ist seit einem tödlichen Unfall 2012 gesperrt. © Anna Gemünd

„Weil die beiden Bahnübergänge aus Sicherheitsgründen geschlossen wurden, besteht die Notwendigkeit, eine Querung der Gleise zu ermöglichen. Deswegen kann diese Brücke gebaut werden, ohne dass die Stadt Unna dafür die Kosten tragen muss.“

Fußgängerbrücke wäre „Dauerbaustelle“

„Die Brücke wäre in den kommenden Jahren eine Dauerbaustelle, weil ständig an ihr gearbeitet werden müsste, um sie verkehrssicher zu halten.“
Jens Toschläger, Technischer Beigeordneter, über die Fußgängerbrücke am Loerweg

Anders sieht das bei einer anderen Brücke etwas weiter nördlich aus: Was denn mit der Fußgängerbrücke am Loerweg sei, wollte ein Bürger wissen – und bekam eine Antwort, die vielen Spaziergängern und Radfahrern nicht gefallen dürfte. „Die Brücke hat bei der letzten Begutachtung eine schlechte Note bekommen“, räumte Jens Toschläger ein, „da muss definitiv etwas getan werden. Die Brücke wäre in den kommenden Jahren eine Dauerbaustelle, weil ständig an ihr gearbeitet werden müsste, um sie verkehrssicher zu halten.“ Ein Abriss wäre momentan günstiger.

Die Fußgängerbrücke am Loerweg ist marode - momentan wäre ein Abriss die kostengünstigste Variante für die Stadt.

Die Fußgängerbrücke am Loerweg ist marode - momentan wäre ein Abriss die kostengünstigste Variante für die Stadt. © Anna Gemünd

Eine weitere Verbindung über die Bahngleise gekappt – für Kessebüren wäre das ein schwerer Schlag. Täglich nutzen zahlreiche Anwohner die schmale Brücke, um dort spazieren zu gehen oder ihre Hunde auszuführen. Für den motorisierten Verkehr ist die Brücke bereits seit einiger Zeit gesperrt – genau wie bei der Brücke an der Landwehr bestand die Sorge, dass die 1898 gebaute Brücke diese Lasten nicht mehr tragen könne. Stahlzäune verengen die Brücke seitdem so, dass nur noch Fußgänger und Radfahrer sie passieren können.

Beliebtes Naherholungsgebiet

Für Kessebürens Ortsvorsteher Gerd Heckmann ist die Brücke mehr als „nur“ eine Querung der Gleise: „Damit wird unser Naherholungsgebiet hier erschlossen. Es kommen sehr viele Menschen hier her, um hier eine große Runde spazieren zu gehen. Das geht aber nur mit der Brücke.“ Seine Sorge: Wird die Brücke abgerissen, setzen sich die Leute ins Auto und fahren woanders hin, um spazieren zu gehen. „Das kann auch nicht im Sinne der Naherholung und des Umweltschutzes sein.“

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