Die Mühle Bremme ist verschwunden und gibt freie Sicht auf ein vergessenes Kleinod

dzBauen in Unna

Wirklich schön war sie nicht, aber doch markant und prägend für den Norden der Unnaer Innenstadt. Nun ist die Mühle Bremme endlich abgerissen. Und manche Passanten reiben sich die Augen.

Unna

, 21.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Abbruch der Mühle Bremme ist abgeschlossen. Das bestätigt nun auch der Entwickler Ten Brinke, der auf dem Grundstück der alten Getreidefabrik ein Einkaufszentrum errichten will. Ein Gebäude bleibt jedoch stehen. Und manche Passanten dürften erst jetzt davon erfahren, dass es dieses Bauwerk überhaupt gibt.

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Die denkmalgeschützte Villa der früheren Mühleneigner wird ihren Platz in Unna behalten. Ihrem Abbruchunternehmer hatte Investor Ten Brinke besondere Vorsichtsmaßnahmen dafür aufgegeben, damit das erkennbar sanierungsbedürftige Haus nicht weiter beschädigt wird. Und diese Vorgabe konnte das Unternehmen einhalten. „Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Auftragnehmers. Sowohl die alte Villa als auch die Post sind unbeschädigt geblieben“, erklärt Ten-Brinke-Projektleiter Ulf Silkens.

Vor ein paar Wochen noch schien es, als wolle die Mühle Bremme trotz kontinuierlicher Abbrucharbeiten einfach nicht kleiner werden. Sie war mit Abstand das wuchtigste Gebäude in der Innenstadt.

Vor ein paar Wochen noch schien es, als wolle die Mühle Bremme trotz kontinuierlicher Abbrucharbeiten einfach nicht kleiner werden. Sie war mit Abstand das wuchtigste Gebäude in der Innenstadt. © Marcel Drawe

Jetzt ist der Abriss beendet. Aus dieser Perspektive von der Tunnelstiege aus gesehen wirkt die Villa als einzig erhaltenes Gebäude reichlich verloren. Dabei ist sie durchaus ein großzügiges Bauwerk.

Jetzt ist der Abriss beendet. Aus dieser Perspektive von der Tunnelstiege aus gesehen wirkt die Villa als einzig erhaltenes Gebäude reichlich verloren. Dabei ist sie durchaus ein großzügiges Bauwerk. © Sebastian Smulka

Dabei waren auf dem Mühlengelände enorme Kräfte zum Einsatz gekommen und freigesetzt worden. Die Mühle Bremme war ein gigantischer Baukörper von zäher Widerstandsfähigkeit, mussten doch einst erhebliche Lasten getragen werden. Mahlwerke, Antriebe, Abfüllanlagen und natürlich Tonnen von Getreide, die in Unna zu Mehl gemahlen wurden, wurden von einem wuchtigen Block aus dickem Mauerwerk und Stahlträgern gehalten. Drei Schwerlastaufzüge steckten in der Mehlfabrik.

Bauschutt würde über 20 Schwimmbecken füllen

Entwickler Ulf Silkens rechnet aus, das beim Abbruch 18.000 Kubikmeter Material abgefallen sind. Mit den Schuttbergen, die zurzeit noch auf dem Gelände liegen, ließen sich gut 20 Schwimmbecken der Größe zuschütten, wie die Unnaer sie aus dem Bornekampbad oder der Schwimmsporthalle kennen.

Ten Brinke wird einen Teil davon Wiederverwenden, um das Gelände zu formen, wenn im September die Aufbauarbeiten für das neue Einkaufszentrum beginnen. Vieles muss aber auch noch abgefahren werden.

Derzeit liege das Projekt voll im Zeitplan, erklärt Entwickler Ulf Silkens. Im Frühling 2022 soll das Einkaufszentrum fertig sein. Ein großer Edeka-Markt, die Drogerie Rossmann, die Sportstudio-Kette „FitX“ und der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe sind derzeit als Hauptnutzer bekannt.

Eine Vorstellung davon, wie das Einkaufszentrum ab 2022 aussehen könnte, vermittelt bereits seit vielen Monaten diese Grafik des Unnaer Architekturbüros Deterding. Zu sehen ist hier die Ansicht aus der Blickrichtung vom Bahnhof. Links zu erahnen ist die historische Post, rechts die Mühlenvilla.

Eine Vorstellung davon, wie das Einkaufszentrum ab 2022 aussehen könnte, vermittelt bereits seit vielen Monaten diese Grafik des Unnaer Architekturbüros Deterding. Zu sehen ist hier die Ansicht aus der Blickrichtung vom Bahnhof. Links zu erahnen ist die historische Post, rechts die Mühlenvilla. © Architekturbüro Deterding

Dass das Bauvorhaben den Norden der Innenstadt prägen wird, war von Anfang an klar. Ein großes und dominantes, aber seit Jahrzehnten nur eingeschränkt genutztes Bauwerk ist aus Unna verschwunden und schafft nun Platz für ein Einkaufszentrum, das diesen Teil der Stadt mit einer ganz anderen Architektur prägen und mit seinen Angeboten auch Menschen anziehen soll.

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Mühle Bremme verschwindet immer weiter

Ein Motiv im Wandel - wie sich der Blick auf Post und Mühle Bremme verändert, als Fotoserie festgehalten vom immer gleichen Gullideckel aus.
28.05.2020
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Es ist nicht leicht auszumachen, wie lange die Unnaer beim Blick auf Post, Mühle Bremme und Königsborner Tor dieses Bild geboten bekommen haben. Sehr lange, das dürfte zumindest keine ganz verkehrte Antwort sein. Ab November 2019 kamen die Veränderungen dann aber ganz schnell. © Sebastian Smulka
Wir sehen die Bürofront der Mühle Bremme. Aber fehlt da nicht etwas? Genau: Die alte Blutbuche an der Post war kurz vom Weihnachtsmarkt 2019 gefällt worden. Ein anerkanntes und offiziell geschütztes Naturdenkmal verschwand aus dem Stadtbild. Der Baum litt an der Buchenkomplexkrankheit, hätte auseinanderbrechen und Menschen gefährden können. © Sebastian Smulka
Jetzt fehlen noch zwei Kastanien, die weiter unten am Königsborner Tor gestanden haben, aber darum geht es nicht in diesem Bild. Wer findet den Fehler? Und: Wo ist eigentlich der Mühlenturm geblieben? © Sebastian Smulka
Nachdem sich die Arbeiter mit ihren Baggern von hinten nach vorn durchs Gebäude geknabbert haben, sieht jetzt auch der Ortsunkundige schon von der Bahnhofstraße aus, dass nicht nur der Mühlenturm fehlt, sondern auch die Bürofront fällt. Was werden die nächsten Folgen dieser Bilderserie sein? Ab Juni vielleicht erst einmal eine große Lücke, die aber auch den Blick auf die zurzeit noch verdeckten Mühlenvilla freigibt. Später irgendwann: Ein neues Einkaufscenter.© Sebastian Smulka
Der nächste Schritt ist plangemäß im Juli erreicht: Alle Altgebäude sind abgerissen - bis auf die denkmalgeschützte Villa, die erhalten bleiben soll. Dieses Foto ist am 20. Juli aufgenommen worden. © Sebastian Smulka

Was aus der Villa wird, ist derzeit nur grob abzuschätzen. Ihr Erhalt ist gesetzt, die künftige Nutzung aber noch offen. Gebäudestruktur und Lage könnten einer Arztpraxis, einer Anwaltskanzlei oder einem anderen Bürobetrieb mit überschaubarem Flächenbedarf eine charmante Wirkungsstätte bieten. Allerdings sollte das Haus dringend einmal grundhaft saniert werden. Entwickler Ten Brinke steht nach eigenem Bekunden in Kontakt mit mehreren Interessenten, wobei Vermietung und Verkauf denkbar sind.

Entstanden ist die Villa vermutlich um 1880. Sie war eines der letzten Gebäude auf der Liegenschaft, das vor dem Verkauf noch genutzt wurde: Mühlenerbe Hartwig Schulz betrieb darin seine Anwaltskanzlei.

Vielen Unnaern dürfte das Gebäude dennoch unbekannt gewesen sein: Gut zu sehen war es allein von den Bahnsteigen des Bahnhofs aus, während die Sicht von der Bahnhofstraße aus durch Bäume und den Bürokomplex der Mühle versperrt war.

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