Abgebrochener Ast sorgt für Ängste und viele Fragen

dzStraßenbäume

Es ging glimpflich aus: Als am Montag ein riesiger Ast aus einer Kastanie herausbrach, traf er „nur“ ein Auto. Menschen hätten sterben können, hätten sie sich unter dem Baum aufgehalten.

Unna

, 14.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Unglück, das für Ängste und viele Fragen sorgte: Als ein riesiger Ast am Montag laut krachend aus einer Kastanie stürzte, landete er auf einem Mercedes. Von dem Auto blieb nicht viel übrig – das zeigt, wie schwer der Baumteil gewesen sein muss. Gewogen wurde er nicht, sondern geschreddert und abtransportiert. Was bleibt, sind Fragen, auf die es nur teilweise befriedigende Antworten gibt.

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Ist die Kastanie krank?

Der 110 Jahre alte Baum ist offenbar nicht krank. Der Ast und die Zweige, die aus der Krone stürzten, waren normal belaubt. Die Blätter waren noch hellgrün. In früheren Jahren hatten sich die Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße oft schon viel zu früh verfärbt und ihr Laub abgeworfen – bedingt auch durch die Rosskastanien-Miniermotte. Das trifft im aktuellen Fall nicht zu.

Wie konnte es dann zu dem Astbruch kommen?

Ralf Calovini, Baumexperte bei den Unnaer Stadtbetrieben, verweist darauf, dass die alten Bäume in ihren Kronen mehr Wasser verdunsten als sie mit ihren Wurzeln aus der Erde ziehen können. Diese Diskrepanz führt offenbar dazu, dass Bäume einen Teil ihres Laubes abwerfen – schon zum wiederholten Male ist das in Unna durch einen massiven Astbruch geschehen.

Sind Straßen und Gehwege also der Grund?

Jein. Fakt ist, dass die zunehmende Flächenversiegelung den Bäumen schadet. Wenn Regenwasser über Straßen und Gehwege in Abwasserkanäle fließt, fehlt es den Bäumen. Allerdings sind die Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße teilweise über 110 Jahre alt. Ihre Wurzeln erstrecken sich nicht nur unter der Straße, sondern auch unter den Gärten und Wohnhäusern. Trotzdem lässt die Stadt Unna Bäumen bei Neupflanzungen inzwischen mehr Platz.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Die häufigeren trockenen Sommer und zum Teil auch Winter sind für Kastanien eine große Herausforderung. „Kastanien leiden unter der Trockenheit besonders, eine Eiche steckt das ganz anders weg“, hatte Calovini schon vor fast einem Jahr im Gespräch mit dieser Redaktion geklärt. Die Frage, ob gefällte Bäume wie bislang durch Artgenossen ersetzt oder andere Baumarten gewählt werden sollen, wird ganz sicher wieder aufkommen.

Werden die Bäume nicht kontrolliert?

Doch. Unnas Stadtsprecher Christoph Ueberfeld verweist, dass die jüngste Baumschau durch ein externes Fachunternehmen erst im Juni erfolgt sei. Dabei sei auch die jetzt betroffene Kastanie überprüft worden. Es habe keine Auffälligkeiten gegeben.

Ist ein vorsorgliches Fällen der Kastanien denkbar?

Das ist kein realistisches Szenario. Die Stadt Unna hat ein prophylaktisches Fällen von Bäumen stets ausgeschlossen. Solange das möglich ist, werden Kronen durch die Stadtbetriebe gesichert, Bäume entsprechend beschnitten. Ein weiteres Problem: Die alten Bäume sind als grüne Lunge für das Stadtklima von Bedeutung. Sie lassen Temperaturen sinken und produzieren durch Photosynthese viel Sauerstoff. Bäume, die als Ersatz gepflanzt würden, wären zu solchen Leistungen noch lange nicht fähig und würden viel Energie in ihr Wachstum stecken müssen.

Denkt die Stadt nicht an die Sicherheit?

Doch. Schon in der Vergangenheit wurden Bäume gefällt, weil sie teilweise morsch waren und so zur Gefahr wurden. Die Stadt Unna hat auf ihren Flächen im öffentlichen Raum eine Verkehrssicherungspflicht.

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