Mit Kettensäge, Hebeln und Kran: Zwei Höllenhunde vom Kirchturm abgebaut

dzMit Video und Bildergalerie

Zwei weitere Höllenhunde sind zu Boden gegangen. Beim Abbau von der Stadtkirche verlor einer der Wasserspeier ein Ohr. Die Arbeiten waren gar nicht so einfach, wie unser Video zeigt.

Unna

, 20.08.2019, 13:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Etwa zwei Stunden brauchten die Steinmetze am Dienstag, um den nordwestlichen Wasserspeier vom Kirchturm abzusägen. Alle dekorativen Aufbauten auf dem Kirchturm werden wie berichtet in diesen Tagen abmontiert – die schon komplett entfernte Brüstung, die Fialen von den Ecken und die wie Hundemonster geformten Wasserspeier. Sie werden am Boden aufgearbeitet und später wieder an ihre alten Standorte zurückgesetzt.

Video
Abbau eines Höllenhunds vom Turm der Stadtkirche

Operation am Ohr nötig

Fest steht schon jetzt: Der Höllenhund, der bisher aus luftiger Höhe in Richtung Kamen/Massen blickte, muss am Ohr operiert werden. Im Zuge des aufwendigen Abbaus brach eines seiner Ohren ab. Dieser Wasserspeier saß an der Turmecke, von der beim Sturm im Januar 2018 die Fiale abgebrochen war. Am Dienstag entfernten Steinmetze zunächst den noch verbliebenen Sockel der Fiale. Diese steinernen Eckspitzen haben dekorativen Zweck, sie dienen aber auch als Gewichte. Sie lasten auf den Sockeln der Wasserspeier, damit diese nicht Übergewicht bekommen.

Mit Kettensäge, Hebeln und Kran: Zwei Höllenhunde vom Kirchturm abgebaut

Vor allem mit einer wassergekühlten Spezialsäge trennten die Steinmetze den Wasserspeier von seinem Sockel. Das Baugerüst war zuvor schon umgebaut worden, um den Höllenhund notfalls abzufangen. © Raulf

Hund hielt sich zunächst gut fest

Auch ohne dieses Gegengewicht hielt der Hund sich am Dienstag aber zunächst noch gut fest an seiner Stadtkirche. Mit einer wassergekühlten Spezial-Kettensäge trennten die Steinmetze den rund 160 Jahre alten Ruhrsandstein durch. Nach und nach lösten sie auf diese Weise die Verankerung. Zwischenzeitlich legten sie dem Hund, dessen Nase übrigens an die eines Schweins erinnert, schon Gurte um. Sie wurden mit dem Kranhaken gehalten, um das Gewicht des Steins abzufangen. 800 Kilogramm, eine Tonne, noch einmal 200 Kilogramm mehr – immer stärker zog der Kran den Wasserspeier nach oben. Der Kranfahrer am Boden auf dem Kirchplatz steuerte das Großgerät exakt nach den Anweisungen, die er über Funk von der Baustelle 40 Meter über seinem Kopf erhielt. In den gesägten Spalt steckten die Steinmetze lange Stemmeisen, um mit Hebelkraft nachzuhelfen. Lautes Knacken verriet, dass der Hund Stück für Stück nachgab.

Architekt: „Die richtige Entscheidung“

Während der Arbeiten zeigten sich mehrfach Risse im Lagerstein, also in dem Klotz, der den Hund sicher halten soll. „Es war genau die richtige Entscheidung, den abzunehmen“, kommentierte Christoph Schulte. Der Architekt des Kirchenkreises begutachtete gemeinsam mit Bauleiter Eberhard Tiemann die Steinmetzarbeiten hoch oben auf dem Baugerüst.

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Bildergalerie

Ein Höllenhund wird vom Kirchturm abgebaut

Hebel- und Zugkraft, Erfahrung und Geduld: Das ist nötig, um einen Höllenhund aus dem 19. Jahrhundert vom Kirchturm zu entfernen.
20.08.2019
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Die Steinmetze setzen eine Spezialsäge ein, um den Sandstein zu durchtrennen.© Raulf
Beim Sägen wird zur Kühlung viel Wasser eingesetzt. So konnte der Höllenhund Flüssigkeit speien, was ja eigentlich einmal seine Funktion sein sollte.© Raulf
Fachgespräch unter Architekten: Bauleiter Eberhard Tiemann beriet sich während der Abbauarbeiten mit Christoph Schulte vom Kirchenkreis.© Raulf
Und irgendwann schwebte der Hund schließlich. Am Haken des 100-Tonnen-Krans wurde der Wasserspeier sicher zu Boden gelassen.© Raulf
Dort nahmen weitere Steinmetze ihn in Empfang.© Marcel Drawe
Eine Porträtaufnahme zeigt, dass jeder der vier Höllenhunde ein anderes Gesicht hat. © Marcel Drawe
Dies ist das Monster von der Südwestecke, das schon im April abmontiert worden war.© Marcel Drawe

Stahl von einer jüngeren Sanierung

Schließlich schwenkte der marode Höllenhund merklich hin und her. Doch es hielt ihn nicht nur der Gurt am Kranhaken. „Die Nadel müssen wir noch durchsägen“, sagte Architekt und Steinmetzmeister Tiemann. Er meinte eine sechs bis acht Millimeter starke Stange aus Edelstahl, die den Wasserspeier noch am Sockel festhielt. Das Material ist für die Fachleute eindeutiges Zeichen dafür, dass das Metall von einer jüngeren Sanierungsaktion am Kirchturm stammt, womöglich von einem Projekt im Jahr 2006. Metallanker aus dem 19. Jahrhundert, der Zeit, in der die Hunde überhaupt ihre Plätze eingenommen hatten, wären aus Kupfer.

Schrecksekunde: Gerüst wackelt

Die Fuchsschwanz-Säge erledigte diese letzte, widerspenstige Edelstahlstange und plötzlich schwang der lose Höllenhund ein Stück nach vorne. Beobachter erlebten eine Schrecksekunde: Das tonnenschwere Tier rammte eine Stange des Baugerüsts. Das Gerüst erbebte. Ein Monster-Ohr brach ab. Dann hob der 100-Tonnen-Kran das befreite Steintier aus dem Baugerüst, um es sachte am Boden abzusetzen.

Mit Kettensäge, Hebeln und Kran: Zwei Höllenhunde vom Kirchturm abgebaut

Am Boden des Kirchplatzes wurde das Steinmonster sachte abgelegt. © Marcel Drawe

Aufbau wie Puzzleteile

Zügig nach dem ersten Höllenhund wurde am Dienstagnachmittag auch noch das benachbarte Monster an der nordöstlichen Ecke abgebaut. Am Mittwoch soll es an der südöstlichen Ecke weitergehen. Dafür muss der Kran umgesetzt werden. Wenn alle vier Wasserspeier am Boden sind, werden sie von Steinmetzen aufgearbeitet. Sie werden die Oberfläche des Sandsteins bearbeiten, damit sie wieder wasserdurchlässig wird. Gestaute Feuchtigkeit im Inneren ist eines der Hauptprobleme bei den Sandsteinbauteilen. Außerdem werden die Steinstücke repariert und teils nachgebaut werden müssen. Das betrifft filigrane Teile wie eben das Ohr. „Die Hunde werden auch am Po abgesägt“, sagt Architekt Schulte. Am Boden wird eine komplett neue Verankerung aus Stein an die Wasserspeier gebaut. Oben am Kirchturm werden die Steinmetze eine Aussparung im Sims vorbereiten. Der fertige Höllenhund soll dann wie ein Puzzleteil hineingesetzt werden.

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