80 Jahre alte Kastanien sollen in Königsborn Wohnhäusern weichen

Anwohner sind verärgert

Für die Zechensiedlung Königsborn hat die Stadt Unna einen Bebauungsplan aufgestellt, der noch bis Freitag, 3. August, zur öffentlichen Einsicht ausliegt. Bis dahin können Bürger noch Einwände dagegen erheben. Die ersten haben dies bereits getan: Betroffen ist nämlich eine im Volksmund „Kastanienplatz“ genannte Wiese, auf der fünf alte Bäume stehen. Sie sollen gefällt werden.

Unna-Königsborn

, 30.07.2018, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
80 Jahre alte Kastanien sollen in Königsborn Wohnhäusern weichen

Die Anwohner sorgen sich um die Kastanien an der Hermannstraße. © UDO HENNES

An der Hermannstraße regt sich Unmut: Wegen einer geplanten Wohnbebauung sollen fünf 80 Jahre alte Kastanien, die auf einer unbebauten Fläche zwischen Grillo- und Wilhelminenstraße stehen, der Säge zum Opfer fallen. Der Grund: Auf dem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft des griechischen Restaurants sollen Wohnhäuser gebaut werden.

„Ein entsprechender Bebauungsplan liegt noch bis zum 3. August aus“, bestätigt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. Bürger haben daher noch bis zum kommenden Freitag Gelegenheit, sich genauestens über die Pläne zu informieren und gegebenenfalls Einwände dagegen zu äußern.

Michaela Setzer wuchs an der Hermannstraße auf, ihre Mutter lebt noch immer dort. „Diese Kastanien sind wahrscheinlich sogar noch älter als 80 Jahre“, sagt Setzer und ärgert sich: „Die Stadt Unna verpflichtet sich zu einer freiwilligen Baumschutzsatzung, verkauft dann aber Grundstücke, auf denen alte Bäume stehen. So kann man den Baumschutz auch umgehen“, macht sie ihrem Unmut Luft. „Die Kastanien sind dort stadtbildprägend. Der Volksmund nennt die Wiese sogar „Kastanienplatz.“

Spielplatz wird nicht mehr benötigt

Tatsächlich gehört das 1354 Quadratmeter große Gelände zum Teil der Stadt Unna. Ein weiteres Flurstück gehört den Stadtwerken, ein drittes befindet sich in Privateigentum. Bislang geben die planungsrechtlichen Festsetzungen vor, dass „die Flurstück 963 und 964 als öffentliche Grünfläche mit der Zweckbestimmung Spielplatz festgesetzt sind. Festgesetzt zum Erhalt sind außerdem 4 Einzelbäume“. So steht es in der Begründung, die die Stadtverwaltung zum Bebauungsplan Unna-Nr. 46 vorlegt hat. Und das soll nun geändert werden.

Die zur Spielplatzbedarfsplanung im Jahr 2009 gegründete Arbeitsgemeinschaft stellte fest, dass die Fläche dafür nicht mehr benötigt wird. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Veränderungen der Lebensbedingungen junger Menschen und aus spielpädagogischen und jugendhilfeplanerischen Gesichtspunkten konnte die Fläche an der Hermannstraße aufgegeben werden, was der Jugendhilfeausschuss am 3. Juli 2012 auch förmlich beschloss.

Bäume sind rund 25 Meter hoch

Das aktuelle Vorhaben zählt nun zu den Maßnahmen der sogenannten Innenentwicklung. Weil es sich um eine Fläche kleiner als 20000 Quadratmeter handelt, ist ein beschleunigtes Verfahren zulässig. Der Flächennutzungsplan sieht dort Wohnbebauung vor, sodass der Bebauungsplan dieses Ziel weiterentwickelt. Die neue Bebauung soll sich an die Umgebung anpassen. Eine zweigeschossige Wohnbebauung in offener Bauweise mit Satteldach und einer Dachneigung von 40 -50 Grad ist daher möglich. Doch: Dazu müssen die Bäume weg.

„Inmitten der Fläche sind fünf Kastanien linear gepflanzt worden, die mittlerweile rund 80 Jahre alt und ca. 25 Meter hoch sind“, schreibt auch die Stadtverwaltung. „Sie haben Kronentraufbereiche mit Durchmessern von 10 bis 15 Metern. Sie können im Zuge der planungsrechtlich vorbereiteten Bebauung nicht erhalten bleiben.“ Die Begründung ist Folgende: Ihr Standort stehe einer Bebauung entweder direkt entgegen, beziehungsweise jegliche Eingriffe und Versiegelung des Erdreichs im Kronentraufbereich würden die Bäume langfristig schädigen und zu deren Abgang führen.

Anwohner: Bäume sind namensgebend für den Platz

Die Anwohner bringt das auf die Barrikaden. Normalerweise müsste die Gemeinde laut Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz einen Umweltbericht in die Begründung aufnehmen. Weil es sich jedoch um ein beschleunigtes Verfahren handelt, kann davon abgesehen werden. „Es sind keine hochwertigen Biotope oder sonstige Flächen mit besonderer Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege betroffen“, heißt es lapidar in der Vorlage der Stadtverwaltung.

„Das sind aber gesunde alte Bäume“, ärgert sich Michaela Setzer. „Sie geben dem Platz ihren Namen. Die kann man doch nicht einfach so fällen.“

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