Bürgerstiftung Unna

623 Stifter legen in Unna über 9 Millionen Euro für das Gemeinwohl an

Kann man die Bürgerstiftung Unna als einen Motor des Gemeinwohls bezeichnen, dann wird diese Maschine immer stärker. Das ist auch nötig, allein wegen der Inflation.
Eines von vielen Angeboten, die es ohne die Bürgerstiftung Unna nicht gäbe: Bei einem Tanz-Workshop an der Jugendkunstschule kamen Kinder in Bewegung. © Archiv

Ob Treibstoff oder Lebensmittel: Was Menschen täglich brauchen, wird immer teurer, und das Problem Preissteigerung trifft ärmere Menschen härter. Hier zu helfen, wird voraussichtlich eine der großen Herausforderungen der Bürgerstiftung Unna sein. Zum Glück gewinnt sie an Kraft, denn sie hat noch viele andere Projekte.

Bürgerstiftung wächst immer weiter

Im Rahmen eines nachgeholten Stifterforums – die letzte Präsenzveranstaltung war vor Beginn der Corona-Pandemie – gab es nun Informationen über die Entwicklung der Bürgerstiftung, über aktuelle und geplante Projekte.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 ist die Bürgerstiftung kontinuierlich gewachsen, und dieser Trend setzt sich fort. Die Zahl der Stifter, also der Bürger, Familien und Unternehmen, die dem Quasi-Verein angehören, ist seit November 2020 von 580 auf 623 gestiegen. Auch Stiftungsfonds haben sich vermehrt. Es sind inzwischen 33 Fonds, deren Initiatoren unter ihrem Namen Beträge ab 25.000 Euro unter dem Dach der Bürgerstiftung anlegen, um gemeinnützige Projekte zu fördern oder überhaupt zu ermöglichen.

In der Corona-Zeit gerieten viele Familien unter zusätzlichen finanziellen Druck. Die Bürgerstiftung linderte Not mit Lebensmittelgutscheinen. © privat

Mehr Stifter, mehr Fonds, auch durch Zustiftungen wächst das Kapital: von 8 auf 9,2 Millionen Euro in den vergangenen eineinhalb Jahren. Die Stiftung darf nur Erträge daraus für Projekte verwenden, nicht das Kapital selbst, daher sind direkte Spenden an die Stiftung nach wie vor sehr wichtig. „Wir benötigen Spenden, um Aktivitäten kontinuierlich durchführen zu können“, sagt Klaus Moßmeier, Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Allein im Jahr 2020 hat die Stiftung rund 400.000 Euro an Spenden erhalten. Inzwischen überweisen einige Stifter auch regelmäßig feste Förderbeiträge, mit denen die Stiftung arbeiten kann. Im Gegensatz zu gestiftetem Kapital haben Spenden den Vorteil, dass sie direkt in Projekte fließen können.

66.000 Euro für Lebensmittelgutscheine

Die Bürgerstiftung hilft in der Region Unna, wo Hilfe nötig ist, und das hängt immer auch von der Lage ab. Corona etwa setzte mit der zwischenzeitlichen Schließung der Tafel oder mit Kurzarbeit viele Menschen unter zusätzlichen Druck. In dieser Situation finanzierte die Bürgerstiftung Lebensmittelgutscheine, die in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt und dem Jobcenter unbürokratisch an bedürftige Familien geschickt wurden. In mehreren Wellen wurden auf diese Weise insgesamt 66.000 Euro verteilt, wie die Stiftung nun resümierte.

„Wir behalten auch die Situation der Ukraine-Flüchtlinge im Blick“, so Werner Overwaul vom Stiftungsvorstand. Sicher werde vor diesem Hintergrund auch Förderbedarf im Raum Unna entstehen, teils hat die Stiftung auch diese Menschen schon unterstützt.

Dass die Inflation für viele Menschen schwerwiegende Folgen hat, ist erkennbar, und die Stiftung rechnet damit, hier künftig helfen zu müssen. „Das wird eine große Herausforderung, was soziale Unterstützung angeht“, sagt Overwaul.

Für bestehende Einrichtungen und Projekte ist und bleibt die Stiftung verlässlicher Partner – ob zusätzliche Bewegungsangebote an Unnaer Grundschulen, Ausbildungsförderung bei der Werkstatt im Kreis Unna, Seniorenprojekte oder kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche. Auch die Behindertenhilfe wird nach Kräften unterstützt, darunter die Lebenshilfe im Kreis Unna und das Lebenszentrum. Monatlich werden Ideen und Anträge im Vorstand besprochen. „Wir fördern Unnaer Projekte, wenn sie Hand und Fuß haben“, so Simone Melenk vom Stiftungsvorstand.

Für die verschiedensten Projekte wurden im Jahr 2020 insgesamt 320.000 Euro ausgeschüttet. 2021 waren es 240.000 Euro. Für das laufende Jahr rechnet die Stiftung damit, rund 300.000 Euro auszuzahlen.

„Unna blüht auf“: Auch in diesem Jahr ist der Imkerverein Unna wieder eine Station in der Veranstaltungsreihe mit verschiedenen offenen Gärten. © Udo Hennes

Bald wieder Treffen in Gärten und Parks

Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Zeit freuen sich die Verantwortlichen, nicht nur Not zu lindern, sondern jetzt auch wieder die Begegnung von Menschen zu ermöglichen. In wenigen Tagen geht die Veranstaltungsreihe „Unna blüht auf“ in eine neue Runde. Bürger und Einrichtungen in Unna öffnen gemeinsam mit der Stiftung im Frühling und Frühsommer ihre Gärten, und dieses Programm könnte abwechslungsreicher nicht sein. Den Anfang macht der Südfriedhof, der am 14. Mai erkundet werden kann. Dabei wird es möglich, Unnas zentralen Bestattungsort aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

Am 15. Mai öffnen zwei besondere Grün-Oasen in der Innenstadt beziehungsweise in Königsborn: der Garten des Heilig-Geist-Hospizes und der Kräutergarten im Kurpark gemeinsam mit dem Imkerverein. Vor allem in verschiedenen Privatgärten geht es bunt weiter bis einschließlich 26. Juni. Der Eintritt ist jeweils frei, es wird um Spenden für den Hospiz-Garten gebeten.

Das Programm von „Unna blüht auf“ sowie viele weitere Informationen auch über Spendenmöglichkeiten und Mitgliedschaft gibt es auf der Internetseite www.buergerstiftung-unna.de.

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