59-jähriger Unnaer versteckt Gesuchten vor der Polizei

dzJustiz

Die Polizei steht vor der Tür, sucht einen Mann, nach dem sie fahndet. Der Wohnungsbesitzer lässt die Beamten jedoch draußen stehen – und macht sich damit selbst strafbar.

von Jana Peuckert

Unna

, 14.01.2020, 10:25 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wer polizeilich gesuchten Personen Unterschlupf bietet, macht sich wegen Strafvereitelung schuldig. So auch ein 59-Jähriger, der sich dafür jetzt am Amtsgericht Unna verantworten musste.

Weil er nicht zu seiner Haft angetreten war, war die Polizei hinter einem 23-Jährigen her. Dieser fand beim Angeklagten in dessen Wohnung in Unna ein Versteck.

Anonymer Hinweis hilft Polizei

Nach einem anonymen Hinweis – von einem seiner Söhne, wie der Angeklagte im Gericht angab – suchten Beamte am 2. Juli vergangenen Jahres die Wohnung des 59-Jährigen auf. Der ließ sie allerdings nicht hinein, forderte stattdessen einen Beschluss. Er habe mit Magen-Darm-Infekt im Bett gelegen, erklärte der Wohnungsinhaber vor Gericht. Von einem Haftbefehl habe er nichts gewusst. Außerdem: „Da war er (der Gesuchte) nicht bei mir.“

Besucher lässt Beamte in die Wohnung

Einen Tag später stand die Polizei erneut vor der Tür. Diesmal öffnete nicht der Angeklagte, sondern ein Besucher – und ließ die Beamten hinein. Drinnen stellte sich ihnen der angeklagte Wohnungsinhaber sofort in den Weg. „Er hat gesagt, wir sollen verschwinden“, sagte eine Polizistin im Zeugenstand aus. Einer der Gäste habe schließlich auf den Gesuchten gezeigt.

Der 59-Jährige gab an, aufgrund der vielen Leute nicht bemerkt zu haben, dass auch der 23-Jährige dabei war. Der habe sich unter einer Decke versteckt. Das konnte die Polizistin allerdings nicht bestätigen.

Gesuchter widerspricht seinem Helfer

Der damals Gesuchte fiel seinem Helfer im Prozess letztlich in den Rücken. Er gab an, an beiden Tagen in der Wohnung des Mannes gewesen zu sein. Er habe sich selbst stellen, aber zuvor erst noch seinen Geburtstag in Freiheit feiern wollen, erklärte der 23-Jährige.

Dem Angeklagten war nach dem Vorfall ein Strafbefehl über 1200 Euro Geldstrafe zugegangen. Dagegen hatte er Einspruch eingelegt. Nach der Aussage des damals Gesuchten nahm er diesen jedoch zurück.

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