50 Jahre für Freiheit und Gerechtigkeit

dzAmnesty International

Die Welt ist groß und Platz für Unrecht bietet sie viel. Den Kampf für die Menschenrechte betreibt Amnesty International auch aus dem beschaulichen Unna heraus – inzwischen seit 50 Jahren.

Unna

, 28.11.2018, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine Zeit der Kontroversen, als Anhänger von Amnesty International auf einem Treffen in Dortmund 1968 feststellten, dass unter ihnen genügend Unnaer für eine eigene Gruppe sind. Es war die Zeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Väter-Generation und dem autoritären Geist der Nazi-Jahre. Und es war eine Zeit, in der linke Theorien die Freiheit des Menschen als Folge einer internationalen Revolutionsbewegung dachten.

Inmitten einer oft lauten und polarisierenden Auseinandersetzung formierte sich in Unna eine Initiative, die zwar von der Debatte um Freiheit und Gerechtigkeit inspiriert war, sich aber von ideologischen Entwürfen freimachte. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 20 Jahre zuvor von den Vereinten Nationen beschlossen worden war, gilt als die Grundlage der Arbeit von „AI“. Und mit dem Prinzip, diese Arbeit von lokalen Gruppen leisten zu lassen, wurden die 30 Artikel der Erklärung konkretisiert.

Am Anfang stand bei Amnesty der Kampf für die Freilassung von politischen Gefangenen in aller Welt. Sie verliehen dem Unrecht auf der Welt Namen und Gesicht. Die einzelnen Fälle wurden auf die Ortsgruppen verteilt und bekamen eine persönliche Betreuung. Die Menschen, denen sich die Amnesty-Gruppe aus Unna widmete, waren seinerzeit weniger bekannt als etwa die von inhaftierten Journalisten oder Künstlern heute. Aber sie waren den Unnaern auch näher.

Barbara Engljähringer kam in den 70er-Jahren zu Amnesty International. Einen Inhaftierten begleitete sie mit ihren Briefen über 15 Jahre hinweg – bis zu seiner Hinrichtung im Jahr 1993. 103 Briefe hatte ihr der junge Mann namens Curtis aus seiner Zelle in Texas geschrieben. Im letzten verabschiedete er sich von der Unnaerin.

Die Todesstrafe gehört zu den Dingen, die Amnesty grundsätzlich ablehnt – auch bei Gewaltverbrechern. „Dass Menschen Menschen töten, die Menschen getötet haben, um damit zu zeigen, dass es Unrecht ist, Menschen zu töten, erscheint mir widersinnig“, erklärt Barbara Engljähringer ihre Motivation, sich für den jungen Curtis einzusetzen. Ob er, der nach einem Bandenüberfall zum Tode verurteilt worden war, tatsächlich der Mörder des Opfers war, war übrigens gar nicht eindeutig geklärt.

50 Jahre Amnesty

Zwei Aktionen für Recht und Freiheit

  • Mit dem jährlichen Briefmarathon setzt sich Amnesty International für die Freilassung von zehn ausgewählten politischen Häftlingen ein. Die Unnaer Gruppe baut dafür am 8. Dezember von 10 bis 14 Uhr einen Stand im Zentrum für Information und Bildung auf.
  • Zum Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember gibt es um 19.30 Uhr eine Lesung in der Buchhandlung Hornung am Markt. Landrat Michael Makiolla und Hausherr Michael Sacher tragen ausgewählte Texte über Freiheit und Gerechtigkeit vor.

Die Bewertung der Amnesty-Arbeit durch die Bevölkerung war in Unna anfangs sehr unterschiedlich. „Wenn wir mit einem Stand in der Innenstadt waren, haben wir die Person und das Schicksal eines Falles vorgestellt. Oft sind wir dabei angefeindet worden“, blickt Alison Black, ebenfalls AI-Mitglied seit den 70er-Jahren zurück. Wer irgendwo in der Todeszelle saß, der müsse doch auch etwas auf dem Kerbholz haben. Warum sich also für so einen Verbrecher einsetzen?

Die Antwort ist einfach: Weil nicht jeder Staat ein Rechtsstaat ist. Und weil in manchen Fällen Haft nicht etwa eine berechtigte Strafe ist, sondern eine Straftat. Neben einigen Arten der Bestrafung sind es oft die wahren Hintergründe, die Amnesty ablehnt.

Verändert hat sich die Arbeit in den Gruppen. Die persönliche Betreuung ist heute seltener. Eher setzt Amnesty eine konzentrierte Briefaktion als Druckmittel ein. Mag die Post auch gar nicht bis zum eigentlichen Empfänger durchkommen, so empfängt doch derjenige, der sie abfängt, das Signal: Dieser Mensch, der hier hinter Gittern sitzt, ist nicht vergessen. Die Welt schaut hin – auch aus Unna.

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