In der Stadthalle Unna initiierten der Runde Tisch gegen Gewalt und Rassismus sowie Schüler und Lehrer des Döbelner Lessing-Gymnasiums und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums eine anregende Diskussion. © Marcel Drawe
Schulprojekt

32 Jahre Mauerfall: Das denken Jung und Alt über Ost uns West

Kurz vor dem Jahrestag des Mauerfalls haben Schüler aus Döbeln und Unna eine interessante Diskussion angestoßen. Eine Erkenntnis: Der Blick auf die Einheit hängt sehr von der Generation ab.

Der Runde Tisch gegen Gewalt und Rassismus hatte bei seiner jüngsten Zusammenkunft in der Unnaer Stadthalle einen besonderen Rahmen: Schüler aus Unna und der sächsischen Partnerstadt Döbeln regten eine vielschichtige Diskussion an.

Klaus Koppenberg freute sich über ein Geschenk der Döbelner Delegation: In Unnas sächsischer Partnerstadt ist der Stiefel, was in Unna der Esel ist. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Kern der Veranstaltung war die Präsentation eines Projekts, an dem Schülerinnen und Schüler des Döbelner Lessing-Gymnasiums und des Unnaer Geschwister-Scholl-Gymnasiums auf Initiative des Runden Tischs gearbeitet hatten. Das Publikum in der Stadthalle lernte vor allem einiges über die Zeit der Wende in der sächsischen Stadt: Ausschnitte aus einem aufwendig produzierten Film der Schüler vermittelten Eindrücke von der örtlichen Protestbewegung gegen das SED-Regime, der Wende und der Zeit danach. Die Schüler erläuterten unter anderem auch, welche Folgen die Wiedervereinigung für die örtliche Wirtschaft oder das Döbelner Theater hatte.

Erfahrungen der älteren Generation

Es waren dann vor allem die etwas älteren Menschen im Publikum, die sehr persönliche Erinnerungen an die Zeit des Mauerfalls und der Wiedervereinigung schilderten. Katrin Niekrawietz etwa, Lehrerin am Döbelner Gymnasium, war zu jener Zeit schon im Schuldienst und erinnerte sich an die ersten Nachrichten vom Mauerfall, die sie wie viele andere Menschen zunächst nicht habe glauben können.

Rita Weißenberg und Klaus Koppenberg vom Runden Tisch gegen Gewalt und Rassismus moderierten den Abend in der Stadthalle. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Beate Kispal, damals wie heute Unnas Beauftragte für Städtepartnerschaften, erklärte, diese Zeit sei auch in Unna „spannend und aktiv“ gewesen. Sie habe Austausch und Besuche mit organisiert, als kurz vor dem Mauerfall die Freundschaft zwischen Unna und Döbeln besiegelt wurde. Und in Kispals Büro hätten Döbelner dann auch beim Besuch in Unna Berechtigungsscheine für ihre 100 Mark „Begrüßungsgeld“ erhalten.

Austausch hilft gegen Ost-West-Denken

Es gebe einen ost- und einen westspezifischen Blick auf die Ereignisse jener Zeit, so Michael Höhme, Schulleiter in Döbeln. Gibt es über 30 Jahre „danach“ überhaupt noch Ost-West-Denken? Die jungen Menschen, auch Unnaer Nachwuchspolitiker, erklärten, zwischen Ost und West überhaupt nicht mehr zu unterscheiden. Die Döbelner Schüler indes berichteten, das Thema sei in ihren Familien vor allem in der älteren Generation durchaus noch präsent.

Eine Zuhörerin zeigte sich überzeugt, es gebe immer noch viele Menschen, die Vorurteile hätten, deswegen seien viel mehr Kontakte zwischen Ost und West nötig. Klaus Koppenberg vom Runden Tisch, der den Abend gemeinsam mit Rita Weißenberg moderierte, bestätigte, es gehe auch bei diesem Projekt darum, „qualitätvolle Beziehungen“ zu gestalten. Der Schüleraustausch kann also auf jeden Fall als Erfolg gewertet werden. Beide Schulen kündigten an, ihre Zusammenarbeit noch weiter auszubauen.

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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