1600 Menschen in Armut: Neues Projekt soll helfen

dzArmut

Die Werkstatt im Kreis Unna startet ein Kooperationsprojekt gegen Armut: Es soll bedürftige Menschen im Kreis gezielt ausfindig machen und ihnen maßgeschneiderte Hilfestellung anbieten.

Kreis Unna

, 20.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Schulabschluss, kein Beruf, kein Job: Rund 1600 Menschen in Unna, Kamen und Lünen leben ohne ausreichendes Einkommen und ohne soziale Einbindung. Zuständige Ämter scheitern oft am Zugang zu armen Menschen; die klassischen Hilfen des Sozialstaates - egal ob Sozialamt, Jugendamt, Schulen oder Jobcenter - erreichen diese Familien oder Alleinstehenden nur unzureichend.

„Oft ist es nicht die fehlende Qualifikation, die Menschen daran hindert, den Weg aus der Armut zu finden, sondern die Mutlosigkeit“.
Michael Wacker, Werkstatt im Kreis Unna

Das Modellprojekt „Kobra“ (kurz für: Kooperative Bearbeitung regionaler Armut) der Werkstatt Unna möchte genau dort nun ansetzen: Es soll von Armut betroffene Menschen gezielt ausfindig machen und ihnen Hilfestellung anbieten, wie Projektleiter Michael Wacker von der Werkstatt im Kreis Unna erklärt: „Oft ist es nicht die fehlende Qualifikation, die Menschen daran hindert, den Weg aus der Armut zu finden, sondern die Mutlosigkeit“, sagt er. „Viele Menschen schämen sich, haben Schulden oder sind hoffnungslos.“

Gezielte Hilfe an vertrauten Orten

Damit diese Menschen sich in ihrer verzweifelten Lage nicht alleine um Anträge, Formulare und Hilfen kümmern müssen, sollen sie an vertrauten Orten wie etwa in Kitas, lokalen Treffpunkten oder bei Förderangeboten Unterstützung finden. Speziell geschulte Beratungskräfte sollen die Menschen mit hohem Hilfebedarf dort gezielt auffinden und ansprechen. „Es ist ja nicht so, dass von Armut betroffene Menschen mit einem Schild herumlaufen, auf dem ihre Lage beschrieben steht“, sagt Wacker.

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Das Projekt Kobra sei deshalb dafür da, gemeinsam mit den Betroffenen eine Perspektive zu finden, die genau auf ihre Situation zugeschnitten ist. „Es muss uns besser gelingen, die Menschen aktiv bei der Planung und Gestaltung ihrer Lebenssituation einzubeziehen. Unser Ziel ist es, dass Betroffene zu Beteiligten werden“, sagt Tina Geißen vom Verein In Via Unna, der sich ebenfalls am Kooperationsprojekt „Kobra“ beteiligt.

Mit eineinhalb Millionen Euro vom Bund gefördert

Dieses wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert: Etwa eineinhalb Millionen Euro fließen so in die kooperative Bearbeitung regionaler Armut. Von dem Projekt erwarten sich der Bund, der Kreis, das Jobcenter und die beteiligten Kommunen ein neues Konzept zur Armutsbekämpfung. Neben der Werkstatt im Kreis Unna ist auch die Awo und In Via Unna beteiligt.

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